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Verwundeter ukrainischer Soldat im Asow-Stahlwerk von Mariupol kurz vor der Aufgabe Bildrechte: dpa

Ukraine-KriegFragwürdiger Umgang mit Kriegsgefangenen

von Annette Kammerer, MDR AKTUELL

Stand: 13. Juni 2022, 09:58 Uhr

Im Ukraine-Krieg werden auf beiden Seiten Gefangene gemacht – und bisweilen fragwürdig behandelt. Von pro-russischen Separatisten wurde gegen ausländische "Söldner" in der Ost-Ukraine nun sogar die Todesstrafe verhängt. Auch werden Gefangene zur Schau gestellt, und das Schicksal der ukrainischen Soldaten aus dem lange umkämpften Stahlwerk in Mariupol gibt einigen Anlass zur Sorge.

In der Ost-Ukraine sind diese Woche drei ausländische Kämpfer zum Tode verurteilt worden: Zwei Briten und ein Marokkaner waren in der Separatisten-Republik Donezk vor ein Gericht gestellt und ihnen vorgeworfen worden, "als Söldner" auf ukrainischer Seite an den Kämpfen teilgenommen zu haben.

Immer wieder kommt es auf beiden Seiten des Kriegs zu Verurteilungen von Kriegsgefangenen, nun allerdings erstmals mit einer Todesstrafe und zwar für ausländische Kämpfer.

Kriegsgefangene werden zur Schau gestellt

Auch Videos von Kriegsgefangenen gibt es viele im Netz. Eines etwa zeigt einen jungen Mann, der sichtlich nervös in die Kamera spricht. Er sitzt auf einem Stuhl, seine Hände sind mit Klebeband zusammengebunden. Das rechte Auge ist durch eine blutige Binde verdeckt. Es ist ein russischer Soldat, der mit gerade einmal 20 Jahren in ukrainischer Kriegsgefangenschaft sitzt.

Gesammelt werden solche Videos etwa im Telegram-Kanal "Suche deine Angehörigen". Der Kanal wurde vom Innenministerium der Ukraine erstellt, wohl weniger als Akt der Nächstenliebe, als vielmehr um Erfolge zu zeigen und wahrscheinlich auch, um an der russischen Kampfmoral zu kratzen.

Jeanine Uhlmannsiek von Amnesty International Deutschland sagt: "Wenn Kriegsgefangene öffentlich in Erscheinung treten, kann es dazu führen, dass sie bei einer Rückkehr in ihr Heimatland gefährdet sind." Auch ihre Familien könnten Probleme bekommen "Deswegen sehen wir es sehr kritisch, wenn Kriegsgefangene öffentlich zur Schau gestellt werden", sagt Uhlmannsiek. Laut Kriegsrecht sei das eigentlich auch verboten.

Schätzungen zufolge gibt es mittlerweile tausende Kriegsgefangene auf beiden Seiten. Besonders schwierig scheint dabei die Lage der Soldaten aus Mariupol zu werden, warnt Uhlmannsiek: Vor allem sie seien von russischen Medien als "entmenschlicht" und in der Propaganda als Neonazis dargestellt worden. Besonders besorgniserregend sei dabei, dass in Russland schon wiederholt die Todesstrafe für sie gefordert worden sei.

Austausch von Gefangenen möglich

Zwar dürfen Kriegsgefangene laut Kriegsrecht vor Gericht gestellt werden. Doch ihr Prozess muss zum einen fair sein, zum anderen müssen sie wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden. Allein in einem Krieg zu kämpfen sei, sagt Uhlmannsiek, nicht strafbar.

Neben Verurteilungen, werden zwischen Russland und der Ukraine aber immer wieder auch Kriegsgefangene ausgetauscht. Untersucht wird das von Christoph Steinert, Politikwissenschaftler an der Universität Mannheim.

Er wertete über 10.000 Medienberichte zu solchen Austauschen aus. Mindestens 13 soll es bislang gegeben haben: Mal wurden 86 ukrainische Soldaten gegen 86 russische Soldaten getauscht, mal ein ukrainischer Bürgermeister gegen neun russische Soldaten.

Die Funktion davon könnte sein, dass quasi die Kampfbereitschaft der Truppen erhöht werden soll, bis zum letzten Mann zu kämpfen, also auch bis zu dem Risiko, der Gefangennahme.

Christoph Steinert, Politikwissenschaftler

Das könne eine Erklärung sein, sagt Steinert, "weshalb wir so viele Gefangenenaustausche in dieser ersten Konfliktphase erlebt haben". Im Fall der mehr als 1.000 ukrainischen Kriegsgefangenen aus Mariupol hat Russland jedoch angekündigt, sie nicht auszutauschen. Auch ihnen könnte nun in Russland die Todesstrafe drohen.

Quelle: MDR AKTUELL

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2022 | 06:10 Uhr

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