Russland-Ukraine-Krieg Newsblog: Ukraine meldet neue Angriffe auf Saporischschja

Während aus der Umgebung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja neue Kämpfe gemeldet werden, wird IAEA-Chef Grossi heute in Kiew erwartet und in Prag eine neuartige europäische Gemeinschaft – ohne Russland. Mehr hier im Newsblog.

Das Atomkraftwerk Saporischschja
Das Kernkraftwerk im ukrainischen Saporischschja ist das größte in Europa. Es ist umkämpft, was nicht nur Experten große Sorgen bereitet. Bildrechte: IMAGO/NurPhoto

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig überprüft werden können.

20:44 Uhr | Saporischschja: Gefahr eines Atomunfalls laut IAEA noch nicht gebannt

Die Gefahr eines Unfalls am Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA nicht gebannt. "Wir sagen immer wieder, was getan werden muss, nämlich, einen Atomunfall verhindern, der immer noch eine sehr, sehr klare Möglichkeit ist", sagte IAEA-Chef Rafael Grossi in Kiew.

Die Anlage ist wegen der Kämpfe in der Region abgeschaltet. Zur Sicherung der Anlage soll eine Schutzzone um das Kraftwerk errichtet werden – darüber verhandelt Grossi nach eigenen Angaben mit der Ukraine und Russland. Der IAEA-Chef will nach seinem Besuch in der Ukraine nach Moskau weiterreisen. Gespräche dort fänden auf "sehr hoher Führungsebene" statt, erklärte Grossi. Ob er Russlands Präsident Wladimir Putin treffen wird, ist unklar.

18:36 Uhr | IAEA: AKW Saporischschja gehört weiter zur Ukraine

Das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja gehört nach Darstellung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiter zur Ukraine. Dies sei die Haltung der UN-Behörde, erklärte Chef Rafael Grossi. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch angeordnet, das AKW als Eigentum der Russischen Föderation einzustufen. In dem größten Kernkraftwerk Europas arbeiten ukrainische Techniker unter russischer Aufsicht.

17:43 Uhr | Selenskyj fordert UN-Ausschluss Russlands und schärfere Sanktionen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat beim ersten Treffen der sogenannten Europäischen Politischen Gemeinschaft gefordert, Russland aus internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen auszuschließen und ein Kriegsverbrechertribunal einzurichten. Selenskyj erklärte bei dem Gipfel per Videoschalte, Russland sei ein Staat, "der geografisch zu Europa zu gehören scheint, aber mit Blick auf seine Werte und sein Verhalten der am stärksten anti-europäische Staat der Welt ist". Der ukrainische Präsident warb für Solidarität mit seinem Land und sprach sich für schärfere Sanktionen gegen Russland aus.

15:59 Uhr | Russland nimmt Siedlung in Donezk ein

Russische Truppen haben nach mehreren Niederlagen die Einnahme der Siedlung Sajzewe im Gebiet Donezk in der Ostukraine gemeldet. Die Ortschaft sei unter russische Kontrolle gebracht worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Ukraine hat bis zum frühen Nachmittag den Verlust von Sajzewe nicht bestätigt. Die Meldung deckt sich allerdings mit Erkenntnissen des Konfliktforschungsinstituts ISW, wonach russische Truppen im Gebiet Donezk Offensivoperationen durchführen.

12:17 Uhr | Russland will keinen Atomkrieg

Auch Russland geht laut Außenministerium in Moskau davon aus, dass ein Atomkrieg niemals geführt werden darf. Man stehe weiter zu diesem Prinzip, sagte die Sprecherin des Ministeriums, Maria Sacharowa, heute.

11:08 Uhr | Weitere Ausnahmen von Mobilmachung

Im Zuge der Teilmobilmachung für den Ukraine-Krieg hat Präsident Wladimir Putin weitere Gruppen vorübergehend vom Militärdienst befreit. Nach einem heute veröffentlichten Dekret wird die Einberufung von Studenten an Privat-Universitäten mit staatlicher Zulassung ausgesetzt. Dies gilt unter anderem auch für angehende Priester. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau sind bisher rund 200.000 junge Männer eingezogen worden. Davon ausgeschlossen waren zuvor bereits Studenten, die Mitarbeiter staatlicher Medien und IT-Experten, aber auch Väter von vier oder mehr Kindern.

10:47 Uhr | Deutsche Soldaten in Litauen

In Litauen sind Bundeswehr-Soldaten für die erste Übung der deutschen Nato-Brigade zum verstärkten Schutz des Bündnispartners eingetroffen. Wie ein Bundeswehr-Sprecher heute sagte, wurden Soldaten und Fahrzeuge des Jägerbataillons 413 aus Torgelow per Schiff von Kiel über die Ostsee in das das baltische EU-Land verlegt. Vom Hafen von Klaipeda sei ein Konvoi dann gestern Abend zum litauischen Militärstützpunkt Rukla abgefahren. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Nato einen stärkeren Schutz ihrer Ost-Flanke beschlossen. Deutschland soll eine Kampf-Brigade mit 3.000 bis 5.000 Soldaten in Litauen führen. Waffen, Munition und ein Stab sollen dort stationiert werden, die meisten Soldaten aber in Deutschland bleiben.

10:43 Uhr | Debatte um Autos geflohener Russen

Autos, die aus Russland kürzlich geflohene Kriegsdienstverweigern unter anderem in den Grenzgebieten zurückgelassen haben, sollen in nächster Zeit nun anscheinend beschlagnahmt werden.

Autos stehen am Grenzkontrollpunkt Nuijamaa Schlange, um die Grenze von Russland nach Finnland zu passieren.
Russische-finnische Grenze am 23. September Bildrechte: dpa

Der Duma-Abgeordnete Oleg Morosow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti heute: "Wir müssen das Gesetz dringend ändern, damit Entscheidungen zur Überführung von Fahrzeugen in staatliches Eigentum getroffen werden."

Nach der am 21. September verkündeten Teilmobilmachung gab es an Grenzen zu Georgien, Kasachstan und Finnland kilometerlange Staus. Viele Menschen gingen dann zu Fuß, um schneller aus dem Land zu kommen.

10:34 Uhr | Ukraine meldet Angriffe auf Stadt Saporischschja

Bei neuen russischen Angriffen auf die Stadt Saporischschja sind nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet und fünf weitere verschüttet worden. Russische Truppen hätten mehrere Hochhäuser beschossen, teilte der ukrainische Regionalgouverneur Oleksandr Staruch. Saporischschja liegt in der gleichnamigen Region, in der auch das von der russischen Armee besetzte Atomkraftwerk liegt. Russland hatte die Region in dieser Woche illegal annektiert, obwohl sie nicht vollständig unter Kontrolle russischer Truppen ist, und dabei auch das Atomkraftwerk verstaatlicht.

09:03 Uhr | US-Berichte über Anschlag auf Dugina

US-Geheimdienste gehen nach US-Medienberichten davon aus, dass Mitglieder der ukrainischen Regierung den Mordanschlag auf Darja Dugina in Moskau genehmigt haben. Die USA hätten keine Kenntnis von den Plänen gehabt, berichtetet der Sender CNN ähnlich wie die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Es sei aber offen, wer genau den Anschlag abgesegnet habe. US-Regierungsvertreter hätten ukrainische deswegen ermahnt. Das Auto der Tochter des Rechtsnationalisten Alexander Dugin war am 20. August bei Moskau explodiert. Russland macht ukrainische Geheimdienste dafür verantwortlich. Kiew weist das zurück.

08:40 Uhr | Tschtschene Kadyrow befördert

Der russische Präsident Wladimir Putin den autoritären Machthaber der muslimisch geprägten Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus, Ramsan Kadyrow, zum Generaloberst der russischen Armee befördert. Er sei Putin "unglaublich dankbar" für die "große Wertschätzung", schrieb Kadyrow bei Telegram. Tschetschenische Einheiten kämpfen in der Ukraine an der Seite russischer Truppen und gelten als äußerst brutal.

08:14 Uhr | Russland bietet Gas über Nord Stream 2 an

Russlands Energieminister Alexander Nowak hat jetzt angeboten, durch die Nord- Stream-2-Pipeline wieder Gas nach Europa zu liefern. Einer der beiden Leitungsstränge sei "in technisch geeignetem Zustand", sagte er gestern im Staatsfernsehen. Zugleich forderte Nowak eine Beteiligung auch russischer Stellen an den laufenden Ermittlungen zu der Sabotage.

Durch Explosionen unter Wasser waren beide Stränge der Pipeline Nord Stream 1 beschädigt worden, aber nur ein Strang der erst kurz vor Beginn des Kriegs fertiggestellten Nord-Stream-2-Leitung. Deren Betriebsgenehmigung war allerdings von Deutschland auf Eis gelegt worden – als Reaktion auf den russischen Angriff gegen die Ukraine.

Experten gehen von einem Sabotageakt gegen die Leitungen aus und vermuten Russland als Urheber, was Moskau aber bestreitet. Unterdessen wollen Deutschland und Spanien eine neue Leitung über Land bauen.

07:38 Uhr | Ukraine zahlt Renten im Donbass aus

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, dass die Ukraine nach der Rückeroberung erster Gebiete im Donbass dort Zahlungen von Renten und Sozialleistungen wieder aufnimmt. Zudem kündigte er Vorbereitungen für die Bewältigung des absehbar "schwierigen Winters" an.

07:01 Uhr | Ukrainische Armee vor neuer Ofensive

Militärbeobachtern zufolge haben ukrainische Truppen sich im Gebiet Luhansk umgruppiert und sind bereit zu weiteren Angriffen. Bereits heute könnte es Gefechte um die für den russischen Nachschub wichtige Stadt Swatowe oder die Stadt Kreminna am Fluss Siwerskyj Donezk geben.

06:10 Uhr | IAEA-Chef Grossi in Kiew und Moskau

Der Chef der Internationalen Atombehörde, Rafael Grossi, wird heute in Kiew erwartet. Anschließend will der Argentinier auch nach Moskau reisen. Er will die Sicherheitsprobleme im Atomkraftwerk Saporischschja besprechen, das von russischen Truppen besetzt ist und von Moskau verstaatlicht werden soll. Das größte Kernkraftwerk in Europa ist weiter umkämpft, war mehrfach unter Beschuss geraten und musste sogar heruntergefahren werden.

05:43 Uhr | Kämpfe in Saporischschja halten an

Die Kämpfe in der ukrainischen Stadt Saporischschja haben in der vergangenen Nacht angehalten. Es seien Brände ausgebrochen und Rettungskräfte dabei, Menschen aus den Trümmern zu bergen, teilte der Gouverneur der Region, Oleksandr Starukh, auf Telegram mit. Mehrere Wohnhäuser seien durch den Beschuss beschädigt oder zerstört.

05:30 Uhr | Europäische Politische Gemeinschaft in Prag

Die Staats- und Regierungschefs von mehr als 40 europäischen Ländern werden heute zu einem ersten Treffen der neuen Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag erwartet. In dem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron initiierten Format wollen sie ihre Zusammenarbeit verbessern. Im Mittelpunkt der Gespräche dürften der russische Krieg gegen die Ukraine sowie dessen Folgen stehen, Sicherheitspolitik und Energiefragen.

Ziel des Treffens ist vor allem die Demonstration europäischer Geschlossenheit gegen Russland unter Präsident Wladmir Putin. Neben den 27 EU-Staaten sind 17 weitere Länder eingeladen, darunter die Ukraine, die Türkei, Norwegen und die Schweiz, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien, Bosnien-Herzegowina und das Kosovo, aber auch die beiden Kaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan.

00:00 Uhr | Newsblog am Donnerstag, 6. Oktober 2022

Guten Morgen, in unserem Newsblog halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 06. Oktober 2022 | 06:00 Uhr

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