Stichwahl Milanovic wird neuer Präsident von Kroatien

Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat die Präsidentenwahl in Kroatien gewonnen. Der Herausforderer der konservativen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic kam
bei der Stichwahl am Sonntag auf rund 53 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis dürfte die Regierung nicht erfreuen.

Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic wird neuer Präsident von Kroatien. Laut vorläufigem Endergebnis erhielt der 53-Jährige knapp 52,7 Prozent der Stimmen. Damit verhinderte er die Wiederwahl der konservativen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic, die 47,3 Prozent der Stimmen erhielt.

Bereits erste Wahlrunde gewonnen

Milanovic hatte bereits die erste Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen für sich entschieden. Damals erhielt er 29,6 Prozent der Stimmen, Grabar-Kitarovic 26,7 Prozent. Die amtierende Präsidentin hatte aber noch auf Stimmen aus der Anhängerschaft des ultra-rechten Volksliedmusikers Miroslav Skoro gehofft, der nach der ersten Runde mit 24,4 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter relativ knapp ausgeschieden war.

Amtsbonus nützt Grabar-Kitarovic nichts

Im Wahlkampf spielten Themen wie die ineffiziente Regierungsführung und massive Auswanderung eine große Rolle. Grabar-Kitarovic war mit dem Bonus der amtierenden Präsidentin ins Rennen gegangen und hatte sich als "Frau des Volkes" für ein "geeintes Kroatien" beworben. Kritiker bemängelten jedoch, sie mache nicht einzuhaltende Versprechungen und biedere sich an.

Der Sozialdemokrat Milanovic wiederum versprach "Normalität" angesichts der von der politischen Rechten geführten "Scheindebatten" über die Landesgeschichte. Kroatien müsse den Krieg gegen Serbien (1991 bis 1995) endlich hinter sich lassen und seinen Platz in Europa finden.

Alarmsignal für Regierung Plenkovic

Das Staatsoberhaupt hat in Kroatien vor allem zeremonielle Befugnisse; die Regierungsgeschäfte werden vom Ministerpräsidenten geführt. Die Niederlage von Grabar-Kitarovic gilt aber als Alarmsignal für den amtierenden konservativen Ministerpräsidenten Andrej Plenkovic, dem in diesem Jahr noch eine Parlamentswahl bevorsteht.

Seine Partei HDZ hatte im die abgewählte Präsidentin Grabar-Kitarovic offiziell unterstützt. Grabar-Kitarovic war bis zu ihrem Amtsantritt 2015 selbst in der HDZ - kroatische Präsidenten müssen ihre Parteimitgliedschaft allerdings ablegen.

Kroatien ist seit 2013 in der Europäischen Union und ist damit deren jüngstes Mitglied. Seit dem Jahreswechsel hat das Land den EU-Ratsvorsitz inne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2020 | 20:00 Uhr

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