Russland Moskau: Blaskapellen und Till Lindemann rocken den Roten Platz

Militärmusikfestival klingt nicht nach Action. In Moskau war das am Wochenende ganz anders. Beim Spasskaja Baschnja haben Marschkapellen und Rammstein-Sänger Till Lindemann den Roten Platz gerockt.

Moskauer Militärmusikfestival
Orchester des Russischen Verteidigungsministeriums auf dem Roten Platz 2020 Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Seit rund 15 Jahren versucht das russische Verteidigungsministerium, die Armee durch die Ausrichtung eines Militärmusikfestivals auf dem Roten Platz sexy zu machen. Das gelingt zumindest teilweise, denn Spasskaja Baschnja ist stets ein großer Erfolg. Auch das Comeback des Festivals nach einer Corona-Pause im vergangenen Jahr kommt bei den Moskauern gut an. Mittlerweile gehört das Moskauer Militärmusikfestival Spasskaja Baschnja zum festen Bestandteil der Feierlichkeiten rund um den "Tag der russischen Hauptstadt" am 4. September. Das Festival trägt den Namen des weltberühmten Spasski-Turms, des wichtigsten Turms der östlichen Kremlmauer, der gewissermaßen auf den Roten Platz hinüberschaut. Während 2020 das vom russischen Verteidigungsministerium organisierte Festival durch ein Online-Event ersetzt wurde, kehrten Militär- und Folkloreorchester sowie Ehrenformationen verschiedener Länder in diesem Jahr auf den Roten Platz zurück.

Moskauer Militärmusikfestival
Militärmusikfestival Spasskaja Baschnja auf dem Roten Platz in Moskau Bildrechte: IMAGO / Russian Look

Rammstein-Sänger Till Lindemann ist der Stargast

An vergangenen Wochenende stand aber noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm des Festivals: Headliner beim Spasskaja Baschnja war Rammstein-Sänger Till Lindemann – trotz der kürzlich entflammten Kontroversen um seine Person in Russland. In weißen Jacket sang Lindemann seine Version des russischen Heldenlieds "Geliebte Stadt", die er im Frühjahr auf Russisch aufgenommen hatte. Lindemann wurde nach Angaben russischer Medien mit stehenden Ovationen gefeiert.

Till Lindemann
Headliner auf dem Militämusikfestival in Moskau: Till Lindemann Bildrechte: imago images/Golovanov/Kivrin

Ansonsten wurde das Festival, das zu den drei größten seiner Art weltweit zählt, natürlich von der Marschmusik dominiert. "Wenn die Blasmusik mit origineller Kunst kombiniert wird, spürt man sofort die Vielseitigkeit der verschiedenen Länder", lobt Verteidigungsminister Sergej Schojgu das Festival, das unbestritten eines der Lieblingskinder seines Ministeriums ist.

Osteuropa

Shaolin-Mönche, Mireille Mathieu und das Musikkorps von Versailles - Musiker aus aller Welt auf dem Roten Platz in Moskau

Shaolin-Mönche
Außergewöhnliches Spektakel 2015 auf dem Roten Platz: Buddhistische Shaolin-Mönche aus China bei ihrem rituellen Auftritt, der Kampfkunst und Gesang auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Bildrechte: imago/Russian Look
Shaolin-Mönche
Außergewöhnliches Spektakel 2015 auf dem Roten Platz: Buddhistische Shaolin-Mönche aus China bei ihrem rituellen Auftritt, der Kampfkunst und Gesang auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Bildrechte: imago/Russian Look
Das Musikkorps von Versailles
Die Französischen Streitkräfte entsandten 2013 ein kleines Ensemble zum Militärmusikfestival nach Moskau - das Musikkorps von Versailles. Exzellente Musikerinnen und Musiker in Uniform. Bildrechte: IMAGO / Russian Look
Die Band der jordanischen Streitkräfte tritt beim internationalen Militärmusikfestival im Spasskaya Tower auf dem Roten Platz auf.
Auch die Kapelle der jordanischen Streitkräfte spielte bereits beim internationalen Militärmusikfestival auf. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS
Moskau Militärmusikfestival
Mit Dudelsack und Kilt: Eine Band der schottischen Armee samt Schülerinnen einer "Schule des schottischen Tanzes" 2015 auf dem Roten Platz. Bildrechte: IMAGO / Russian Look
Moskau Militärmusikfestival
In traditionellen Kostümen: Das Zentrale Orchester der Mongolischen Armee spielte 2016 auf dem Roten Platz in Moskau. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS
Moskauer Militärmusikfestival, die französische Sängerin Mireille Mathieu
2011 trat sogar die französische Sängerin Mireille Mathieu beim Moskauer Militärmusikfestival auf. Begleitet wurde sie natürlich von einer Militärkapelle. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS
Alle (6) Bilder anzeigen

Ein Militärorchester aus Gabun und griechische Kadetten

Sämtliche Sicherheitsbehörden Russlands waren selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder mit ihren Kapellen beim Festival Spasskaja Baschnja vertreten. Ebenso aber auch Orchester aus der ganzen Welt, etwa das Hauptorchester der Streitkräfte von Gabun. Die Militärkapelle aus dem zentralafrikanischen Staat wird von einer Frau geleitet und als "unverwechselbar" gepriesen. Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Festivals war der Auftritt eines griechischen Militärorchesters, das seit beinahe 200 Jahren existiert. Die Musiker unternahmen einen Ausflug in die Geschichte der griechischen Militäruniformen. 18 Kadetten marschierten und musizierten in den Uniformen verschiedener Epochen auf dem Roten Platz.

Reiterspiele sind tagsüber die große Attraktion

Seit zehn Jahren gehören auch Reiteraufführungen zum festen Bestandteil des 2006 begründeten Festivals. Diese finden in einer speziellen Arena auf dem Roten Platz statt. Dort glänzte unter anderem das weit über Russland hinaus bekannte Reiterteam der Kremlreitschule. Die Vorstellungen sind besonders bei Kindern beliebt und wurden tagsüber von rund 15.000 Menschen besucht, während das Hauptprogramm erst abends begann.

Moskau Militärmusikfestival
Das Musikkorps von Versailles 2013 bei seinem Auftritt auf dem Roten Platz Bildrechte: IMAGO / Russian Look

Die Moskauer lieben ihr Festival

2019, bei der letzten regulären Spasskaja Baschnja, wurde die Abendvorstellung von bis zu 90.000 Menschen besucht. Aufgrund der Corona-Einschränkungen wurde aber die Kapazität der Haupttribüne von mehr als 7.000 auf nur noch 3.000 Plätze verkleinert. Außerdem war der Zutritt auf das Festivalgelände nur mit einem QR-Code, der eine Impfung oder Genesung nachweist, gestattet. Dennoch war die Freude der Moskauer auf das Event nach der letztjährigen Pause groß – und der Auftritt von Till Lindemanns trug ganz sicher dazu bei.

Ein Angebot von

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell TV | 24. Juni 2020 | 19:30 Uhr

Mehr aus Land und Leute

Mehr aus Osteuropa