Polen Ostern in Polen: Stop-and-go zur Familie

29. März 2024, 15:41 Uhr

In Polen trifft sich Ostern die ganze Familie. Zur Tradition gehört auch, dass selbst Verwandte aus dem Ausland anreisen. Und fast alle fahren mit dem Auto. Das führt zu Megastaus. Und so schafft es nicht immer jeder, auch rechtzeitig anzukommen.

Jedes Jahr dasselbe: Osterverkehr in Polen bedeutet lange Staus. Doch egal wie schlimm die Verkehrsprognosen klingen, kaum ein Pole lässt sich davon abschrecken. Offenbar auch nicht von Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nach Angaben der polnischen Verkehrspolizei fahren viele Polen vor allem im Frühjahr mit einem sehr "schweren rechten Fuß". Das erlebe auch ich immer wieder, wenn ich über die Grenze von Deutschland nach Polen fahre. 20 bis 40 km/h schneller zu fahren als erlaubt, ist die Regel. Wer sich an die Vorschriften hält, wird von den anderen Autofahrern als Hindernis wahrgenommen.

Ein polnisches Polizeiauto
Beobachten und notfalls eingreifen: Die polnische Polizei ist Ostern im Großeinsatz. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Expertenrat: Welches Navi kennt die besten Schleichwege?

Doch wirklich energisch kann man in Polen vor Ostern gar nicht aufs Gaspedal treten. Vor allem die Ein- und Ausfahrten der Städte sind hoffnungslos verstopft. Mehr als Tempo 20 ist nicht drin. Experten überbieten sich Jahr für Jahr mit Ratschlägen, welche Navigationsgeräte die besten Schleichwege zeigen. Manchmal sind die Tipps auch skurril. So wie dieser: "Fahr erst am Samstagnachmittag oder am besten am Ostersonntag, wenn die Straßen leer sind." Da würde man dann allerdings das Osterfrühstück mit der Familie verpassen! Und wir lieben unsere Rituale und Traditionen.

Stau auf der Autobahn. Rechts LKWs, links PKWs.
Gefangen im Stau: Und was rät das Navi? Bildrechte: Anja Datan-Grajewski | MDR

"Fahrerlatein": Meine unglaubliche Reise zur Familie

Zu den neueren Ritualen am feierlichen Ostertisch gehören seit einigen Jahren Berichte über die Anreise. Da ist immer auch eine Menge "Fahrerlatein" im Spiel. Beliebtes Thema ist, wie man die Staus "überlistet" hat. Mein Schwager, der vor einigen Jahren in England arbeitete, berichtete einmal fasziniert von seinem polnischen WG-Mitbewohner in Manchester. Der war zum österlichen Familienfest von Großbritannien nach Polen mit dem Auto gefahren, statt zu fliegen. Seine Reise durch halb Europa dauerte zweieinhalb Tage. Denn nicht nur die polnischen Autobahnen sind vor Ostern voll. Zu den Einheimischen gesellen sich immer auch viele polnische Arbeiter, die von ihren Baustellen- oder Kellnerjobs im Ausland für ein paar Tage nach Hause fahren.

Fliegen? Exilpolen fahren Auto!

"Du hast das Gefühl, dass Millionen von Polen aus verschiedenen Ecken Europas nach Hause fahren. Auf den Straßen nach Polen sieht man Autos mit Kennzeichen aus England, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, aus Belgien und natürlich aus Deutschland. Du stehst in riesigen Staus und schwörst dir, dass du nächstes Jahr fliegst. Und dann steigst du doch wieder ins Auto ein. Es ist verrückt, aber vielleicht fühlst du ausgerechnet dann die Zugehörigkeit zur polnischen Kultur. Welcher Mensch bei gesundem Verstand würde denn wieder mit dem Auto durch Europa fahren?", fragt selbstironisch Piotr, ein Schulfreund von mir, der seit Jahren in London lebt.

Eine Boeing 737-8 MAX der LOT
Nur für Weicheier? Viele Polen bevorzugen das Auto. Auch wenn die Reise durch halb Europa führt. Bildrechte: imago images/Rüdiger Wölk

Geschichtenerzählen vor dem Klo

Piotr wird regelrecht sentimental, wenn er von den Begegnungen mit seinen Landsleuten auf deutschen Parkplätzen erzählt. Da treffen sich die aus allen Richtungen nach Hause strömenden Polen und tauschen sich aus - oft beim Schlangestehen vor den Toiletten. Da werden auch traurige Geschichten erzählt. Wie die vom LKW-Fahrer, der sein Osterfrühstück, das für Polen einen besonders feierlichen und familiären Charakter hat, auf einem Parkplatz hinter der deutsch-polnischen Grenze verspeisen musste. Er hat die Staus in Deutschland völlig unterschätzt. Und an Feiertagen gilt in Deutschland ja bekanntlich ein LKW-Fahrverbot. Zu Hause tauchte er dann erst nach Ostern auf.

Lkw-Stau am deutsch-polnischen Grenzübergang Linken
Auf Rastplätzen und an Grenzübergängen kommen polnische Kraftfahrer ins Gespräch. Bildrechte: imago/Jens Koehler

Alles bleibt, wie es ist

Neue Straßen werden gebaut, einige Strecken sind im Umbau. Doch schon jetzt fühlen sich die meistens zweispurigen Autobahnen viel zu eng an. In den nächsten Jahren wird sich die Lage noch zuspitzen, was natürlich besonders vor großen Feiertagen spürbar werden wird. Doch ob chronisch verstopfte Straßen meine Landsleute dazu bewegen, auf Flugzeug oder Bahn umzusteigen, bezweifele ich sehr. Das Meckern über die Autobahnen ist doch viel spannender.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 03. April 2018 | 17:45 Uhr

Mehr aus Osteuropa

Feuerwehrleute löschen ein Feuer nach einem russischen Angriff. 1 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Yevhen Titov
1 min 14.04.2024 | 20:22 Uhr

Bei einem russischen Angriff auf Charkiw sind nach Angaben ukrainischer Behörden 17 Menschen verletzt worden. Demnach schlugen zwei Raketen im Zentrum der zweitgrößten Stadt der Ukraine ein und zerstörten Wohngebäude.

Mi 17.01.2024 08:33Uhr 00:34 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/video-ukraine-angriff-charkiw100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus der Welt

Schlägerei im georgischen Parlament 1 min
Schlägerei im georgischen Parlament Bildrechte: AP
1 min 16.04.2024 | 10:12 Uhr

Im Parlament von Georgien ist es zu einer Prügelei gekommen. Ein Abgeordneter schlug auf den Fraktionschef der Regierungspartei ein. Das löste eine Schlägerei zwischen mehreren Abgeordneten aus.

Di 16.04.2024 10:00Uhr 00:52 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/politik/video-georgien-schlaegerei-parlament100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video