Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Samstag: Frauen, Kinder und Ältere aus Stahlwerk gerettet

Alle Frauen, Kinder und Älteren sind aus dem Asovstal-Werk in Mariupol gerettet worden. In der EU ist derweil ein weiterer Anlauf, ein Ölembargo gegen Russland zu beschließen, gescheitert. Der UN-Sicherheitsrat wiederum hat sich erstmals auf eine gemeinsame Erklärung zum Krieg in der Ukraine geeinigt. Russische Strategen planen die Abspaltung der Region um Cherson von der Ukraine. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Ein streunender Hund blickt auf einen Bus mit Anwohnern, die einen Unterschlupf im Stahlwerk Asovstal verlassen haben.
In Mariupol sind die letzten im Stahlwerk verbliebenen Frauen, Kinder und Älteren in Bussen aus der Stadt gebracht worden. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:17 Uhr | Hilferuf aus Stahlwerk

Ein ukrainischer Kämpfer im Asovstal-Werk hat einen eindringlichen Hilferuf gesendet. Kommandeur Serhij Wolynskyj schrieb auf Facebook, er könne nur noch auf ein Wunder hoffen, darauf, "dass höhere Kräfte eine Lösung für unsere Rettung finden". Weiter schrieb der 30-Jährige: "Es scheint so, als ob ich in irgendeiner höllischen Reality-Show gelandet bin, in der wir Militärs um unser Leben kämpfen, und die ganze Welt schaut dem interessanten Stück zu!". Doch: "Schmerz, Leiden, Hunger, Qualen, Tränen, Angst, Tod – alles ist echt!"

Außerdem schrieb er, dass bei der Evakuierungsaktion für Zivilisten drei ukrainische Soldaten getötet und sechs verwundet worden seien.

Mariupol ist seit Wochen unter russischer Kontrolle. Ukrainische Truppen sind rund 100 Kilometer entfernt und nicht in der Lage, den verbliebenen Soldaten in der Stadt zu helfen.

20:24 Uhr | Mehr als 200 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach Angaben ihres Notfalldirektors Mike Ryan bereits 200 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine dokumentiert. Ryan sagte, die Ergebnisse würden weitergegeben, um zu klären, ob dabei Verbrechen begangen wurden.

18:28 Uhr | Keine Frauen und Kinder mehr im Stahlwerk

In Mariupol haben nach Angaben der ukrainischen Regierung alle Frauen, Kinder und Ältere das belagerte Asovstal-Werk inzwischen verlassen können. Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk sagte: "Dieser Teil der humanitären Operation in Mariupol ist abgeschlossen." Ob unter den verbliebenen Männern im Stahlwerk noch Zivilisten sind, ließ sie zunächst offen.

Die jüngste Evakuierungsaktion war mit Hilfe der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zustande gekommen. Russlands Militär hatte dafür seit Donnerstag jeden Tag mehrstündige Feuerpausen zugesichert. Beobachter gehen davon aus, dass der Kreml Azovstal so schnell wie möglich einnehmen will, um am kommenden Montag, dem 77. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland - die Eroberung Mariupols verkünden zu können.

16:25 Uhr | Erneut keine Einigung auf Ölembargo

Die EU-Länder haben sich auch heute nicht auf ein Öl-Embargo gegen Russland einigen können. Wie die französische EU-Ratspräsidentschaft auf Twitter mitteilte, wurde für Sonntag die nächste Verhandlungsrunde angesetzt.

Hintergrund ist ein Streit um Ausnahmen für einige Staaten, die besonders stark von russischem Öl abhängig sind, zum Beispiel Ungarn, die Slowakei und Tschechien. Die EU-Kommission hatte zuvor vorgeschlagen, diesen Ländern mehr Zeit einzuräumen, um den Lieferstopp vollständig umzusetzen. Von Diplomaten hieß es aber, die Länder hätten noch weitere Zugeständnisse gefordert, unter anderem finanzielle Unterstützung. Damit das Sanktionspaket umgesetzt werden kann, müssen alle Länder zustimmen.

15:58 Uhr | Duma-Chef: USA unmittelbar beteiligt

Der russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin bezichtigt die USA einer unmittelbaren Beteiligung am Krieg in der Ukraine. Wolodin schrieb auf Telegram: "Washington koordiniert und entwickelt wesentlich militärische Operationen und beteiligt sich damit unmittelbar an Militäraktionen gegen unser Land."

Die USA und ihre Verbündeten in der Nato unterstützen zwar nach eigenen Angaben die Ukraine unter anderem mit Waffen, haben aber erklärt, damit seien sie keine Kriegspartei.

15:26 Uhr | Skoworoda-Museum zerstört

Bei den Kämpfen in der Region Charkiw ist nach ukrainischen Angaben ein Literaturmuseum zerstört worden, das dem Philosophen Hryhorij Skoworoda (1722-1794) gewidmet war. Der Gouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, sagte, das historische Gebäude sei nach russischem Beschuss abgebrannt. Die wertvollsten Teile des Inventars seien aber an einem sicheren Ort ausgelagert. Der Philosoph und Dichter Skoworoda wird in der Ukraine als auch Russland verehrt und hatte am Zarenhof gewirkt.

15:11 Uhr | Botschafter-Kritik zurückgewiesen

Nach Kritik des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk an Auflagen für Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin hat der Senat die Regelungen verteidigt.

Andrij Melnyk
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Melnyk. Bildrechte: dpa

Den Auflagen zufolge ist an Gedenkorten das Zeigen ukrainischer und russischer Flaggen verboten. Melnyk hatte das am Freitag als "eine Ohrfeige an die Ukraine" und "Schlag ins Gesicht des ukrainischen Volkes" bezeichnet.

Die Berliner Senatsinnenverwaltung stellte daraufhin jetzt klar, nur an 15 ausgewählten Gedenkorten in der Hauptstadt seien am Sonntag und Montag keine Flaggen und militärischen Symbole erlaubt. Außerdem gebe es eine Ausnahmeregelung für Veteranen des Zweiten Weltkrieges sowie Botschafter und deren Delegationen.

15:01 Uhr | Ukraine meldet Abschuss von russischem Landungsboot

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben ein Landungsboot der russischen Schwarzmeerflotte vom Typ "Serna" versenkt. Der Pressechef der Militärverwaltung von Odessa, Serhij Bratschuk, veröffentlichte ein Video, das den Beschuss des Schiffs mit einer Drohne zeigen soll. Die Echtheit der Bilder konnte unabhängig nicht überprüft werden. Von russischer Seite gab es zunächst keine Reaktion.

14:51 Uhr | Raketenbeschuss im Norden und Süden

Auf Odessa sind nach Angaben der Regionalverwaltung mehrere Raketen abgefeuert worden. Demnach waren zuvor bereits im Umland der südlich gelegenen Hafenstadt vier Raketen eingeschlagen.

Auch aus dem Norden der Ukraine melden örtliche Behörden Raketenangriffe. So seien in Myropilske and Chotin Raketen eingeschlagen. Dabei sei ein Grenzschutzbeamter verletzt worden. Die russischen Streitkräfte hatten sich im April aus dieser Region zurückgezogen.

14:40 Uhr | Botschaft spricht von Angriff auf russische Journalisten in Berlin

In Berlin soll es am Freitag einen Angriff auf russische Journalisten gegeben haben. Nach Angaben der russischen Botschaft wurde ein Sprengsatz in einer Flasche durch ein Fenster eines Gebäudes geworfen, in dem russische Journalisten leben. Der Sprengsatz sei von deutschen Sicherheitskräften entschärft worden.

Die Berliner Polizei berichtete vom Fund eines "Konstrukts mit einer Flasche", bei dem es sich "dem äußeren Anschein nach" um einen Brandsatz handelte, am Sitz einer Nebenstelle einer russischen Nachrichtenagentur. Der Gegenstand sei vor Ort zerstört worden. Zur tatsächlichen Gefährlichkeit und Tatmotivation liefen Ermittlungen von Staatsschutz und Generalstaatsanwaltschaft.

14:05 Uhr | Linken-Ostbeauftragter fordert bei EU-Ölembargo Ausnahmen für Ostdeutschland

Linken-Politiker Sören Pellmann
Linken-Politiker Sören Pellmann Bildrechte: Inga Haar

Der Ostbeauftragte der Linken-Bundestagsfraktion, Sören Pellmann, hat sich im Falle eines Ölembargos der EU gegen Russland für Ausnahmeregelungen für Ostdeutschland ausgesprochen. "Wir brauchen Übergangsregelungen, ansonsten drohen soziale und ökonomische Verwerfungen im Osten", sagte Pellmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Linken-Politiker warnte in diesem Zusammenhang vor einer "Ost-West-Spaltung" im Land. "Die Preise werden explodieren, die ostdeutsche Wirtschaft wird um zig Jahre zurückgeworfen", so Pellmann.

Laut den Plänen der EU sollen Ölimporte aus Russland bis Anfang des kommenden Jahres eingestellt werden. Für Ungarn, die Slowakei und Tschechien könnte es eine Übergangsfrist bis Ende 2024 geben. Abhängigkeit von russischem Öl besteht in Ostdeutschland vor allem durch die Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt. Dort endet die "Druschba"-Pipeline für russisches Öl. Von Schwedt aus werden große Teile Ostdeutschlands mit Ölprodukten versorgt.

13:55 Uhr | Separatisten: 50 Zivilisten aus Asow-Stahlwerk evakuiert

Aus dem umkämpften Asow-Stahlwerk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind nach Aussage der prorussischen Separatisten weitere 50 Zivilisten in Sicherheit gebracht worden. Das teilte der Stab der selbsternannten Volksrepublik Donezk auf seinem Telegram-Kanal mit. Eine Bestätigung für die Evakuierung von ukrainischer oder von unabhängiger Seite gibt es bislang nicht. Zudem machten die Separatisten keine Angaben darüber, wohin die Zivilisten evakuiert worden seien.

Aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol waren zuletzt Menschen evakuiert worden.
Aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol waren zuletzt Menschen evakuiert worden. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Zuletzt hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärt, auf weitere Evakuierungen aus dem Asow-Stahlwerk zu hoffen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass erfolgreiche Evakuierungen den Weg für weitere bereiten könnten, weil beide Seiten sähen, dass es funktioniere, sagte Dominik Stillhart, Operationsdirektor des Komitees der "Neuen Zürcher Zeitung". Er hoffe, dass man auf dieses Minimum an Vertrauen aufbauen könne. Er glaube indes nicht, dass der Konflikt bald vorüber sei.

13:16 Uhr | BKA startet mit Hilfe zur Untersuchung der Kriegsverbrechen in der Ukraine

Das Bundeskriminalamt unterstützt die Aufklärung mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine
Das Bundeskriminalamt unterstützt die Aufklärung mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine Bildrechte: dpa

Das Bundeskriminalamt hat erste Geräte und Materialien in die Ukraine geschickt, um bei der Untersuchung von mutmaßlichen Kriegsverbrechen im Zuge des russischen Angriffskrieges mitzuhelfen. Das bestätigte das deutsche Innenministerium am Mittag. Zuvor hatte die "Bild" berichtet. Demnach gehe es um eine umfangreiche Unterstützung der Ukraine mit Forensikausstattung. BKA-Beamte sollen zudem bei der Untersuchung von Beweismitteln und Leichen helfen und außerdem Schulungen etwa zur Arbeit an Tatorten anbieten. Ein direkter Einsatz deutscher BKA-Beamter im Kriegsgebiet sei aber nicht geplant.

Die Ermittlungen laufen dem Bericht zufolge im Auftrag des Generalbundesanwalts, die Ergebnisse sollen dann dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mitgeteilt werden. Für das Vorhaben hatte die Bundesanwaltschaft ein sogenanntes Strukturermittlungsverfahren eingeleitet, durch das Informationen über mögliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine gesammelt werden können. Ziel ist dabei, ohne konkrete Beschuldigte zunächst möglichst viele Beweise sicherzustellen.

11:52 | CDU-Chef Merz pocht auf angekündigtes Zwei-Prozent-Ziel für Verteidigungsausgaben

CDU-Vorsitzender Friedrich Merz
CDU-Vorsitzender Friedrich Merz Bildrechte: dpa

Der CDU-Vorsitzende Merz hat sich dafür ausgesprochen, die Bundeswehr dauerhaft besser auszustatten. Man erwarte, dass die regierende Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen das tue, was Kanzler Olaf Scholz Ende Februar angekündigt hat, nämlich "mehr als zwei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts ab sofort dauerhaft pro Jahr in unsere Verteidigung zu investieren", sagte Merz der "Rheinischen Post".

Der CDU-Politiker kritisierte, dass es seit der Ankündigung "merkwürdig still" um das Zwei-Prozent-Ziel geworden sei. "Aus Angst vor parteiinternen Konflikten in der SPD konzentriert sich die Ampel jetzt nur noch auf die 100 Milliarden Euro neue Schulden", so Merz mit Blick auf das Sondervermögen zur Stärkung der Bundeswehr. Kritik übte der Fraktionsvorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion auch an SPD-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. "Wenn sie etwas von der Sache versteht, dann hält sie das vor der Öffentlichkeit jedenfalls sehr erfolgreich verborgen."

11:19 Uhr | Behörden: Explosionen in Separatistenregion Transnistrien

In der prorussischen Separatistenregion Transnistrien haben sich nach Angaben der dortigen Behörden erneut mehrere Explosionen ereignet. Demnach sei es unweit von Woronkowo nahe der ukrainischen Grenze am Freitagabend zu vier Explosionen gekommen, so das transnistrische "Innenministerium" auf Telegram. Verletzte habe es nicht gegeben. Transnistrien ist eine prorussische Region, die zur Republik Moldau gehört. International wird die selbsternannte Republik nicht anerkannt. 1.500 russische Soldaten sind auf dem Gebiet stationiert. Zuletzt kam es dort zu mehreren Zwischenfällen, unter anderem wurden Schüsse nahe eines Waffendepots und mehrere Explosionen gemeldet. Durch die Vorfälle wurden Befürchtungen laut, dass der Konflikt in der Ukraine auch auf Moldau übergreifen könnte.

10:53 Uhr | Züchter lassen bundesweit Tauben zu "Friedensflügen" aufsteigen

Taubenzüchter in Deutschland wollen am Samstag und Sonntag als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine bundesweit Tauben zu "Friedensflügen" aufsteigen lassen. So sind am Morgen etwa in Alpen am Niederrhein rund 6.000 Tauben gestartet. Die Tiere haben laut der teilnehmenden Fluggemeinschaft Ostfriesland bis zu ihren heimatlichen Taubenschlägen einen gut 200 Kilometer langen Flug zu absolvieren.

Das Symbol einer Friedenstaube
Das Symbol einer Friedenstaube Bildrechte: MDR exakt

Deutschlandweit sind nach Angaben des Deutschen Brieftaubenzüchterverbands mehr als 300 Transportfahrzeuge unterwegs. Für die Tiere wurden jeweils Spenden gesammelt. Ein Teil der Einnahmen für den Transport der Tauben zu den Abflugstellen werde dabei an die Ukraine gespendet, sagte der Präsident des Verbandes, Ulrich Peck, der dpa. Die Fahrzeuge seien zudem mit "No War"-Aufklebern ausgestattet.

10:20 | Russland zerstört nach eigenen Angaben westliches Militärlager in der Ukraine

Russland hat eigener Aussage ein großes Lager mit militärischem Gerät aus Europa und den USA zerstört. Das teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Das Lager habe sich in der Region Charkiw nahe des Bahnhofs Bohoduchiw befunden. Insgesamt seien 18 ukrainische Militäreinrichtungen getroffen worden, darunter drei Munitionsdepots in Datschne nahe der Stadt Odessa, hieß es von russischer Seite.

10:09 Uhr | Ramelow plädiert für schwere Waffen und EU-Beitritt der Ukraine

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow befürwortet Waffenlieferungen an die ukrainische Regierung in jedem notwendigen Umfang. Der Linken-Politiker verwies im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst auf das Völkerrecht. Dieses räume einem Staat das Recht auf Selbstverteidigung ein, wenn er von einem anderen Staat angegriffen werde.

Deshalb dürfe sich die Ukraine auch schwere Waffen im Ausland besorgen, so Ramelow. Deutsche Firmen sollten diese Waffen auch liefern dürfen. Zugleich plädierte Ramelow für einen raschen Beitritt der Ukraine in die Europäische Union.

09:13 Uhr | Klingbeil will Ostpolitik der SPD neu ausrichten

SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil
SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil Bildrechte: dpa

SPD-Chef Lars Klingbeil will die Ostpolitik seiner Partei angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine neu ausrichten. So stehe im Grundsatzprogramm der SPD, dass Sicherheit in Europa nur mit Russland zu erreichen sei. "Das stimmt vor dem aktuellen Hintergrund des Krieges nicht mehr", sagte Klingbeil der "Welt am Sonntag".

Klingbeil kündigte auch einen kritischen Rückblick auf die sozialdemokratische Außen- und Sicherheitspolitik an. "Wir haben uns zu stark auf Russland konzentriert", so der SPD-Chef. "Künftig müssen wir viel stärker mit den osteuropäischen Staaten kooperieren."

08:28 Uhr | Ukraine meldet kaum Bewegung an der Front - Sturmversuche in Mariupol

Nach ukrainischen Angaben ist es an der Kriegsfront im Land in der vergangenen Nacht eher ruhig geblieben. In seinem Lagebericht am Samstag teilte der Generalstab der Ukraine mit, dass in den Gebieten Donezk und Luhansk am 6. Mai "acht Attacken des Feindes abgewehrt" wurden. Drei gegnerische Panzer, acht Artilleriesysteme sowie Militärfahrzeuge und weitere Technik seien demnach vernichtet worden.

Sturmversuche habe es vor allem um das Asow-Stahlwerk in Mariupol gegeben. An anderen zuletzt umkämpften Frontabschnitten beschränkte sich die russische Aktivität dem Bericht zufolge aber vor allem auf militärische Aufklärung und Artilleriebeschuss. Bodenangriffe seien ansonsten nicht gemeldet worden. Unabhängig konnten diese Angaben nicht überprüft werden.

07:15 Uhr | Guterres begrüßt Einigung des UN-Sicherheitsrats

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die gemeinsame Erklärung des UN-Sicherheitsrats zum Ukraine-Konflikt begrüßt. Es sei das erste Mal, dass der Sicherheitsrat "mit einer Stimme für den Frieden in der Ukraine gesprochen hat", erklärte er. Die Welt müsse zusammenkommen, "um die Gewehre zum Schweigen zu bringen und die Werte der UN-Charta hochzuhalten".

Der Portugiese Antonio Guterres ist Generalsekretär der UN.
Der Portugiese Antonio Guterres ist Generalsekretär der UN. Bildrechte: dpa

Guterres erklärte weiter, er werde "keine Mühen scheuen, um Leben zu retten, das Leiden zu verringern und den Weg des Friedens zu finden". Der Sicherheitsrat, dem auch Russland angehört, hatte sich zuvor erstmals auf eine gemeinsame Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine geeinigt.

06:49 Uhr | Straßburg: Demokratie-Fest parallel zu Moskauer Parade am Montag geplant

Die Europäische Union besteht aus 27 Mitgliedsstaaten
Die Europäische Union besteht aus 27 Mitgliedsstaaten Bildrechte: Colourbox.de

Im französischen Straßburg soll am kommenden Montag parallel zu einer in Moskau angekündigten Militärparade ein symbolisches Fest der Demokratie gefeiert werden. Menschen aus den 27 EU-Ländern sollen dabei zusammenkommen und Politikern ihre Vorschläge für ein besseres Europa übergeben. Die Veranstaltung bildet den Abschluss der sogenannten Zukunftskonferenz, die der französische Präsident Emmanuel Macron initiiert hatte. Mehr als 300 Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern sind erarbeitet worden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Europaparlamentspräsidentin Roberta Metsola und Frankreichs Präsident Macron, derzeit Vorsitzender des Rats der Mitgliedstaaten, werden die Ergebnisse entgegennehmen. In Moskau wird am kommenden Montag, dem 9. Mai, an den Sieg über Nazi-Deutschland im Jahr 1945 erinnert. Erwartet wird, dass Präsident Wladimir Putin das als Machtdemonstration gegenüber der Ukraine und ihren Verbündeten nutzt.

05:00 Uhr | UN-Sicherheitsrat einigt sich auf Erklärung zur Ukraine

Der UN-Sicherheitsrat hat sich auf eine Erklärung zum Ukraine-Krieg geeinigt.
Der UN-Sicherheitsrat hat sich auf eine Erklärung zum Ukraine-Krieg geeinigt. Bildrechte: dpa

Der UN-Sicherheitsrat hat sich erstmals auf eine gemeinsame Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine geeinigt. Das Gremium erklärte, man sei zutiefst besorgt über den Konflikt und unterstütze die Bemühungen von Generalsekretär António Guterres bei der Suche nach einer friedlichen Lösung. Auch die Vetomacht Russland billigte den Text. Experten werten die Einigung als Signal, dass Moskau und der Westen bereit sind, Guterres eine Chance für mehr Diplomatie zu geben. Dem Sicherheitsrat gehören die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie zehn wechselnde Staaten an.

04:22 Uhr | NATO-Generalsekretär warnt Russland vor Einsatz von Atomwaffen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland im Ukraine-Krieg vor dem Einsatz von Atomwaffen gewarnt. "Unsere Botschaft ist eindeutig: Nach einem Einsatz von Nuklearwaffen würde es auf allen Seiten nur Verlierer geben", sagte Stoltenberg der "Welt am Sonntag". "Einen Atomkrieg kann man nicht gewinnen, und er sollte nie geführt werden, das gilt auch für Russland." Er verurteilte die nukleare Rhetorik Moskaus als "unverantwortlich und rücksichtslos".

Die Allianz hat laut Stoltenberg aber keine Hinweise darauf, dass speziell die russischen Nuklearwaffen seit Beginn des Krieges am 24. Februar in eine höhere Bereitschaftsstufe versetzt worden seien. Russlands Außenministerium hatte am Freitag Spekulationen über einen möglichen Atomwaffeneinsatz in der Ukraine zurückgewiesen. Russland hatte Ende Februar allgemein seine Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzt, was weltweit als Drohung auch mit dem atomaren Arsenal verstanden worden war.

02:11 Uhr | USA kündigen Waffenpaket im Wert von 150 Millionen Dollar an

US-Präsident Joe Biden hat weitere Waffenlieferungen für die Ukraine angekündigt. Die USA stellten der Ukraine "zusätzliche Artilleriemunition, Radargeräte und andere Ausrüstung zur Verfügung". Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter bezifferte den Wert dieses Rüstungspakets auf 150 Millionen Dollar.  Damit soll die Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion unterstützt werden. Biden forderte das Parlament auf, rasch weitere Waffenlieferungen zu genehmigen. "Der Kongress muss rasch die erforderlichen Mittel bereitstellen, um die Ukraine auf dem Schlachtfeld und am Verhandlungstisch zu stärken." Die bisher dafür genehmigten Mittel seien "nahezu ausgeschöpft".

Seit dem Einmarsch Russlands am 24. Februar haben die Vereinigten Staaten Kiew Rüstungsgüter im Wert von 3,4 Milliarden Dollar geliefert. Für weitere Mittel ist die Zustimmung des Kongresses nötig. Grundsätzlich gibt es im US-Parlament parteiübergreifende Unterstützung dafür. Biden hatte allerdings die beispiellose Summe von 33 Milliarden Dollar gefordert.

02:01 Uhr | Ministerium: Mehr als 90.000 ukrainische Schüler an deutschen Schulen

An deutschen Schulen sind seit Beginn des Ukraine-Krieges Zehntausende ukrainische Schülerinnen und Schüler untergekommen. "Inzwischen wurden mehr als 90.000 ukrainische Kinder und Jugendliche an unseren Schulen aufgenommen", sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger der "Rheinischen Post". Dies sei "eine gewaltige Leistung, für die ich sehr dankbar bin", so die FDP-Politikerin weiter.

Die ukrainischen Kinder und Jugendlichen bräuchten nicht nur Sicherheit, sondern auch eine Perspektive. Diese erhielten sie durch eine rasche Integration in Kita und Schule in Kombination mit ergänzenden Angeboten auf Ukrainisch, sagte die Ministerin.

01:25 Uhr | Besatzung plant russische Pässe für Ukrainer im Gebiet Cherson

Die russische Besatzung im Süden der Ukraine plant offenbar Schritte zu einer Abspaltung des Gebietes Cherson. Einwohner von Cherson sollten das Recht auf russische Pässe bekommen, sagte ein moskautreuer Regionalpolitiker. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti bezeichnete Kirill Stremoussow als stellvertretenden Leiter der militärisch-zivilen Gebietsverwaltung von Cherson.

"Wir werden uns maximal in den Aufbau der Russischen Föderation integrieren", kündigte dieser an. Schon in den kommenden Monaten werde Cherson vollständig auf den Rubel als Währung umstellen. Ukrainische Banken sollten ihre Arbeit einstellen.

00:23 Uhr | Selenskyj: Ukraine arbeitet an diplomatischer Lösung für Asow-Stahl-Verteidiger

Die Ukraine sucht nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Wegen, um auch ihre Soldaten aus dem umkämpften Asow-Stahlwerk in Mariupol zu retten. "Einflussreiche Vermittler, einflussreiche Staaten" seien daran beteiligt, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Details nannte er nicht. "Wir arbeiten auch an diplomatischen Optionen, um unser Militär zu retten, das immer noch auf Asow-Stahl verbleibt."

Bei den bisherigen Evakuierungen durften nur Zivilisten, meist Frauen, Kinder oder ältere Menschen, das Werk in Richtung ukrainisch kontrolliertes Gebiet verlassen.

00:06 Uhr | CDU-Verteidigungsexperte kritisiert Haubitzen-Lieferung als nicht ausreichend

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte Henning Otte hat die Entscheidung zur Lieferung von Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine als zu spät und nicht ausreichend kritisiert. "Die Entscheidung, Panzerhaubitzen zu liefern, ist leider erst unter Druck erfolgt, nachdem die Niederlande in Vorleistung gegangen sind", sagte Otte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Otte warf der Bundesregierung vor, bei Waffenlieferungen an die Ukraine eine "Salami-Taktik" zu verfolgen. Bundeskanzler Olaf Scholz müsse "nun aber endlich sagen, was die Bundesrepublik tatsächlich liefern kann um der Ukraine zu helfen". Das bisherige stückweise Vorgehen beschädige das Ansehen Deutschlands in der Welt.

00:00 Uhr | Ticker am Samstag, 7. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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