Schwimmen in der eisigen Ostsee Eisbaden - fast schon Volkssport in Polen

In Mielno an der polnischen Ostseeküste treffen sich immer im Februar mehr als 3.000 Menschen zum Internationalen Eisbadetag. Das Winterschwimmen wird in unserem Nachbarland immer beliebter. Vor allem junge Leute finden sich regelmäßig zusammen, um gemeinsam in die kalten polnischen Gewässer zu springen.

Eisbaden in Mielno
Gewimmel am winterlichen Ostssestrand von Mielno Bildrechte: Centrum Kultury Mielno

Jedes Jahr im Februar erwacht der polnische Ort Mielno für ein paar Tage aus dem Winterschlaf. Das Städtchen an der westpommerschen Ostseeküste ist dann für vier Tage Mekka für Anhänger eines ausgefallenen Sports – des Eisbadens.

In diesem Jahr findet das Internationale Treffen der Eisbader bereits zum 16. Mal statt, vom 8. bis 10. Februar. Erwartet werden mehr als 3.200 "Walrösser", wie die Anhänger des Eisbadens in Polen genannt werden. Das eisig-kalte Fest zieht inzwischen auch zahlreiche Winterschwimmer aus Deutschland, Schweden und der Ukraine an. Am Sonntag werden sie alle gemeinsam in die Ostsee springen, die um diese Jahreszeit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hat. An den Tagen vorher wird viel in die Sauna gegangen und sich danach in Bottichen abgekühlt. Wie jedes Jahr wird es auch einen Walross-Ball geben, bei dem sich die Mitglieder der wachsenden Community näher kennenlernen können.

Osteuropa

Eisbaden in Osteuropa Wintervergnügen für Hartgesottene

Eisbader aus Polen, Deutschland, Schweden und der Ukraine treffen sich am Wochenende zum Internationalen Eisbadetag in Mielno an der polnischen Ostseeküste. Eisbaden wird in unserem Nachbarland immer beliebter.

Menschen am Strand
Nach Mielno an der polnischen Ostseeküste kommen jedes Jahr im Februar Tausende Menschen zum Internationalen Treffen der Eisbader. Bildrechte: Centrum Kultury Mielno
Menschen am Strand
Nach Mielno an der polnischen Ostseeküste kommen jedes Jahr im Februar Tausende Menschen zum Internationalen Treffen der Eisbader. Bildrechte: Centrum Kultury Mielno
Menschen am Strand
Eisbader aus Polen, Deutschland, Schweden und der Ukraine gehen gemeinsam in der winterlichen Ostsee schwimmen - manche halten es mehrere Minuten im Wasser aus. Die Ostsee hat zu dieser Zeit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Bildrechte: Centrum Kultury Mielno
Kostümierte Frauen
Da das Treffen in der Karnevalszeit stattfindet, steigen viele auch kostümiert ins eiskalte Wasser. Bildrechte: IMAGO
Eisschwimmer Karneval in Mielno nahe Koszalin (Köslin).
Die Winterschwimmer werden in Polen "Walrösser" genannt. Doch dieses "Walross" tarnt sich lieber als Eisbär. Bildrechte: IMAGO
Eisbader sitzen am Jezioro Zegrzynskie auf dem Weg ins kühle Nass am Rande des Eisloches. Die Kälte spiegelt sich deutlich in ihrer Mimik wieder.
In Polen ist das Eisbaden Trendsport. Bildrechte: IMAGO
Eisbaden in der Danziger Bucht - eine Männergruppe geht im Dunkeln bei Schneetreiben ins Wasser der Ostsee.
Vor allem junge Leute treffen sich bis zu vier Mal die Woche, um gemeinsam in Eislöcher oder in die Ostsee zu steigen. Hier eine Gruppe, die regelmäßig in der Danziger Bucht baden geht. Bildrechte: Konrad Sarnowski
Eisbaden in der Danziger Bucht - eine mutige Frau springt von einem Steg ins Wasser.
Anfänger sollten nur wenige Sekunden im Wasser bleiben. Viele tragen spezielle Schuhe und Handschuhe, um sich etwas vor der Kälte zu schützen. Bildrechte: Konrad Sarnowski
Ein Pope hockt auf einem Holzsteg, hält ein Kreuz ins Wasser und segnet das Loch im Eis.
Eine lange Tradition hat das Eisbaden in Russland. Zum Epiphanias-Fest, das dort am 19. Januar gefeiert wird, segnen orthodoxe Priester die Löcher im Eis. Sie werden "Jordans" genannt - nach dem Fluss Jordan, in dem Jesus getauft wurde. Bildrechte: IMAGO
Gläubige in einem Eisloch nahe der Peter-und-Paul-Festung
Die orthodoxen Christen reinigen sich beim Bad im eisigen Wasser symbolisch von ihren Sünden.
(Über dieses Thema berichtete MDR aktuell auch im TV: 19.01.2018 | 17:45 Uhr.)
Bildrechte: imago/Russian Look
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Winterschwimmen für müde Muskeln

Eisbaden ist in Polen ein echter Trend, erzählt Katarzyna Tuszynska aus Danzig: "In jedem zweiten Sportclub gibt es inzwischen eine Gruppe von Leuten, die sich regelmäßig zum Eisbaden treffen." Sie selbst steigt zwei Mal in der Woche in das eisige Wasser der Danziger Bucht: "Es sind vor allem junge Leute, die viel Sport machen. Eisbaden reaktiviert die Muskeln danach."

Lange Tradition in Russland

So ganz neu ist das Eisbaden allerdings nicht. Das Springen in Eislöcher hat in Osteuropa eine lange Tradition: In Russland zum Beispiel wird am 19. Januar das Epiphanias-Fest mit dem traditionellen Eisbaden begangen. An diesem Tag tauchen Gläubige von Moskau bis Jakutsk in Eislöcher, die vorher von Priestern gesegnet wurden, und waschen sich symbolisch von ihren Sünden frei. Die Löcher werden "Jordans" genannt und erinnern an den Tag, als Christus im Jordan getauft wurde. Doch auch in Russland wird das Eisbaden immer stärker als Freizeitvergnügen oder Mutprobe wahrgenommen, ohne religiöse Bezüge.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im: TV | 19.01.2018 | 17:45 Uhr

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