03.11.2017 Wie EU-Beobachter den Frieden in Südossetien sichern

Eine grünes Warnschild in mehreren Sprachen an der Adiminstrative Boundary Line (ABL) zwischen Georgien und Südossetien. Dahinter ein südossetischer Gebirgszug.
Trügerische Idylle: der unscheinbare grüne Zaun markiert eine der umstrittensten "Grenzen" der Welt. Diese trennt die Region Südossetien von Georgien, zu dem sie völkerrechtlich gehört. Bereits 1990 erklärte sich diese für unabhängig und steht seitdem unter Schutz Russlands. Der Konflikt mündete 2008 in einem fünftägigen Krieg zwischen Georgien und Russland. Nach einem Waffenstillstandsabkommen blieben russische Truppen auf südossetischem Territorium stationiert. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Eine grünes Warnschild in mehreren Sprachen an der Adiminstrative Boundary Line (ABL) zwischen Georgien und Südossetien. Dahinter ein südossetischer Gebirgszug.
Trügerische Idylle: der unscheinbare grüne Zaun markiert eine der umstrittensten "Grenzen" der Welt. Diese trennt die Region Südossetien von Georgien, zu dem sie völkerrechtlich gehört. Bereits 1990 erklärte sich diese für unabhängig und steht seitdem unter Schutz Russlands. Der Konflikt mündete 2008 in einem fünftägigen Krieg zwischen Georgien und Russland. Nach einem Waffenstillstandsabkommen blieben russische Truppen auf südossetischem Territorium stationiert. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Rückseite einer blauen Weste mit der Emblem der European Monitoring Mission (EUMM).
Auf georgischer Seite sollen zivile Beobachter der Europäischen Union den Frieden sichern. Die multinationale "European Monitoring Mission" (EUMM) überwacht die Veränderungen an der "Administrative Boundary Line" (ABL), wie die Demarkationslinie offiziell heißt. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
EUMM-Pressesprecher Hasso Resenbro vor zwei Geländewagen an der Adiminstrative Boundary Line (ABL) zwischen Georgien und Südossetien.
Tägliche patroullieren die Beobachter, die ihren Sitz in der Regionalhauptstadt Gori haben, entlang der ABL. Dort ehebt sich aus der Ebene das bergige Südossetien, das etwa viermal so groß wie Berlin ist. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
EUMM-Mitarbeiter Konstantinis Kondylis (links) und Hasso Resenbro (rechts) beobachten mit einer Feldstecher südossetisches Territorium.
Hauptaufgabe der EUMM-Beobachter ist es, Veränderungen an der ABL zu sichten und dokumentieren: Dazu zählen neue Straßen, Überwachungsanlagen und Gebäude auf südossetischer Seite. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Eine russische Militärbasis auf südossetischem Territorium.
Diese werden zum Großteil vom russischen Militär gebaut, das mittlerweile 19 Basen auf südossetischem Territorium unterhält. Manche sind nur wenige hundert Meter von der ABL entfernt. So können die Beobachter mit dem Feldstecher feststellen, dass diese immer weiter ausgebaut werden. Erkennbar sind Parabolantennen für den Fernsehempfang, Sportplätze und Kindertagesstätten. Ein Zeichen, dass die russischen Truppen einen permanenten Aufenthalt planen. Nahegelegene Radaranlagen lassen laut den Beobachtern darauf schließen, dass es auch Luftabwehrsystem gibt. Die sind laut Waffenstillstandsabkommen von 2008 eigentlich verboten, ebenso wie schweres Militärgerät. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
EUMM-Mitarbeiter Konstantinis Kondylis (rechts), und zwei Kollegen im Gespräch.
Die EUMM-Mitarbeiter sind jedoch um eine "gute Nachbarschaft" mit den russischen Militärs bemüht. Deshalb haben sie auch ein "Rotes Telefon" eingerichtet, eine direkte Telefonverbindung mit den russischen Befehlshabern. So sollen Zwischenfälle an der ABL vermieden werden, wo offene und versteckte Wachposten der Russen mitunter nur wenige Meter hinter der ABL liegen. Es geht aber auch um alltägliche Probleme, etwa wenn eine ausgebüchste Kuh sich auf die andere Seite verirrt hat - ein häufiges Problem. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Ein georgischer Bauer sortiert nahe der ABL frisch geerntete Zwetschgen. Dahinter ist Kollege Zurab im Gespräch mit den EUMM-Mitarbeitern
Denn die EUMM-Beobachter kümmern sich auch um die Belange der georgischen Bauern, deren Felder bis auf wenige Meter an die ABL heranreichen. Viele hier leben von der Apfel- oder Zwetschgen-Ernte. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Ein EUMM-Mitarbeiter hilft nahe der ABL bei der Zwetschgen-Ernte.
Deshalb gehören ein freundliches Gespräch und eine helfende Hand ebenfalls zu den täglichen Aufgaben der EUMM. Dadurch erhalten die Beobachter auch Informationen und Stimmungsbilder aus erster Hand. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Ein EUMM-Mitarbeiter mit einem geschenkten Apfel. Typ: Golden Resister.
Als kleinen Obolus gibt es dafür von den Bewohnern das ein oder andere schmackhafte Geschenk überreicht. Doch selbst das ist politisch. Diese Apfelsorte haben die Landwirte "Golden Resister" genannt: Goldener Widerständler. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Mehrere männliche Bewohner des georgischen Dorfes Mereti nahe der ABL zwischen Georgien und Südossetien. Daneben ein EUMM-Mitarbeiter.
Denn der Territorialstreit sorgt für allerlei Probleme. So gibt es in den armen Dörfern entlang der ABL neben der Landwirtschaft kaum Arbeit. Die meisten Bewohner schlagen deshalb die Zeit beim so genannten "Birja" tot, dem stundelangen Rumsitzen an der zentralen Kreuzung des Dorfes. Da wird auch über das größte Problem der Bewohner gesprochen: das fehlende Wasser. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Ein Arbeiter bohrt im georgischen Dorf Ditsi nahe der ABL mit einem mobilen Bohr-LKW nach Wasser.
Denn die georgische Tiefebene wird seit jeher mit dem Gebirgswasser aus Südossetien bewässert. Doch seit 2008 werden viele Bäche und Flüße auf südossetischer Seite umgeleitet und die Eben trocknet aus. Seit einigen Jahren lässt die georgische Regierung daher neue Brunnen graben. In der trockenen Ebene ist das aber ein anspruchsvolles und teures Unterfangen, da das Grundwasser in bis zu 200 Metern Tiefe lagert. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
EUMM-Mitarbeiter Konstantinis Kondylis (2.v.l.), Hasso Resenbro (2.v.r.) und eine Kollegin im Gespräch mit einem Bewohner des georgischen Dorfes Mereti nahe der ABL zwischen Georgien und Südossetien.
Außerdem reicht auch das nicht für die Bewässerung des ganzen Gebiets, was für viel Unmut bei den Bewohnern sorgt. Die EUMM-Beobachter hören sich deren Klagen geduldig an und versprechen, zu vermitteln. Ein Anruf über das "Rote Telefon" reiche da manchmal schon aus, damit das Wasser wieder fließe, erklärt ein Beobachter. Lösungen finden, dass sei das Wichtigste für alle, die entlang der ABL leben: dies- und jenseits der umstrittenen "Grenze".
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 23.08.2018 | 19:30 Uhr.)
Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Alle (12) Bilder anzeigen

Mehr Politik in Osteuropa

Mehr aus Osteuropa