Slowakei Kuciak-Mordprozess endet mit Freispruch

Der Mord an dem slowakischen Journalisten Kuciak und seiner Verlobten hatte Anfang 2018 das Land erschüttert. Es gab Demonstrationen und die Regierung trat zurück. Es gab Neuwahlen und einen Prozess, an dessen Ende nun der mutmaßliche Auftraggeber des Mordes freigesprochen wurde – aus Mangel an Beweisen.

Marian Kocner
Der als Hintermann und Auftraggeber angeklagte Geschäftsmann Kočner wurde freigesprochen. Bildrechte: imago images/CTK Photo

Mit Schuldsprüchen für die Mörder, aber einem Freispruch für die mutmaßlichen Drahtzieher ist der slowakische Mordprozess um den Tod des Journalisten Ján Kuciak zu Ende gegangen. Der Unternehmer Marián Kočner wurde zwar des illegalen Waffenbesitzes schuldig gesprochen. Dass er den Mord an dem Enthüllungsreporter bestellt und bezahlt habe, sah das Gericht aber als nicht bewiesen an. 

Auch der mit ihm angeklagten Alena Z. konnte nach Ansicht des Gerichts nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass sie für Kočner den Mord organisiert habe. Die Staatsanwaltschaft kann gegen das Urteil noch Berufung einlegen. 

Mord im Februar 2018

In dem Prozess ging es um die Ermordung des Investigativ-Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová am 21. Februar 2018. Die beiden, 27 Jahre alt, wurden in ihrem Haus erschossen. Angeklagt waren der Unternehmer als Auftraggeber und Alena Z. als Organisatorin sowie ein als Mittäter schuldig gesprochener ehemaliger Polizist.

Der Todesschütze Miroslav M. und ein weiterer Mittäter hatten gestanden und waren im April verurteilt worden. Der Prozess hatte Anfang 2020 begonnen. Kuciak hatte über zwielichtige Geschäfte des Millionärs Kočner berichtet und zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Eine nach seinem Tod veröffentlichte Reportage löste Massendemonstrationen gegen Korruption aus und führte zum Rücktritt der damaligen Regierung von Robert Fico.

Reporter ohne Grenzen: "Schlag ins Gesicht"

Der Freispruch für Kočner und seine mutmaßliche Komplizin löste Empörung aus. Die Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" sprach von einem Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen. Das Gericht in Bratislava habe die Chance verpasst, ein Zeichen gegen Straflosigkeit und mafiöse Strukturen zu setzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. September 2020 | 12:00 Uhr

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