Russland-Ukraine-Krieg Ticker: Mehr als 4.000 ukrainische Zivilisten nach UN-Angaben getötet

Nach UN-Angaben sind seit Kriegsbeginn mehr als 4.000 ukrainische Zivilisten getötet worden. Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse rechnet mit einem weiteren Vormarsch der russischen Armee im Donbass. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußert sich enttäuscht über Uneinigkeit in der EU. Mehr dazu in den aktuellen Ticker-Meldungen.

Gräber in der Ukraine
Gräber auf einem Friedhof in der ostukrainischen Stadt Mariupol. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs über 4.000 Zivilisten getötet worden. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:13 Uhr | Ukrainisch-orthodoxe Kirche sagt sich von Moskauer Patriarchat los

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats ihre "völlige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit" von Moskau erklärt. Was den Konflikt angehe, sei man uneins mit der Position des Moskauer Patriarchen Kirill, teilte die Kirche mit. Man verurteile den Krieg und appelliere an die Ukraine und Russland, den Verhandlungsprozess fortzusetzen und das Blutvergießen zu stoppen, hieß es. Kirill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, steht im Ukraine-Krieg fest hinter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Update 21:49 Uhr | Lage für Truppen in Sjewjerodonezk wird immer schwieriger

Die Lage für die ukrainischen Truppen in Sjewjerodonezk wird nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Luhansk, Serhij Gaidai, immer schwieriger. Russische Einheiten seien in die Stadt eingedrungen, schrieb er im Kurznachrichtendienst Telegram. Zwar hätten die ukrainischen Soldaten genügend Kraft und Ressourcen, um sich zu verteidigen. "Trotzdem ist es möglich, dass wir uns zurückziehen müssen, um uns nicht ergeben zu müssen." c

21:10 Uhr | Nato-Mitgliedschaft: Finnland drängt auf zügige Lösung

Finnland drängt auf eine zügige Lösung des Streits um seine Nato-Mitgliedschaft. Es sei sehr wichtig, dass die Vorbehalte der Türkei gegen einen Beitritt Finnlands zu dem Militärbündnis vor dem Nato-Gipfel Ende Juni beseitigt seien, sagte Außenminister Pekka Haavisto vor Journalisten nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Antony Blinken.

19:51 Uhr | Russland sagt 50 Millionen Tonnen Getreideexporte zu

Das russische Landwirtschaftsministerium hat die vorläufige Prognose für die Getreideernte bestätigt und zugesagt, bei diesem Ergebnis mindestens 50 Millionen Tonnen Getreide zu exportieren. Derzeit prognostiziere das Ministerium eine Ernte von 130 Millionen Tonnen.

Russland ist wie die Ukraine einer der größten Getreideexporteure weltweit. Der von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland hat auf den Weltmärkten zu einem deutlichen Anziehen der Lebensmittelpreise geführt. Experten befürchten angesichts der blockierten ukrainischen Häfen eine Hungersnot in Teilen der Welt.

19:36 Uhr | 25 Jahre Nato-Russland-Grundakte

"In der Geschichte ohne Beispiel": So nannte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Nato-Russland-Grundakte. Heute vor genau 25 Jahren wurde die Akte unterzeichnet. Mit ihr besiegelten Nato und Russland nicht nur das Ende ihrer Gegnerschaft, sondern auch auch die Absicht, für Stabilität im euro-atlantischen Raum zu sorgen. Doch zum erhofften "Sicherheitsraum zwischen Vancouver und Wladiwostok" kam es nie. Die Stationen eines Scheiterns:

18:48 Uhr | Österreichs Kanzler: Putin signalisiert Entgegenkommen

Karl Nehammer, Bundeskanzler von Österreich
Karl Nehammer, Bundeskanzler von Österreich (Archivbild) Bildrechte: dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Ansicht von Österreichs Kanzler Karl Nehammer im Ukraine-Krieg ein Entgegenkommen bei Getreideexporten sowie beim Umgang mit Kriegsgefangenen signalisiert. So habe Putin zugesichert, mit Kiew wieder über die Frage des Gefangenenaustauschs zu verhandeln, sagte Nehammer nach einem 45-minütigen Telefonat mit dem russischen Präsidenten. Darüber hinaus orte er eine gewisse Beweglichkeit Moskaus beim Problem des aktuell extrem erschwerten Getreide-Exports der Ukraine. «Putin hat Signale gegeben, dass er durchaus bereit ist, Exporte über die Seehäfen zuzulassen», sagte Nehammer.

Von Kremlseite hieß es, Putin habe Nehammer darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gebe, Russland die Schuld für die Probleme bei den Lebensmittellieferungen zu geben

17:59 Uhr | Slowakei verringert Abhängigkeit von russischem Gas

Die Slowakei hat ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen beträchtlich verringert. Das gaben Ministerpräsident Eduard Heger und Wirtschaftsminister Richard Sulik bekannt. "Heute kann ich Ihnen mitteilen, dass wir unsere Abhängigkeit von russischem Gas um 65 Prozent reduziert haben", sagte Sulik. Bisher bezog die Slowakei mehr als 80 Prozent ihres Erdgasbedarfs aus Russland.

Eine neue Gaspipeline, die Polen und die Slowakei verbindet, werde der Slowakei ermöglichen, Gas auch aus Norwegen und Übersee zu beziehen, sagte Heger. Sulik gab die Unterzeichnung von mehreren Gaslieferverträgen bekannt.

17:27 Uhr | Offenbar kaum Fortschritte bei Nato-Verhandlungen

Die Gespräche zwischen der Türkei und Finnland sowie Schweden über einen Nato-Beitritt der beiden nordischen Länder machen Insidern zufolge kaum Fortschritte. "Es ist nicht einfach", sagte ein Vertreter der Türkei. Es müssten konkrete Schritte unternommen werden, die schmerzhaft sein dürften. Die Gespräche würden fortgesetzt, ein Datum gebe es aber noch nicht. Delegationen von Finnland und Schweden waren in dieser Woche in der Türkei, um Bedenken der Türkei zu zerstreuen. Für einen Nato-Beitritt müssen alle 30 Länder zustimmen. Die Türkei stellt sich jedoch dagegen.

16:55 Uhr | UN: Mehr als 4.000 Zivilisten getötet

In der Ukraine sind seit der Invasion Russlands den Vereinten Nationen zufolge mehr als 4.000 Zivilisten getötet worden. Von den insgesamt 4.031 Toten seien fast 200 Kinder, teilte das UN-Menschenrechtsbüro mit. Die meisten seien Bombardierungen durch Artillerie oder Luftangriffen zum Opfer gefallen. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen. Einen Verantwortlichen nannte die UN nicht. Russland dementiert, in der Ukraine Zivilisten anzugreifen.

16:37 Uhr | Hofreiter fordert Panzerlieferungen an Ukraine

Ein Schützenpanzer der Bundeswehr vom Typ Marder, der von Rheinmetall Landsysteme gebaut wird, fährt bei der Informationslehrübung Landoperationen 2019 über ein Hindernis.
Ein Schützenpanzer der Bundeswehr vom Typ Marder. Bildrechte: dpa

Bei den Waffenlieferungen an die Ukraine mahnt der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter zur Eile. "Wir müssen dringend mehr Tempo machen bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine", sagte Hofreiter dem Nachrichtenportal "t-online". Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag machte sich zudem für die Lieferung deutscher Panzer stark: "Wieso liefern wir keine Marder-Schützenpanzer?" Das müsse geklärt werden, sagte Hofreiter.

16:19 Uhr | Nord Stream 1: Ukraine fordert Gas-Lieferstopp

Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber fordert von Deutschland, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln. Eine entsprechende Bitte sei der deutschen Regierung zugestellt worden, erklärte Serhij Makogon im ukrainischen Fernsehen. Deutsches Recht erlaube einen Betrieb der Pipeline unter der Bedingung, dass dadurch die Gasversorgung Europas gesichert werde. Russland habe jedoch "diese Prinzipien verletzt". Nord Stream 1 ist seit etwa einem Jahrzehnt ein wichtiger Strang für die deutsche Gasversorgung. Die Pipeline läuft von Russland aus durch die Ostsee bis Mecklenburg-Vorpommern.

15:38 Uhr | Gedenken und Protest bei Katholikentag

Inna Wjzelewa (r), die mit ihrer Tochter (l) aus Butscha in der Ukraine geflüchtet war, steht bei der Zentralen Kundgebung «Solidarität mit den Menschen in der Ukraine» beim Katholikentag auf der Bühne.
Inna Wjzelewa (rechts), die mit ihrer Tochter (links) aus Butscha in der Ukraine geflüchtet war, bei der Zentralen Kundgebung in Stuttgart Bildrechte: dpa

Mit einer Friedenskundgebung und einer Demonstration haben Hunderte Menschen beim Katholikentag ein Zeichen für Frieden in der Ukraine gesetzt. Rund 1.000 Menschen nahmen an einer Friedensaktion im Schlossgarten mit Schweigeminute, Musik, Gebeten und Berichten aus dem Kriegsgebiet teil. Die Ukrainierin Inna Wjzelewa, die mit ihrer Tochter Sofia vor dem Krieg aus der ukrainischen Stadt Butscha nach Stuttgart gehlohen war, berichtete von ihrer Flucht zu Fuß und per Zug.

Zur gleichen Zeit zog eine weitere Gruppe von rund 200 Personen in den Schlossgarten, die mehr und schnellere militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine forderten. Etliche von ihnen trugen weiße T-Shirts mit roten Handabdrücken als Symbol für Blut und Gewalt.

15:01 Uhr | Auswanderer-Ehepaar Döbrich: Bericht aus der Zentralukraine

Vor 20 Jahren wanderte das Ehepaar Döbrich aus dem Vogtland in die Zentralukraine aus und baute sich dort eine neue Existenz auf. Tino Böttcher hat nachgefragt, wie es ihm inzwischen geht und wie die Lage vor Ort ist:

14:52 Uhr | Sjewjerodonezk offenbar weitgehend eingeschlossen

Russische Truppen haben die Stadt Sjewjerodonezk dem Gouverneur der Provinz Luhansk zufolge zu zwei Drittel eingeschlossen. Serhij Gaidai bezieht sich auf Bürgermeister Olexander Strjuk. Demzufolge sind 90 Prozent der Häuser in Sjewjerodonezk zerstört.

In der ostukrainischen Stadt sind nach offiziellen Angaben 1.500 Menschen seit Kriegsausbruch getötet worden.

14:15 Uhr | London: Russland muss auf veraltete Panzer zurückgreifen

Truppen des Warschauer Paktes - hier eine Kolonne sowjetischer Panzer vom Typ T 62 - halten im März/April 1981 in Polen ihr großes Herbstmanöver ab.
Truppen des Warschauer Pakts auf einem Panzer T-62 im März/April 1981 in Polen. Bildrechte: dpa

Die russische Armee greift nach Ansicht britischer Regierungsexperten bei ihrem Krieg gegen die Ukraine inzwischen auf veraltete Panzer zurück. In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London heißt es, Moskau habe wahrscheinlich in den vergangenen Tagen T-62 aus Lagerbeständen geholt. Die Panzer wurden vor mehr als 50 Jahren produziert und gelten als verwundbarer als andere Modelle. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, das werfe ein Schlaglicht auf Russlands Mangel an modernem, einsatzbereitem Gerät.

13:53 Uhr | Mehrere Städte im Donbass mit russischen Raketen beschossen

Russlands Militär hat Angriffe auf die ostukrainischen Gebiete Charkiw und Donezk bestätigt. Auf eine ukrainische Brigade in der heftig umkämpften Stadt Bachmut in Donezk etwa seien Raketen abgefeuert worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag. Im Charkiwer Gebiet seien Militärobjekte ebenfalls mit Raketen beschossen worden.

Auch bei russischen Angriffen auf einen Militärstützpunkt in der ukrainischen Stadt Dnipro sind nach ukrainischen Angaben "rund zehn Menschen" getötet worden. "Ein Truppenübungsplatz der Nationalgarde ist heute Morgen von Iskander-Raketen getroffen worden", sagte der Regionalleiter der Nationalgarde, Gennady Korban, am Freitag dem Fernsehsender Dnipro TV. Weitere 30 bis 35 Menschen seien verletzt worden.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 67 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

Update 13:34 Uhr | Schulze fordert Putin zu Freigabe von ukrainischem Getreide auf

Entwicklungsministerin Svenja Schulze hat bei ihrem Ukraine-Besuch den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu aufgefordert, Getreidelieferungen über die ukrainischen Häfen zu ermöglichen. Schulze wies die russischen Vorwürfe zurück, dass die westlichen Sanktionen eine globale Hungerkrise provozierten. Lebensmittel seien von den Sanktionen ausgeschlossen, betonte die Ministerin. "Was Putin aber faktisch macht, ist, dass er die Häfen bombardiert und dadurch verhindert, dass Lebensmittel aus der Ukraine überhaupt exportiert werden können". Das müsse aufhören, forderte Schulze.

12:41 Uhr | Russland will seine Getreideexporte erhöhen

Russland will seine Getreideexporte nach den Worten von Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew deutlich steigern. In diesem Getreidejahr habe Russland bereits mehr als 35 Millionen Tonnen ausgeführt, darunter 28,5 Millionen Tonnen Weizen, sagte Patruschew am Freitag auf einer Getreidemesse. Bis Ende des Getreidejahrs Ende Juni werde das Volumen 37 Millionen Tonnen übersteigen. Im kommenden Getreidejahr "schätzen wir unser Exportpotenzial auf 50 Millionen Tonnen". Russlands Präsident Wladimir Putin hatte laut Kreml am Donnerstag in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi erklärt, Moskau sei bereit, "durch den Export von Getreide und Düngemitteln einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise zu leisten, sofern die politisch motivierten Beschränkungen des Westens aufgehoben werden".

12:22 Uhr | Schulze reist in die Ukraine und verspricht Wiederaufbauhilfe

Svenja Schulze und Iryna Wereschtschuk
Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Vize-Ministerpräsidentin der Ukraine, Iryna Wereschtschuk. Bildrechte: IMAGO/photothek

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze ist in die Ukraine gereist und hat der Regierung in Kiew deutsche Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt. Das Bundesentwicklungsministerium hatte vor einigen Wochen ein Sofortprogramm für die Ukraine aufgelegt, das inzwischen einen Umfang von rund 185 Millionen Euro hat. Darüber sollen unter anderem Unterkünfte für Binnenvertriebene finanziert und medizinische Güter bereitgestellt werden. Ferner sind Gelder für den ukrainischen Katastrophenschutz und die Trinkwasser- und Stromversorgung vorgesehen. Dafür wollte Schulze ihrem Ministerium zufolge heute mit Kiews Ministerpräsident Denys Schmyhal in den Austausch treten.

Schulze betonte, dass außerdem schon jetzt Grundlagen für eine international koordinierte Unterstützung des Wiederaufbaus einer freien und demokratischen Ukraine gelegt werden müssten.

12:10 Uhr | Scholz: "Putin darf nicht mit zynischem, menschenverachtendem Krieg durchkommen"

Bundeskanzler Olaf Scholz hat Russlands Präsident Wladimir Putin vor Illusionen im Ukraine-Krieg gewarnt. "Frieden entsteht nicht durch gewaltsames Unterwerfen. Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für den Frieden", sagt Scholz auf dem Katholikentag. Putin dürfe mit seinem "zynischen, menschenverachtenden Krieg" nicht durchkommen, fordert er. Putin führe nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern gegen die internationale Friedensordnung.

Scholz würdigt beim Katholikentag in Stuttgart außerdem das gesellschaftliche Engagement der deutschen Bürgerinnen und Bürger. Deutschland habe bisher fast 800.000 ukrainische Geflüchtete aufgenommen. Er spricht den Kirchen einen besonderen Dank für ihre Flüchtlingshilfe aus.

10:17 Uhr | Prorussische Separatisten verkünden Einnahme von Lyman

Laut einer Mitteilung des Generalstabs der Separatisten auf Telegram haben prorussische Separatisten die ostukrainische Stadt Lyman eingenommen. Man habe die "vollständige Kontrolle über Lyman" erlangt. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Verbindung zu den Großstädten Slowjansk und Kramatorsk.

09:33 Uhr | Habeck: Zeitraum für Verhandlungen um Öl-Embargo begrenzt

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält eine Einigung auf ein Öl-Embargo trotz des Widerstands der ungarischen Regierung weiterhin für möglich. Der Grünen-Politiker machte am Donnerstag in Berlin aber zugleich deutlich, dass er den Zeitraum für Verhandlungen für begrenzt hält. Mit Blick auf die Tage vor dem nächsten EU-Gipfel Anfang kommender Woche sagte Habeck: "Ich nehme an, das ist der Korridor, wo entweder eine Einigung zu erzielen ist oder man sich andere Instrumente überlegen muss."

Habeck äußerte Verständnis für Vorbehalte gegen das Öl-Embargo. Er habe auch für Deutschland immer wieder darauf hingewiesen, dass vor Entscheidungen Vorbereitungen zu treffen seien. Es sei "aber natürlich auch wichtig, dass Europa geschlossen bleibt und zusammen bleibt". Deswegen müssten alle Staaten ihre Anstrengungen unternehmen, ihre Öl-Abhängigkeit zu reduzieren. Das gelte auch für Ungarn.

09:22 Uhr | Russische Notenbank senkt Leitzins erneut deutlich

Die russische Notenbank hat ihre Geldpolitik trotz der anhaltenden Sanktionen gegen das Land erneut gelockert. Der Leitzins werde um 3,0 Prozentpunkte auf 11,0 Prozent reduziert, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Moskau mit. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einer Zinssenkung auf 11,5 Prozent gerechnet.

Reporter interviewt Mann 29 min
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

09:06 Uhr | 1.500 Tote seit Kriegsbeginn in ostukrainischer Stadt Sjewjerodonezk

In der besonders schwer umkämpften ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk sind offiziellen Angaben zufolge seit Kriegsbeginn rund 1.500 Menschen getötet worden. Darunter seien sowohl Soldaten als auch Zivilisten, sagte der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexandr Strjuk, am Freitag. Viele Menschen seien zudem geflüchtet. Von den einst 130.000 Einwohnern sei mittlerweile nur noch rund ein Zehntel da. Der Gouverneur des Luhansker Gebiets, Serhij Hajdaj, berichtete zudem von vier Toten durch russischen Beschuss auf Sjewjerodonezker Wohnviertel am Vortag.

06:34 Uhr | Domröse: Ukraine wird Donbass nicht halten können

Hans-Lothar Domröse
Ex-Nato-General Domröse schätzt die Lage für die ukrainische Armee im Donbass als aktuell kritisch ein. Bildrechte: dpa

Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse rechnet mit einem weiteren Vormarsch der russischen Armee im Donbass. Domröse sagte MDR AKTUELL, die russischen Streitkräfte seien reichweiten- und zahlenmäßig überlegen. Die Ukrainer könnten den Vorstoß höchstens verzögern, aber nicht aufhalten. Sie müssten sich zurückziehen, um ihre Soldaten überleben zu lassen. Nach Ansicht von Domröse spielt die Zeit aber für die ukrainische Armee. Im Herbst werde sie viele westliche Waffensysteme einsetzen und wieder mehr Widerstand leisten können.

Eine Rückeroberung der gesamten besetzten Gebiete im Osten einschließlich der Krim hält der frühere General aber nicht für realistisch.

06:00 Uhr | Russland verstärkt Angriffe im Donbass

Die ukrainische Armee steht an der Ostfront ihres Landes stark unter Druck. Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk wurde am Donnerstag laut Regionalregierung mit Artillerie und aus der Luft beschossen. Der ukrainische Generalstab teilte mit, der Angriff auf die Stadt und ihren Vorort Boriwske sei aber nicht erfolgreich gewesen. Im Ort Ustyniwka in der gleichen Region habe die russische Seite einen Teilerfolg errungen, hieß es.

Die Großstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind derzeit die ukrainischen Vorposten im Osten. Kämpfe gibt es aber auch schon im Rückraum dieser Städte. Damit droht die Abriegelung ukrainischer Truppen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft in seiner täglichen Fernsehansprache in der Nacht zu Freitag Moskau einen "Völkermord" im Donbass vor. Die russische Offensive könnte dazu führen, dass die Donbass-Region "unbewohnbar" wird, sagte Selenskyj. Auch die Großstadt Charkiw im Norden der Ukraine wurde am Donnerstag erneut Ziel von Angriffen, neun Menschen starben.

02:10 Uhr | Selenskyj kritisiert Ungarn

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist enttäuscht über die Uneinigkeit innerhalb der EU wegen weiterer Sanktionen gegen Russland. "Wie viele Wochen wird die Europäische Union noch versuchen, sich auf ein sechstes Paket zu einigen", sagte Selenskyj in einer abendlichen Fernsehansprache. Er sei den Ländern dankbar, die sich für neue Sanktionen einsetzten: "Aber woher nehmen die Leute, die dieses sechste Paket blockieren, ihre Macht? Warum dürfen sie diese Macht ausüben?"

Die EU diskutiert derzeit eine sechste Runde von Strafmaßnahmen, darunter ein Embargo für russische Ölimporte. Für einen solchen Schritt ist Einstimmigkeit erforderlich, doch Ungarn lehnt die Idee vorerst ab.

00:30 Uhr | Großes Interesse an Integrationskursen

Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zufolge zeigen Ukraine-Flüchtlinge ein großes Interesse an Integrationskursen zur Sprach- und Kulturvermittlung. Bislang seien innerhalb weniger Wochen bereits mehr als 80.000 Teilnahmeberechtigungen erteilt worden, teilte das Amt der Zeitung "Die Welt" mit. Nach Erhalt dieser Berechtigung müsse noch ein Einstufungstest absolviert werden, um das zum Bildungsniveau passende Kursangebot zu ermitteln. Daher vergingen "naturgemäß" einige Wochen bis zum tatsächlichen Kursbeginn. Das BAMF rechnet in den nächsten Wochen mit einem starken Anstieg der beginnenden Kurse. Aktuell nähmen "17.000 Ukrainer und Ukrainerinnen an einem Integrationskurs teil".

Der Leiter der BAMF-Integrationskursabteilung, Benjamin Beckmann, sagte der Zeitung, dass 95 Prozent der Ukraine-Flüchtlinge ihren Integrationskurs direkt mit dem normalen Sprachkurs beginnen können. Die rund 1.500 zugelassenen Integrationskursträger haben laut Beckmann in der kurzen Zeit seit dem russischen Angriff ihr Kursangebot verdoppelt.

00:05 Uhr | USA beharren weiter auf Sanktionen

Die US-Regierung hat Russlands Aufruf, Sanktionen gegen Freigabe von Getreide zurückzunehmen, abgelehnt. "Es ist Russland, das aktiv die Ausfuhr von Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen blockiert und den Hunger in der Welt vergrößert", sagte die US-Regierungssprecherin Karine Jean-Pierre am Donnerstag. Es würden Tonnen von Getreide in Silos in der Ukraine und auf Schiffen lagern, die wegen der russischen Seeblockade nicht verschifft werden könnten. Die Sanktionen würden weder die Ausfuhr noch die notwendigen Geldtransaktionen verhindern. Es gebe derzeit keine Diskussion darüber, Sanktionen aufzuheben, so Jean-Pierre.

Russland hatte angesichts der in der Ukraine blockierten Getreideexporte gefordert, die gegen das Land verhängten Sanktionen abzuschaffen. Die Maßnahmen setzen der russischen Wirtschaft seit Wochen zu und haben bereits zu Inflation und einem Wirtschaftseinbruch geführt.

00:00 Uhr | Ticker am Freitag, 27. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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