Abholzung im Nationalpark, 20.03.2018 Warschauer Regierung lässt Urwald abholzen

Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Andrzej Duda
Am 1. Januar 2017 unterschrieb Präsident Andrzej Duda die Gesetzesänderung, die in Polen stark diskutiert wurde. Das Gesetz hat auch Folgen für den Białowieża-Nationalpark: 80 Prozent des bislang geschützten Gebiets gehören dem polnischen Staatsforst. Und dieser plante die Rodung von Hunderttausenden Bäumen. Damit wurde eine 2016 eingeführte Regelung zur Abholzung von Bäumen im Nationalpark noch weiter gefasst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Offiziell dient die Neuregelung dem "aktiven Schutz" vor dem Borkenkäfer. Das Insekt befällt vor allem Fichten und trägt damit zum Baumsterben bei. Bildrechte: dpa
Umgestürter Baum im Bialowieza Nationalpark
Doch Experten bezweifeln diese Argumentation. Sie verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen Borkenkäfer ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems Wald seien und zu dessen Erhalt beitrügen. Denn die abgestorbenen Bäume böten anderen Tier- und Pflanzenarten am Boden Nahrung und Lebensraum. Bildrechte: Matthias Schickhofer
Holzstämme im Bialowieza-Urwald, Polen/Weißrussland
Dem Borkenkäfer-Argument widerspricht laut Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace auch die Tatsache, dass die Behörden gar nicht übermäßig viele Fichten fällen wollen, sondern vor allem Laubbäume. Bildrechte: IMAGO
Baumstumpf
Greenpeace meint vielmehr, dass es der Regierung nicht um den Naturschutz gehe, sondern überwiegend um kommerzielle Gründe. So diene die Gesetzesänderung hauptsächlich dem Zweck, wirtschaftlich lukrative Baumarten im Nationalpark zu fällen. Bildrechte: IMAGO
Protest in Warschau am 17.01.2016 für Erhalt von Bialowieza-Urwald
Doch bereits seit dem Regierungsantritt der PiS im November 2015 formiert sich Protest gegen die weitreichenden Lockerungen beim Umweltschutz. Etwa hier bei einer Demo für den Erhalt des Białowieża-Urwalds im Januar 2016 in Warschau. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau trägt eine Maska aus Baumrinde über ihrem Gesicht.
Die Hoffnungen der Aktivisten lagen auch auf der Europäischen Union und der UNESCO. Beide hatten Polen aufgefordert, die Regelungen zu überarbeiten. Sie drohten mit Geldstrafen und dem Entzug und des Status' als Weltnaturerbe. Im Januar 2018 wurde Umweltminister Jan Szyszko entlassen und im Februar 2018 erkannte der neue Umweltminister Henryk Kowalczyk den Entscheid des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg an, dass die Rodungen im Urwald des Białowieża-Nationalparks nicht zulässig sind. Die Rodungen wurden gestoppt. Umweltschützer gehen davon aus, dass rund 19 Quadratkilometer der Waldfläche bereits zerstört wurden.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Sachsenspiegel | 26.02.2017 | 19:00 Uhr)
Bildrechte: IMAGO
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