Ukraine-Krieg Ticker vom Samstag: Geberkonferenz sammelt Milliarden für ukrainische Geflüchtete

Eine Geberkonferenz in Warschau hat Spenden- und Kreditzusagen in Höhe von 9,1 Milliarden Euro zusammengebracht. Der ukrainische Präsident Selenskyj hat vor russischen Vorbereitungen für neue Kämpfe im Osten des Landes gewarnt. Bundeskanzler Olaf Scholz hat das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Imperialismus früherer Jahrhunderte verglichen. Die aktuellen Ereignisse im Ukraine-Krieg hier im Ticker.

Ursula von der Leyen (M), Präsidentin der Europäischen Kommission, und Andrzej Duda (l), Präsident von Polen, und Justin Trudeau (auf dem Bildschirm), Premierminister von Kanada.
Ursula von der Leyen mit internationalen Staatschefs bei der Geberkonferenz in Warschau. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

23:33 Uhr | Zivilisten in Ostukraine getötet

Bei russischen Angriffen in der Region Donezk sind nach ukrainischen Angaben fünf Zivilisten getötet worden. Nach Angaben des Gouverneurs Pawlo Kyrylenko im Messengerdienst Telegram wurden bei den Angriffen zudem fünf Menschen verletzt.

Weiter nördlich, in der Region Charkiw, wurden nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen bei einem russischen Bombardement getötet. Ein Mensch sei zudem bei dem Angriff in Slatyne verletzt worden, teilte der Bürgermeister der Nachbargemeinde Dergatschi auf Facebook mit.

23:11 Uhr | Großbritannien sagt der Ukraine gepanzerte Fahrzeuge zu

Der britische Premierminister Boris Johnson hat der Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffs 120 gepanzerte Fahrzeuge und Anti-Schiffsraketensysteme zugesagt. Es müsse sichergestellt werden, dass die Ukraine als freie und souveräne Nation überlebe und gedeihe, sagte Johnson nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew am Samstag.

Wolodymyr Selenskyj (r), Präsident der Ukraine, und Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, sprechen miteinander, während sie durch die Innenstadt von Kiew gehen.
Boris Johnson war am Samstag überraschend in die ukrainische Hauptstadt gereist. Bildrechte: dpa

Wir steigern unsere militärische und wirtschaftliche Unterstützung und bringen eine weltweite Allianz zusammen, um diese Tragödie zu beenden.

Boris Johnson Britischer Premierminister

22:05 Uhr | Moskauer Militär: Mehr als 700.000 Menschen nach Russland evakuiert

Mehr als 700.000 Menschen aus den Separatistengebieten Donezk und Luhansk sowie anderen Teilen der Ukraine sollen nach Militärangaben in Moskau seit dem 24. Februar nach Russland evakuiert worden sein. Allein am Samstag hätten knapp 27.000 Menschen die umkämpften Regionen Richtung Russland verlassen, sagte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium. Die russischen Zahlen sind nicht unabhängig zu überprüfen. Kiew wirft der Moskauer Seite vor, Flüchtlinge gegen deren Willen nach Russland zu bringen.

21:49 Uhr | Massaker in weiteren Kiewer Vororten befürchtet

Neben Butscha soll es in weiteren Kiewer Vororten zu Massakern an der Zivilbevölkerung durch die russische Armee gekommen sein. Präsident Wolodymyr Selenskij forderte eine "starke weltweite Antwort".

Mehr dazu im Video.

20:26 Uhr | Taliban: Diplomat in Moskau akkreditiert

Die in Afghanistan herrschenden Taliban sind erstmals in Russland mit einem diplomatischen Vertreter akkreditiert. Ein Sprecher des Taliban-Außenministeriums teilte mit, dass die Botschaft in Moskau offiziell übergeben wurde. Demnach musste der frühere Botschafter seine Arbeit einstellen. Ein Diplomat namens Dschamal Gharwal sei als Geschäftsträger dort, hieß es. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte nach Angaben der Agentur Interfax jüngst die Akkreditierung eines Talibanvertreters bestätigt. International hat noch kein Staat die Regierung der Taliban anerkannt.

19:49 Uhr | Dritter Gefangenenaustausch zwischen Russland und Ukraine

Die Ukraine und Russland haben nach Kiewer Angaben zum dritten Mal seit Kriegsbeginn Gefangene ausgetauscht. Insgesamt seien 26 Ukrainerinnen und Ukrainer aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk auf Facebook mit. Zwölf der Befreiten seien ukrainische Militärangehörige, darunter eine Frau im Offiziersrang. Außerdem seien 14 Zivilisten befreit worden: neun Frauen und fünf Männer. Es gab keine Angaben über den Ort des Austauschs und die Zahl der überstellten russischen Soldaten.

In Moskau teilte die russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa mit, beide Seiten hätten auch Fernfahrer ausgetauscht, die im anderen Land festsaßen. 32 russische und 20 Fernfahrer seien in ihre Heimat zurückgekehrt, meldete die Agentur Tass.

18:40 Uhr | EU-Außenbeauftrager fordert weitere Waffenlieferungen

Nach dem Raketentreffer auf einen Bahnhof in der Ukraine mit vielen getöteten Zivilisten hat der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borrell, mehr Waffenlieferungen an das Land gefordert. Diese seien derzeit entscheidender als ein Gas-Embargo, führte er aus. Die EU hatte zuvor ebenso wie die USA Russland für den Angriff auf den Bahnhof im ostukrainischen Kramatorsk mit mehr als 50 Toten verantwortlich gemacht. Der außenpolitische Sprecher der EU sprach von einem Kriegsverbrechen.

17:04 Uhr | Geberkonferenz sagt Milliardenhilfen für Geflüchtete zu

Eine internationale Geberkonferenz in Warschau für die Ukraine-Flüchtlingshilfe hat Spenden- und Kreditzusagen in Höhe von 9,1 Milliarden Euro eingebracht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte per Videobotschaft, Deutschland stelle zusätzliche 425 Millionen Euro an humanitärer Hilfe und Entwicklungshilfe für die Ukraine und ihre Nachbarstaaten zur Verfügung. Hinzu kämen 70 Millionen Euro an medizinischer Unterstützung: "Deutschland steht der Ukraine zur Seite." Die EU-Kommission sagte 1 Milliarde Euro zu, wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekanntgab.

Einberufen wurde die Geberkonferenz von der Nichtregierungsorganisation Global Citizen, der EU-Kommission und der kanadischen Regierung. Die Gelder sollen etwa an Projekte der Vereinten Nationen und örtlicher Hilfsorganisationen gehen.

16:49 Uhr | Britischer Premier Johnson trifft Selenskyj in Kiew

Boris Johnson
Der britische Premierminister Boris Johnson. Bildrechte: dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson ist unangekündigt nach Kiew gereist und hat dort den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen. Das teilten sowohl die britische als auch die ukrainische Seite mit. "Gerade jetzt hat ein Vier-Augen-Gespräch mit Präsident Selenskyj begonnen", schrieb der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Sybiha, auf Facebook. Dazu veröffentlichte er ein Foto, das zeigt wie sich die beiden Politiker an einem Tisch gegenüber sitzen. "Der Premierminister ist in die Ukraine gereist, um Präsident Selenskyj persönlich zu treffen, als ein Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk", sagte ein britischer Regierungssprecher. Die beiden wollten die langfristige Unterstützung Großbritanniens für die Ukraine besprechen. Johnson wolle ein neues Paket finanzieller und militärischer Hilfe darlegen.

16:06 Uhr | Selenskyj warnt vor neuer russischer Offensive

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einer russischen Offensive im Osten der Ukraine gewarnt. "Leider sehen wir parallel die Vorbereitungen für einen wichtigen - einige sagen: den entscheidenden - Kampf im Osten unseres Staates", sagte Selenskyj nach einem Treffen mit Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer in Kiew. Im Osten und Süden des Landes würden russische Truppenkonzentrationen beobachtet. "Eine große Zahl an Truppen, Technik und Waffen. Bewaffnete Menschen, die noch einen weiteren Teil unseres Landes besetzen wollen", sagte Selenskyj. Das werde eine schwere Schlacht. Trotzdem sei Kiew "vorerst" zu Verhandlungen mit Russland bereit.

15:42 Uhr | Außenministerium und EU verurteilen Schließung von Stiftungen

Das Auswärtige Amt hat die Schließung von 13 internationalen Organisationen, darunter alle deutschen politischen Stiftungen, durch das russische Justizministerium verurteilt. "Mit gezielten Verboten und Zensur werden konsequent alle Stimmen zum Schweigen gebracht, die sich für Transparenz und Wahrheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie einsetzen - zu Lasten des russischen Volkes", teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Samstag in Berlin mit. Auch die Europäische Union bedauert die Entscheidung des russischen Justizministeriums, wie der Europäische Auswärtige Dienst mitteilte. "Nichts in den Aktivitäten dieser Organisationen, die sich auf den Schutz der Rechte und Freiheiten der Bürger konzentrieren, rechtfertigt einen solchen Schritt."

15:20 Uhr | Tschernobyl-Mitarbeiter in Sorge um verschwundene Kollegen

Ein Schutzbau bedeckt den explodierten Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl
Das von einem Schutzbau bedeckte Kernkraftwerk Tschernobyl. Bildrechte: dpa

Mitarbeiter des ehemaligen ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl sorgen sich um ihre mutmaßlich nach Russland verschleppten Kollegen. "Es bekümmert uns", sagte Ingenieur Walerij Semjonow dem russischsprachigen Ableger des britischen Senders BBC. Die ukrainische Führung wirft Russland vor, die Belegschaft von Tschernobyl fast einen Monat lang als Geiseln im Bombenschutzkeller des Gebäudes festgehalten und dann gewaltsam nach Russland gebracht zu haben. Die Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen. Kurz nach ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hatten russische Truppen Tschernobyl besetzt. Um die Wartungsarbeiten an dem 1986 havarierten Atomkraftwerk kümmerte sich aber weiter ukrainisches Personal.

15:03 Uhr | YouTube blockiert russischen Parlamentskanal

Die Videostreaming-Platform YouTube hat den Kanal des russischen Abgeordnetenhauses blockiert. Duma TV sei wegen eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube gestrichen worden, hieß es in einer Mitteilung auf YouTube. Die russische Regulierungsbehörde Roskomnadsor forderte Google auf, den Zugang zum Duma-Kanal umgehend wiederherzustellen. Russlands Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin behauptete, IT-Unternehmen würden von US-Behörden zu einem "Informationskrieg" gegen Moskau gezwungen. "Das können wir nicht zulassen", schrieb Wolodin auf Telegram.

14:46 Uhr | Faeser kündigt Einschreiten bei Kriegsverherrlichung an

Mit Blick auf erwartete, neue prorussische Autokorsos hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein hartes Vorgehen gegen eine mögliche Verherrlichung von Kriegsverbrechen sowie das Verbreiten von Falschinformationen angekündigt. Bei den für Sonntag in mehreren deutschen Städten angekündigten Protestkundgebungen werde "sehr genau nach verbotenen Symbolen" geschaut werden, sagte Faeser der "Welt am Sonntag". Zudem müssten ukrainische Geflüchtete in Deutschland vor möglichen Übergriffen geschützt werden. "Das Zeigen des 'Z' verherrlicht Kriegsverbrechen und kann deshalb unserer Ansicht nach strafrechtlich verfolgt werden", warnte Faeser.

13:50 Uhr | Evakuierungen nach Angriff auf Kramatorsk fortgesetzt

Eine ältere Frau sitzt auf dem Beifahrersitz eines Autos und winkt, als sie mit anderen Zivilisten aus Kramatorsk evakuiert wird
Eine ältere Frau wird gemeinsam mit anderen Zivilisten aus Kramatorsk herausgebracht. Bildrechte: dpa

Einen Tag nach dem Raketenangriff auf den Bahnhof von Kramatorsk sind die Evakuierungen aus der ostukrainischen Stadt fortgesetzt worden. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichten, dass Überlebende des Angriffs mit Bussen und Kleintransportern aus der Stadt gebracht wurden. Die knapp 80 überwiegend ältere Menschen hatten die Nacht in einer Kirche nahe dem Bahnhof verbracht.

Der Bahnhof selbst ist noch geschlossen, die Zugänge waren mit Absperrband abgeriegelt. Mehrere Züge sollten nach Angaben der ukrainischen Bahngesellschaft jedoch von der Nachbarstadt Slowjansk aus abfahren. Der Bahnhof von Kramatorsk im Donbass war am Freitag bombardiert worden, als dort ukrainische Flüchtende auf einen Zug Richtung Westen warteten. 52 Menschen wurden nach Behördenangaben getötet und 109 weitere verletzt. Die Ukraine macht Russland für den Angriff verantwortlich. Die Regierung in Moskau weist das zurück.

12:47 Uhr | Ukraine ruft Bürger zur Anzeige russischer Kriegsverbrechen auf

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die Menschen in seinem Land aufgerufen, mutmaßliche Kriegsverbrechen russischer Soldaten zu melden.

durch Bomben zerstörtest Wohngebiet
Foto aus einem zerstörten Wohngebiet in Borodjanka. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Kuleba schrieb auf Twitter, dafür sei eigens eine Homepage eingerichtet worden. Das Sammeln der Beweise werde sicherstellen, dass die Kriegsverbrecher der Justiz nicht entkommen könnten. Auf der Seite wurden bislang Fotos sowie Berichte von Augenzeugen veröffentlicht, die Ermordung, Folter und Vergewaltigung von Zivilisten zeigen sollen.

In Butscha, Borodjanka und anderen Kiewer Vororten waren nach dem Abzug russischer Truppen Leichen von hunderten Zivilisten entdeckt worden. Das russische Militär bestreitet, die Taten verübt zu haben.

12:20 Uhr | Österreichs Kanzler in Kiew angekommen

Österreichs Kanzler Karl Nehammer ist zu einem Solidaritätsbesuch in Kiew eingetroffen. In der ukrainischen Hauptstadt wird er mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bürgermeister Vitali Klitschko zusammenkommen. Außerdem will er die Stadt Butscha besuchen, wo mehrere Hundert Zivilisten bei einem Massaker getötet wurden. Österreich hat bisher unter anderem 10.000 Helme und 9.000 Schutzwesten für den zivilen Einsatz in die Ukraine geliefert. Das Land gehört nicht der Nato an.

11:46 Uhr | Scholz wirft Putin imperialistisches Denken vor

Bundeskanzler Olaf Scholz hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein imperialistisches Denken vorgeworfen, "wie wir es aus dem 19., dem 18., dem 17. und anderen Jahrhunderten kennengelernt haben". Auf einer SPD-Wahlveranstaltung in Lübeck in Schleswig-Holstein forderte Scholz Putin zu einem sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine und zum Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine auf. Scholz betonte, die westlichen Sanktionen zeigten "jetzt schon dramatische Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Russlands". An Putin gewandt sagte er: "Du zerstörst die Zukunft Deines eigenen Landes." Weiter erklärte Scholz, man werde der Ukraine zudem helfen, sich selbst zu verteidigen. "Es ist richtig, dass wir sie mit Verteidigungswaffen ausstatten. Wir haben es getan und werden es weiter tun."

10:54 Uhr | Moskau meldet Zerstörung von Munitionsdepot

Russische Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau ein Munitionsdepot in der ukrainischen Region Poltawa zerstört. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitiert den Sprecher des Ministeriums, Igor Konaschenkow, mit den Worten, es handele sich um ein Lager auf dem Luftwaffenstützpunkt Myrhorod im Zentrum der Ukraine. Auch ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 und ein Mi-8-Hubschrauber seien bei dem Angriff zerstört worden.

09:26 Uhr | Leipzigs OB Jung fordert Kostenpauschale für Geflüchtete

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung fordert, dass die Kommunen für jeden aufgenommenen ukrainischen Geflüchteten1.000 Euro im Monat erhalten. Der SPD-Politiker sagte, das seien die realistischen Kosten, die den Städten und Gemeinden seit März monatlich entstünden. Den Bund-Länder-Kompromiss zur Versorgung der Geflüchteten begrüßte Jung. Damit trage der Bund einen Großteil der Kosten für Unterkunft und Integration. Jung mahnte aber auch Verteilung der Geflüchteten in ländliche Regionen an. Die Großstädte seien damit überfordert. Allein in Leipzig halten sich nach Angaben der Stadt derzeit knapp 10.000 Menschen aus der Ukraine auf. Es werden rund 300 Kita- und 1.000 Schulplätze benötigt.

09:18 Uhr | Einheitliche Entschädigungen für private Flüchtlingshelfer geplant

Private Flüchtlingshelfer sollen in Thüringen künftig einheitlich entschädigt werden. Nach MDR-Informationen sollen private Gastgeber, die einen ukrainische Flüchtling aufgenommen haben, für die erste Person 150 und für jede weitere Person 75 Euro bekommen. Einen entsprechenden Vorschlag will das Migrationsministerium nächste Woche den Kommunen unterbreiten.

Bislang gehen die Kommunen unterschiedliche Wege. Der Saale-Orla-Kreis beispielsweise wartet noch auf Vorgaben der Landesregierung und zahlt bislang nichts. Der Kreis Weimarer Land gewährt bereits pro Person und Monat 130 Euro, die Stadt Weimar zahlt 110 Euro.

08:11 Uhr | Zehn Fluchtkorridore für heute vereinbart

Die Ukraine und Russland haben sich nach Angaben der ukrainischen Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk für heute auf zehn Fluchtkorridore in den belagerten Gebieten verständigt. Wereschtschuk zufolge ist darunter einer für die eingekesselte und unter Beschuss liegende Hafenstadt Mariupol. Durch ihn sollten Menschen mit privaten Verkehrsmitteln in Sicherheit gebracht werden.

07:57 Uhr | Nachfrage nach Energie-Beratung deutlich gestiegen

Die Verbraucherzentralen in Mitteldeutschland verzeichnen angesichts steigender Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs eine große Nachfrage nach Energie-Beratungsangeboten. Wie die Verbraucherzentrale Sachsen MDR AKTUELL mitteilte, wurden im ersten Quartal fast so viele Energiechecks durchgeführt wie im gesamtem Vorjahr. Die Verbraucherzentrale Thüringen sprach von einem Zuwachs von rund 20 Prozent. Es gebe noch freie Termine für persönliche Beratungen beim Verbraucher zu Hause, doch diese seien oft mit langen Wartezeiten verbunden. Nach Angaben der Verbraucherzentrale in Sachsen-Anhalt drehen sich die Beratungsgespräche am häufigsten um das Thema Heizung.

07:20 | Waffenlieferungen aus Bundeswehrbestand kaum noch möglich

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht sieht kaum noch Möglichkeiten, die Ukraine direkt aus Beständen der Bundeswehr mit Waffen und Material zu versorgen. Die SPD-Politikerin sagte der "Augsburger Allgemeinen", um die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr aufrecht zu erhalten, müssten künftige Lieferungen an die Ukraine zunehmend direkt über die Rüstungsindustrie erfolgen. Das bedeute aber nicht, dass Deutschland nicht noch mehr für die Ukraine tun könne, betonte Lambrecht. "Deshalb haben wir ja auch geklärt, was die Industrie direkt liefern könnte." Einzelheiten über Waffenlieferungen nannte Lambrecht nicht.

06:57 Uhr | Ukraine: Russland setzt Angriffe im Osten fort

Die Angriffe russischer Einheiten im Donbass im Osten der Ukraine gehen ukrainischen Angaben zufolge weiter. Die Nachrichtenagentur Unian berichtet unter Berufung auf einen Bericht des ukrainischen Generalstabs, die russischen Truppen konzentrierten sich darauf, die Orte Rubischne, Nischne, Popasna und Nowobachmutiwka zu übernehmen. Außerdem wollten sie die volle Kontrolle über die Stadt Mariupol erlangen.

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, hatte am Freitag der Internet-Zeitung "Ukrajinska Prawda" gesagt, im Gebiet Luhansk sei die Situation in den Städten Rubischne und Popasna am schwierigsten. Ein Teil der 50.000-Einwohner-Stadt Rubischne sei von russischen Einheiten eingenommen worden, es gebe ständige Positionskämpfe und Beschuss. Auch Popasna mit seinen rund 20.000 Einwohnern werde seit mehr als einem Monat angegriffen. Es sei unmöglich, Menschen von dort zu evakuieren. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

04:45 Uhr | Ukraine will schnell Fragen zu EU-Beitritt beantworten

Die Ukraine will binnen einer Woche einen Fragebogen der Europäischen Union beantworten, der als Grundlage für Beitrittsgespräche dient. "Unsere Regierung wird die Antworten qualitativ und sehr schnell vorbereiten. Ich denke, binnen einer Woche", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

Am Freitag hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew einen Fragebogen überreicht, der die Grundlage für die Gespräche über den Beitritt sein soll. Kiew hatte kurz nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine die Mitgliedschaft in der EU beantragt. Derzeit prüft die EU-Kommission auf Bitten des Rats der EU-Staaten den Antrag.

04:19 Uhr | UN-Organisationen fordern Hilfe für gestrandete Seeleute

Die UNO fordert "dringende" Hilfsmaßnahmen für rund Tausend Seeleute, die auf Handelsschiffen in ukrainischen Häfen und Gewässern festsitzen. Wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) mitteilten, dürfen die mehr als hundert Schiffe die ukrainischen Häfen und Gewässer seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht verlassen.

Sie baten daher das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, "dringend Maßnahmen zu ergreifen", um bei der Versorgung der Schiffe zu helfen. "Zusätzlich zu den Gefahren, die durch Angriffe entstehen, fehlt es vielen der betroffenen Schiffe an Nahrung, Treibstoff, Trinkwasser und anderen lebenswichtigen Vorräten", heißt es in dem Hilfsaufruf. "Die Situation der Seeleute aus vielen Ländern wird dadurch immer unhaltbarer", erklärten ILO und IMO.

02:27 Uhr | Kiew: Mehr als 6.600 Menschen in Sicherheit gebracht

Mehr als 6.600 Menschen haben nach Angaben aus Kiew am Freitag umkämpfte ukrainische Gebiete verlassen können. Das teilt die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft mit. 1.614 Menschen stammten demnach aus der belagerten Hafenstadt Mariupol, mehr als 3.544 seien Bewohner des Gebiets Saporischschja.

In der südukrainischen Stadt Melitopol würden von russischen Einheiten seit 24 Stunden acht Evakuierungsbusse festgehalten, sagte Wereschtschuk weiter. Man führe Verhandlungen über die Rückgabe der Busse, um Menschen wie geplant zu evakuieren. Die ukrainische Regierung hatte am Freitag landesweit zehn Fluchtkorridore angekündigt. Die Routen werden jeden Tag neu eingerichtet.

02:10 Uhr | Selenskyj: Erwarte entschlossene Reaktion auf Kramatorsk

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach einem Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk mit mehr als 50 Toten eine entschiedene Antwort der internationalen Gemeinschaft. "Wir erwarten eine entschlossene, weltweite Reaktion auf dieses Kriegsverbrechen", sagt Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft.

Es seien die Energieexporte, die den Löwenanteil der Profite Russlands ausmachten. Sie ließen zudem die russische Führung glauben, dass die Welt die "Kriegsverbrechen" der russischen Armee ignorieren werde. Auch die russischen Banken müssten vollständig vom globalen Finanzsystem abgekoppelt werden. "Nicht einige von ihnen, sondern alle, das gesamte Bankensystem Russlands."

01:20 Uhr | Russland verbietet Arbeit parteinaher deutscher Stiftungen

Russland hat die Arbeit mehrerer parteinaher deutscher Stiftungen und internationaler Menschenrechtsorganisationen verboten. Die Registrierung entzogen worden sei etwa der Heinrich-Böll-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung, teilt das Justizministerium in Moskau mit.

Auch die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch sowie neun weitere Nichtregierungsorganisationen sind wegen angeblicher "Verstöße gegen die geltende Gesetzgebung der Russischen Föderation" betroffen.

00:30 Uhr | Geberkonferenz für Ukraine-Flüchtlinge in Warschau

In Warschau wird heute bei einer internationalen Geberkonferenz Geld für Flüchtlinge aus der Ukraine und Vertriebene innerhalb des Landes gesammelt. Einberufen wurde die Konferenz von der Nichtregierungsorganisation Global Citizen, der EU-Kommission und Kanada. Die Gelder sollen unter anderem an Programme der Vereinten Nationen und örtliche Hilfsinitiativen gehen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nimmt nach ihrem Besuch in Kiew persönlich an der Geberkonferenz teil, wie auch Polens Präsident Andrzej Duda. Der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau wird per Video zugeschaltet.

Seit dem Beginn der russischen Invasion Ende Februar haben bereits mehr als zweieinhalb Millionen Menschen die Ukraine über die Grenze nach Polen verlassen. Insgesamt sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits rund 4,4 Millionen Menschen ins Ausland geflüchtet – zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Auch innerhalb des Landes sind Millionen Menschen auf der Flucht. Die Bundesregierung hat für die mehr als 400.000 nach Deutschland geflohenen Menschen ein Hilfspaket aufgelegt.

00:00 Uhr | Ticker am Samstag, 9. April 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2022 | 06:00 Uhr

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