Polen Illegales Büffelgras für Wodka

Żubrówka-Wodka bekommt seine besondere Note durch das Büffelgras. Das wächst in einem der letzten Urwälder Europas und steht unter Naturschutz. Pflücken also eigentlich verboten. Und wie kommt es trotzdem in die Flasche?

Irene Bobel sammelt illegalerweise Büffelgras im Urwald.
Sieht aus wie eine, die nichts Illegales tun würde, macht sie aber: Die Rentnerin Irena Bobel sammelt Büffelgras im Nationalpark. Bildrechte: MDR (aus TV Eigenproduktion)

Für ein Kilo getrocknetes Gras aus dem Urwald im äußersten Osten Polens bekommen Irena und Michał Bobel 50 Euro. Es ist kein normales Gras, mit dem das Rentner-Ehepaar solche Preise erzielt, sondern Büffelgras, auf Deutsch wird es auch duftendes Mariengras genannt. Ganz legal ist es nicht, wenn es die Bobels in der Nähe des Dorfes Białowieża sammeln, denn eigentlich bräuchten sie dafür eine Genehmigung. Die aber kostet Geld: "Und außerdem müsste man zum Oberförster gehen – der würde mir dann eine Stelle zuteilen, dann würde er noch mein gesammeltes Gras abwiegen und ich dürfte nur fünf Kilo pro Jahr sammeln" erzählt Irena Bobel. Teile der Urwälder, in denen das Büffelgras wächst, sind Nationalpark und sogar Weltnaturerbe der UNESCO. Mitten durch den Nationalpark verläuft die Grenze zwischen Polen und Belarus.

Von hier kommt auch der berühmte Żubrówka-Wodka. Erst das Büffelgras macht ihn zu dem, was er ist, denn durch das Extrakt des duftenden Grases bekommt der Hochprozentige seine besondere Note. Er schmeckt nämlich ein wenig nach Waldmeister und Vanille. Seit dem 17. Jahrhundert wird der Wodka hier mit Büffelgras aromatisiert und mittlerweile ist er weit über Polens Osten hinaus bekannt.

Bison-Grashalme werden während der Zubrowka-Wodkaherstellung zugegeben.
Erst das Büffelgras macht ihn zu dem, was er ist - der berühmte, polnische Żubrówka. Bildrechte: imago/Eastnews

Bisons und duftendes Gras im Urwald

Auf manchen Etiketten des Żubrówka-Wodkas prangt auch das Tier, für das auch der Białowieża-Nationalpark berühmt ist: der Bison, in Deutschland auch als Wisent bekannt. Die Nationalparkverwaltung gibt an, dass der letzte frei lebende Bison in Białowieża 1919 geschossen wurde. In ganz Europa gab es bald keine wild lebenden Wisente mehr. Doch dank einer Initiative mehrerer europäischer Zoos konnte das größte Landsäugetier aber nachgezüchtet werden. So gelang es in den 1950er-Jahren, im Białowieża-Nationalpark eine Herde Wisente wieder auszuwildern. Und heute kommen die Besucherinnen und Besucher, um das massige Huftier zu bestaunen.

Wisentbulle streift im Morgenlicht durch den Urwald von Bialowieza in Ostpolen
Seit den 1950er- Jahren können Wisente wie dieser Bulle mit etwas Geduld und Glück wieder im polnischen Urwald bestaunt werden. Bildrechte: imago/Harald Lange

Büffelgras ohne Genehmigung sammeln: Strafen drohen

Wo jetzt wieder Wisente unter Eichen und Hainbuchen leben, wächst auch das Büffelgras. Um es zwischen den anderen Gräsern im Wald zu erkennen, braucht es einige Erfahrung und eben ein bisschen Mut. Wenn jemand von der Forstaufsicht Irena und Michał Bobel ohne Genehmigung erwischen würde, drohen ihnen Strafen in Höhe von umgerechnet 100 bis 1.000 Euro, je nachdem, wie viel gesammeltes Gras sie dabei hätten. Also suchen sie heimlich. Auf den Verdienst aus dem Gras sind sie angewiesen, denn Michał braucht teure Medikamente, die er allein mit seiner Rente nicht bezahlen könnte. "Wir brauchen sechs Kilo frisches Gras, um ein Kilo trockenes Gras zu erhalten. Wir müssen ja erst die anderen Gräser aussortieren und dann trocknet es. Ich denke in einer guten Saison können wir pro Tag ein Kilogramm trockenes Gras sammeln. Den nächsten Tag verbringen wir damit, es zu sortieren."

Eine Frau trocknet Büffelgras zu Hause.
Irena Bobel sortiert und trocknet das Büffelgras zu Hause. Bildrechte: MDR (aus TV Eigenproduktion)

Angebautes Büffelgras bringt nicht das nötige Aroma

Wäre es da nicht leichter, das Büffelgras außerhalb des Waldes anzubauen? Roggen, die Basis für den besonderen Wodka, wächst ja auch auf Feldern. Aber so einfach ist das nicht. Das räumt selbst die Geschäftsführerin der Büffelgrasmanufaktur Iwona Kowalczuk im nahen Białystok ein. Neben der Manufaktur, in der pro Jahr vier Tonnen Büffelgras verarbeitet werden, wächst es nämlich auch: "Ein bisschen Aroma gibt dieses Gras auch, aber das aus dem Wald gibt ein sehr intensives Aroma und eine schöne Farbe. Dieses Gras hier ist eher Deko".

Irene Bobel sammelt illegalerweise Büffelgras im Urwald und sortiert und trocknet es dann zu Hause.
Kommerziell angebautes Büffelgras wie hier auf dem Feld von Familie Kowalczuk sei eher "Deko" als Geschmacksverstärker. Bildrechte: MDR (aus TV Eigenproduktion)

So sieht das auch Irena Bobel und hält deshalb nichts davon, das Büffelgras zu Hause anzubauen. Damit es aber auch weiterhin in seiner natürlichen Umgebung wachsen kann, sucht sie aus gesammelten Gras die Samen heraus und verstreut sie wieder im Wald.

Grenzgeschichten – Vom Baltikum ans Schwarze Meer

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Tatarische Volkstanzgruppe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN: Grenzgeschichten – Vom Baltikum ans Schwarze Meer | 23. August 2021 | 19:50 Uhr

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