Slowakei: Kleine Partei – großer Sieg

Ein Außenseiter hat die Wahl in der Slowakei überraschend deutlich gewonnen: Igor Matovič von der Protestpartei "Olano". Wahlverlierer sind die bisher regierenden Sozialdemokraten. Er werde aufräumen im Land, verkündete Matovič, und die korrupten Politiker endlich aus der Regierung vertreiben.

Igor Matovic
Wahlsieger Igor Matovič Bildrechte: imago images/CTK Photo

Eine Sporthalle in der westslowakischen Kreisstadt Trnava, vierzig Autominuten von der Hauptstadt Bratislava entfernt. Es ist Samstagabend. Alle Sitze auf den Tribünen sind besetzt, auf dem Feld drängen sich Hunderte Anhänger von Igor Matovič (46). Matovič ist mehr als nur der Vorsitzende der Partei "Olano" – die Abkürzung steht für "Partei gewöhnlicher Bürger und unabhängiger Kandidaten". Er ist de facto die Partei selbst.

Sozialdemokraten verlieren die Wahl

"Olano" zählt gerade einmal 45 Mitglieder – und wird bei den Parlamentswahlen am Wochenende klar stärkste Kraft in der Slowakei. Kurz nach 23 Uhr kommen die ersten Prognosen, in der Sporthalle von Trnava bricht Jubel aus wie nach Toren der Heimmannschaft. Igor Matovič betritt die Bühne und wiederholt vor den Kameras fast gebetsmühlenartig, man habe die Mafia aus dem Land gejagt. Die Mafia, damit meint er die bislang erfolgsverwöhnt regierenden Sozialdemokraten, die bei dieser Wahl herbe Verluste einstecken mussten. Die "Olano" hingegen hat ihr Ergebnis von 2016 fast verdoppeln können. Sie kommt auf mehr als 25 Prozent der Stimmen und ist somit klarer Wahlsieger.

Ein Schatten über dieser Wahl

Ein Mord lag wie ein Schatten über dieser Wahl. Der Auftragsmord an dem Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten vor zwei Jahren hat die Slowakei verändert. Kuciak war mit seinen Recherchen Oligarchen in die Quere gekommen. Die Ermittlungen in dem Mordfall zeigten immer wieder, dass sich ein Filz aus zwielichtigem Business und organisierter Kriminalität bis in die höchsten Kreise der Politik ausgebreitet hatte.

Konservative Protestpartei

Doch wer ist dieser Igor Matovič? Er machte Wahlkampf mit einem großen Thema – aggressiv und mit starken Worten: Er werde die korrupten Politiker aus der Regierung jagen, verspricht er unablässig. Wo sieht er seine politische Heimat?, frage ich ihn. Ganz klar, sagt Matovič, er führe eine konservative Protestpartei.

Beste Regierung aller Zeiten

Doch der Protest muss jetzt regieren. Er wolle die beste Regierung zusammenstellen, die die Slowakei jemals gehabt habe, verkündet Matovič. Die Chancen dafür stünden gar nicht schlecht, meinen die jubelnden Anhänger in der Turnhalle in Trnava. Es könne doch nach den Jahren unter den Sozialdemokraten nur noch besser werden.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in "Aktuell" 01.03.2020 | 19:30 Uhr

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