Tartastan: Die Wolgainsel in Swijaschsk

Auf einer Anhöhe am Zusammenfluss der Wolga und ihres rechten Nebenarmes Swijaga, thront die Siedlung Swijaschsk mit nur 62 Hektar Fläche. Zu einer Insel wurde sie erst in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts. Grund dafür war die Errichtung des Kuibyschewer Stausees und dem zu der Zeit weltweit größtem Wasserkraftwerkes "V.l. Lenin".

Leben an der Wolga
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zar Iwan der Schreckliche ließ in Swijaschsk 1551 eine Festung errichten, das wichtigste Bollwerk im Kampf um das Khanat Kasan samt seiner Hauptstadt. Dafür trug man die hölzerne Bastion in Uglitsch etwa 100 km nördlich von Moskau ab, verfrachtete sie zerlegte in Einzelteile auf Flöße, schipperte die Fracht 1.500 km flussabwärts und baute alles in Swijaschsk wieder auf. 75.000 Mann errichteten die Stadt in nur vier Wochen. Nach der Eroberung des Tatarenreiches wurde die Festung in eine Klosteranlage umfunktioniert und zum Zentrum des russisch-orthodoxen Glaubens in der Region.

Haftanstalten und Erziehungsheime in Sowjetzeiten

Nach der Revolution schlossen die Kommunisten die Klöster, lösten die Glaubensgemeinschaften auf und zerstörten sogar einige Kirchen. In den übrig gebliebenen Gebäuden der ehemaligen Festung richteten sie ab den 1920er Jahren zunächst Haftanstalten für Gegner des politischen Systems ein, später dann ein Erziehungsheim für obdachlose Kinder und jugendliche Straftäter. Nach dem Krieg eröffnete in Swijaschsk eine psychiatrische Klinik, die erst 1994 schloss.

Nach dem Ende der UdSSR: Tartastan macht die Insel schön

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Die Holzkirche wurd eim 16. Jahrhundert ohne Nägel gebaut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der Auflösung der Sowjetunion erhielt die russisch-orthodoxe Kirche die Klosterstadt zurück. Die meisten Gebäude wurden und werden noch restauriert. In einigen feiern die Gläubigen wieder Gottesdienste, in anderen folgen Touristen den Spuren der Vergangenheit. Tatarstan unternahm einiges, um die Insel attraktiv zu machen. Unter anderem schüttete es 2008 einen etwa 3,5 km langen Damm von der Insel zum Festland in südwestlicher Richtung auf, der befahren werden kann und mit einer neuen Fernstraße zwischen Moskau, Nischni Nowgorod, Kasan und Ufa verbunden ist.  Mittlerweile gibt es sogar ein Hotel, einige Restaurants und Cafés.  

Weltkulturerbe

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Erst Festung, dann Kloster Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heute gibt es in Swijaschsk insgesamt 37 Denkmäler, darunter zwei Klöster und sieben Kirchen. Die einzige erhaltene Holzkirche unter den Gotteshäusern stammt aus der Zeit Iwans des Schrecklichen. Gebaut wurde sie ohne einen einzigen Nagel. Noch immer sind die Axteinschläge der Zimmerleute von Jaroslawl im Holz zu sehen. 1561 entstand außerdem die Mariä-Himmelfahrtskathedrale im gleichnamigen Kloster. Am 9. Juli 2017 erklärte die UNESCO die Kirche zum Welterbe. Bemerkenswert sind die Fresken, darunter eine Darstellung Zar Iwans des Schrecklichen, die noch zu seinen Lebzeiten entstanden sein soll. Kurz vor der Oktoberrevolution gesellte sich die monumentale neobyzantinische Kirche "Aller Trauernden Freude" zum religiösen Ensemble. Das gesamte Gelände ist von einer fast einen Kilometer langen Wehrmauer umgeben.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im TV: Heute im Osten - Die Reportage | 22.07.2017 | 18:00 Uhr

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