Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Donnerstag: Außenministerin Baerbock wird in die Ukraine reisen

Bundeskanzler Scholz hat eine Reise von Außenministerin Baerbock in die Ukraine angekündigt. Bundespräsident Steinmeier telefonierte unterdessen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat Russland erneut versucht, das Werksgelände des Stahlwerks in Mariupol zu stürmen. Mehr als 600.000 Flüchtlinge sind seit Kriegsbeginn allein in Deutschland gezählt worden. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen), Außenministerin, nimmt an einer Pressekonferenz teil
Außenministerin Annalena Baerbock Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:40 Uhr | Kukies: Rückhalt für Sanktionen nicht überschätzen

Der Staatssekretär im Kanzleramt, Jörg Kukies, hat davor gewarnt, die weltweite Unterstützung für westliche Sanktionen gegen Russland zu überschätzen. Man sei "überoptimistisch" in der Interpretation des Abstimmungsergebnisses in der UN-Vollversammlung gewesen, als die große Zahl der Länder Russlands Überfall auf die Ukraine verurteilt habe, sagte Kukies beim American Council of Germany.

Die Länder, die sich enthalten hätten, machten 40 bis 50 Prozent der Weltbevölkerung aus, sagte er in Anspielung auf Staaten etwa wie Indien oder China. Anfang März hatten 141 Länder den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt. 35 hatten sich enthalten, vier mit Russland dagegen gestimmt.

22:30 Uhr | UN startet neuen Rettungsversuch im Stahlwerk Asowstal

Die Vereinten Nationen starten erneut einen Versuch, um Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk in Mariupol in Sicherheit zu bringen. Das kündigte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Sitzung des Sicherheitsrats in New York an. Einzelheiten nannte er nicht. "Es ist unsere Politik, nicht über die Details zu sprechen, bevor sie abgeschlossen ist, um einen möglichen Erfolg nicht zu untergraben."

Über die Lage in dem Stahlwerk Asowstal gibt es widersprüchliche Angaben. Der Kreml in Moskau wies Berichte des ukrainischen Militärs zurück, wonach russische Soldaten erneut das Stahlwerk angegriffen haben. Russland hatte angekündigt, bis zum Samstag jeweils von acht bis 18 Uhr die Rettung von Zivilisten aus dem Stahlwerk zu ermöglichen und dieses so lange nicht anzugreifen. In dem Stahlwerk hält sich Schätzungen zufolge neben ukrainischen Soldaten und Kämpfern noch hunderte Zivilisten auf.

22:10 Uhr | Deutschland und Tschechien planen Waffen-Ringtausch

Die Bundesregierung plant einen Ringtausch mit Tschechien, um die Ukraine mit Waffen zu beliefern. Tschechien könne Waffen aus ehemaligen sowjetischen Beständen an die Ukraine liefern, die "unmittelbar nützlich sind" für die ukrainischen Truppen, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem tschechischen Regierungschef Petr Fiala. Im Gegenzug könne Deutschland Tschechien mit Waffen beliefern und dafür sorgen, "dass die tschechische Armee die notwendige Kraft behält". Fiala sagte, es gehe bei der geplanten Kooperation um "schweres Gerät".

19:09 Uhr | Außenministerin Baerbock reist in die Ukraine

Nach wochenlanger Verstimmung zwischen Deutschland und der Ukraine soll Außenministerin Annalena Baerbock in Kürze nach Kiew reisen. Das kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz an. Baerbocks Visite wäre der erste Besuch eines Mitglieds der Bundesregierung in Kiew seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Zur Frage, ob er selbst auch nach Kiew reisen wird, äußerte sich Scholz nicht.

Wenige Stunden zuvor hatte der zunächst in Kiew unerwünschte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert.

18:54 Uhr | Putin entschuldigt sich für Lawrows Hitler-Vergleich

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nach israelischen Angaben für die als antisemitisch kritisierten Äußerungen seines Außenministers Sergej Lawrow entschuldigt. Das teilte das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennet nach einem Telefonat mit Putin mit. Bennett habe die Entschuldigung angenommen und für die Klarstellung der Einstellung Putins zum jüdischen Volk und zum Holocaust-Gedenken gedankt. Von russischer Seite gab es für eine solche Entschuldigung keine Bestätigung.

Lawrow hatte Anfang des Monats gesagt: "Ich könnte mich irren, aber Hitler hatte auch jüdisches Blut." Moskau begründet den Angriff auf die Ukraine auch mit einer angeblich erforderlichen "Entnazifizierung", obwohl der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jüdischer Abstammung ist.

17:51 Uhr | Johnson spricht mit Selenskyj über Langstreckenwaffen

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach Angaben seines Büros mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über etwaige Lieferungen von Waffen mit längerer Reichweite gesprochen. Diese sollten "die Bombardierung von Zivilisten verhindern", heißt es nach einem Telefonat.

16:42 Uhr | Nato sagt Schweden erhöhte Sicherheit zu

Die Nato hat Schweden eine erhöhte Sicherheitspräsenz in der Region während der Übergangsphase zu einer etwaigen Mitgliedschaft versprochen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, ab dem Moment des Antrags stehe die Militärallianz in der Pflicht, die schwedische Sicherheit garantieren zu können. Unter anderem sollte die Nato ihre Präsenz um Schweden herum wie auch in der Ostsee verstärken.

Schweden und Finnland sind bisher nicht Teil des Militärbündnisses. Die Regierung in Moskau hat Schweden und Finnland vor "ernsten Konsequenzen" im Falle eines Nato-Beitritts gewarnt.

15:50 Uhr | Geberkonferenz - mehr als sechs Milliarden Euro für Ukraine

Eine internationale Geberkonferenz für die Ukraine hat in Warschau Zusagen von mehr als sechs Milliarden Euro erbracht. Das sagte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki zum Abschluss der gemeinsam mit Schweden organisierten Veranstaltung. Morawiecki zufolge wird das Geld "zur Unterstützung der Ukraine und all jener eingesetzt, die der Ukraine helfen".

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte weitere 200 Millionen Euro an Ukraine-Hilfe zu. Das Geld solle ukrainischen Binnenflüchtlingen zugute kommen. EU-Ratspräsident Charles Michel stellte Kiew zudem einen "europäischen Marshall-Plan" zum Wiederaufbau nach dem Krieg in Aussicht.

Deutschland wird dabei die Ukraine mit weiteren 125 Millionen Euro für humanitäre Hilfe unterstützen. Das kündigt Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Geberkonferenz an. Zudem seien weitere 140 Millionen Euro für die Entwicklungshilfe der Ukraine vorgesehen.

15:37 Uhr | Russland: Fluchtkorridore für Zivilisten aus Mariupol geöffnet

Rauch steigt aus dem Stahlwerk Asovstal in Mariupol auf
Asow-Stahlwerk in Mariupol Bildrechte: dpa

Russischen Angaben zufolge haben Zivilisten in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol seit dem Morgen die Möglichkeit zur Flucht aus dem belagerten Asow-Stahlwerk. Zwar werde das Stahlwerk weiter von russischen Truppen blockiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Aber es gebe auch Fluchtkorridore, die heute und in diesen Tagen funktionierten. Sowohl die russische als auch die ukrainische Seite haben bis einschließlich Samstag täglich mehrstündige Feuerpausen zugesichert.

Ob heute wirklich Zivilisten das umkämpfte Areal verlassen konnten, ist unklar. In den Tunneln des Stahlwerks hatten Hunderte Menschen Zuflucht vor dem Beschuss von Mariupol gesucht.

14:52 Uhr | Steinmeier und Selenskyj telefonieren miteinander

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundespräsidenten. Dabei seien die "Irritationen aus der Vergangenheit" ausgeräumt worden. Beide Präsidenten hätten vereinbart, in engem Kontakt zu bleiben.

Wie es aus dem Bundespräsidialamt weiter hieß, wurden der Bundespräsident persönlich und die Bundesregierung von Selenskyj zu einem Besuch in Kiew eingeladen.

Die Irritationen waren zustande gekommen, nachdem die ukrainische Seite Mitte April einen Besuch Steinmeiers in Kiew abgelehnt hatte. Der Bundespräsident wollte die ukrainische Hauptstadt zusammen mit den Präsidenten Polens und der drei baltischen Staaten besuchen, wurde zur Verärgerung Berlins aber im letzten Moment ausgeladen. Wegen dieses Affronts hat Bundeskanzler Olaf Scholz erklärt, dass er vorerst nicht nach Kiew reisen wolle.

13:32 Uhr | Selenskyj: Ukraine braucht modernen Marshall-Plan

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts der internationalen Geberkonferenz für die Ukraine erklärt, dass sein Land für den Wiederaufbau eine moderne Version des Marshall-Plans brauche. Es würden Geld, Technologie, Fachleute und Wachstumsperspektiven benötigt, um zu einem sicheren Leben zurückzukehren. "Das wird eine Investition in die Stabilität von ganz Mittel- und Osteuropa sein", sagte Selenskyj per Videoschalte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Bildrechte: dpa

Die Geberkonferenz, die von Polen und Schweden organisiert wird, soll Geld für humanitäre Hilfe für die Ukraine sammeln. Auch die Präsidenten der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates sowie die Vereinten Nationen sind beteiligt. "Wir werden gemeinsam demonstrieren, dass europäische Werte keine leeren Worte sind", sagte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen in der Ukraine mehr als zwölf Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe.

11:12 Uhr | Exklusiv-Interview: "Putin respektiert Stärke" - Tschechien wünscht sich deutsche Führungsrolle

Angesichts des heutigen Besuchs von Tschechiens Premier Petr Fiala in Berlin hat dessen Sicherheitsberater Tomasz Pojar im Exklusiv-Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio angemahnt, dass der Westen im Umgang mit Russlands Präsident Wladimir Putin keine Schwäche zeigen dürfe. Pojar stellte auch klar, dass man sich in Prag eine Führungsrolle Deutschlands in Europa wünsche.

09:53 Uhr | Bundestagspräsidentin Bas plant Reise nach Kiew

Die Präsidentin des Deutschen Bundestags, Bärbel Bas, plant einen Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die SPD-Politikerin habe den Wunsch, auf Einladung des ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk nach Kiew zu fahren, sagte eine Sprecherin der dpa. Bei dem Besuch soll am Sonntag gemeinsam aller Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht werden, außerdem seien politische Gespräche geplant. Die Bundestagspräsidentin ist nach dem Bundespräsidenten protokollarisch die zweithöchste Repräsentantin Deutschlands.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zuletzt mitgeteilt, dass er vorerst nicht in die Ukraine reisen will. Er begründete dies mit Verärgerung darüber, dass der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegen der Russland-Politik in seiner Zeit als Außenminister zuvor vor Ort nicht willkommen gewesen sei.

09:10 Uhr | Umfrage: Jeder Fünfte stimmt Verschwörungen zu Ukraine-Krieg zu

Verschwörungserzählungen rund um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind laut einer repräsentativen Befragung in Deutschland weit verbreitet. Knapp jeder fünfte Befragte stimmte in der Umfrage der Organisation "CeMAS" verschwörungsideologischen Aussagen über den Krieg "eher" zu, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Besonders hoch ist die Zustimmung demnach unter Wählerinnen und Wählern der AfD, wo die Zustimmung bei 60 Prozent liegt.

Bei Linken-Wählern waren es 26 Prozent. In der Umfrage wurden rund ein Dutzend Aussagen abgefragt. Insgesamt stimmten dabei fast 20 Prozent zumindest teilweise der Aussage zu, Russlands Präsident Wladimir Putin gehe "gegen eine globale Elite vor, die im Hintergrund die Fäden zieht". Dass Putin vom Westen zum Sündenbock gemacht werde, um von wahren Problemen abzulenken, glaubten gut 15 Prozent der Befragten.

"CeMAS" ist eine gemeinnützige Organisation, die Abkürzung steht für "Center für Monitoring, Analyse und Strategie". Sie wurde 2021 unter anderem von der Sozialpsychologin Pia Lamberty gegründet. Die Organisation beschäftigt sich vor allem mit Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus und Verschwörungsideologien. "CeMAS" wird bis 2024 von der Alfred Landecker Foundation, einer öffentlichen Stiftung, die sich etwa für die Stärkung der Demokratie einsetzt, finanziell unterstützt.

08:32 Uhr | Ukraine: Neue Angriffe auf Asow-Stahlwerk in Mariupol

Das Asow-Stahlwerk in Mariupol
Das Asow-Stahlwerk in Mariupol Bildrechte: IMAGO / SNA

Russische Truppen haben nach Angaben des ukrainischen Militärs erneut versucht, dass Asow-Stahlwerk in Mariupol zu stürmen. Das teilte der ukrainische Generalstab am Donnerstagmorgen in seinem Lagebericht mit. "Mit Unterstützung der Luftwaffe hat der Gegner seinen Angriff mit dem Ziel erneuert, das Fabrikgelände unter seine Kontrolle zu bringen", heißt es in dem Bericht. In dem Stahlwerk sollen sich noch bis zu 200 Zivilisten befinden. Zuletzt hatte Russland eine neue Feuerpause für das Gelände angekündigt, durch die Zivilisten die Bunker des Werksgeländes jeweils zwischen 7 und 17 Uhr unserer Zeit verlassen könnten.

07:35 Uhr | Tote Zivilisten in Region Luhansk gemeldet

In der Region Luhansk in der Ostukraine sind nach ukrainischen Angaben in den vergangenen 24 Stunden fünf Zivilisten durch russische Angriffe ums Leben gekommen. Wie der dortige Gouvaneur Serhij Gaidai mitteilte, habe sich der Beschuss auf insgesamt vier Ortschaften der Region konzentriert.

07:22 Uhr | Hunderte Menschen aus Mariupol gerettet - Feuerpause angekündigt

Aus der Hafenstadt Mariupol und der Umgebung sind nach Regierungsangaben mehr als 340 Menschen auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet in Sicherheit gebracht worden. Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk teilte am Abend auf Telegram mit, die Frauen, Kinder und älteren Leute seien sicher in der Stadt Saprorischschja angekommen. Wie viele von ihnen im umkämpften Asow-Stahlwerk ausgeharrt hatten, ist nicht bekannt. Die russische Armee kündigte eine dreitägige Feuerpause für das Gelände an. Zivilisten könnten die Bunker unter dem Werksgelände jeweils zwischen 7 und 17 Uhr unserer Zeit verlassen. Deren Zahl wird immer noch auf etwa 200 Menschen geschätzt. Vom ukrainischen Geheimdienst kommen unterdessen Berichte, wonach Russland am 9. Mai eine große Militärparade in der weitgehend zerstörten Stadt Mariupol plant. An diesem Tag feiert Russland traditionell den Sieg über Hitler-Deutschland.

07:05 Uhr | Ex-Moskau-Korrespondent warnt vor Dämonisierung der Russen

Der ehemalige ARD-Korrespondent in Russland, Fritz Pleitgen, hat davor gewarnt, Russinnen und Russen angesichts des Ukraine-Krieges zu dämonisieren. "Ich habe sie immer als Gesprächspartner erlebt, mit denen sich der Gedankenaustausch lohnte", sagte Pleitgen der dpa. Es seien keine anderen Menschen, vielmehr seien Russen für ihn Europäer. Pleitgen verwies dabei auf Schriftsteller wie Tolstoi, Dostojewski oder Tschechow. "Das ist europäische Kultur." Es sei daher eine Tragödie, dass das russische Volk "derzeit von einem Diktator geführt wird". Er erwarte aber, dass der Widerstand gegen Putin vor allem bei den jungen Menschen mit der Zeit wachse. Pleitgen sprach sich für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aus, damit Putin nicht weiterkomme und damit zum Verhandeln gebracht werde. "Wenn der Westen hartnäckig genug ist, wird Putin eines Tages beidrehen", sagte der 84-Jährige.

06:28 Uhr | Positive Zwischenbilanz zu Unterricht für ukrainische Kinder in Sachsen

In Sachsen werden mittlerweile rund 5.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unterrichtet. Das Landesamt für Schule und Bildung sprach von einer riesigen Herausforderung. Sprecher Roman Schulz sagte MDR AKTUELL, statistisch entspreche das 30 bis 40 ganzen Schulen, die der Freistaat aufbauen müsse. Es laufe aber gut und habe sich eingespielt. Der Lehrerverband verwies auf Defizite. Der Vize-Vorsitzende Michael Jung betonte, es fehlten noch rund 600 Lehrkräfte, die Ukrainisch sprächen. Dass es gelinge, die Kinder aufzufangen, liege nicht an der Politik, sondern an der Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz kündigte an, dass die Jugendlichen auch an deutschen Schulen ukrainische Abschlüsse machen könnten.

05:00 Uhr | Folgen eines Öl-Embargos für Mitteldeutschland umstritten

Experten sind sich uneins, wie sich ein geplantes Öl-Embargo gegen Russland auf Mitteldeutschland auswirken könnte. Der Bundesverband der freien Tankstellen rechnet nicht mit einem Mangel an Kraftstoff in der Region. Geschäftsführer Stephan Zieger sagte MDR AKTUELL, die Versorgung werde vor allem durch den französischen Konzern Total über die Raffinerie Leuna sichergestellt. Total hatte bereits im März angekündigt, auf russisches Öl verzichten zu wollen. Laut Zieger kann es dennoch Probleme geben, etwa bei einem Produktionsstopp in der Raffinerie Schwedt. Dann seien neue Lieferketten nötig.

Der Sächsische Brennstoff- und Mineralölverband rechnet hingegen fest mit Engpässen. Schon jetzt registriere man Hamsterkäufe bei den Heizölhändlern. Auch der Flughafenverband ADV geht von gravierenden Folgen des Embargos aus, sollte es nicht gelingen, die ausfallenden Liefermengen zu kompensieren.

03:02 Uhr | USA unterstützen Ukraine offenbar bei Angriffen

Die USA haben einem Zeitungsbericht zufolge mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen die Ukraine bei gezielten Anschlägen auf russische Generäle unterstützt. Die Regierung in Washington habe Einzelheiten über die erwarteten Truppenbewegungen sowie den Standort und Einzelheiten über Russlands mobile militärische Kommandoposten zur Verfügung gestellt, schreibt die "New York Times". Die Ukraine habe die Informationen mit ihren eigenen kombiniert, um Angriffe durchzuführen, bei denen nach Angaben des Blattes etwa zwölf russische Offiziere getötet wurden.

02:39 Uhr | Ukraine erwägt gelockertes Ausreiseverbot für Männer

Das Ausreiseverbot für Männer im wehrfähigen Alter aus der Ukraine könnte nach Überlegungen der Kiewer Führung gelockert werden. "Es wird jetzt diskutiert, dass bestimmte Kategorien von Männern zumindest für kurze Zeit ins Ausland gehen dürfen", sagte Präsidentenberater Olexij Arestowytsch im ukrainischen Fernsehen. Dabei nannte er unter anderem Wissenschaftler oder Geschäftsleute. Die dafür notwendige Gesetzesänderung werde allerdings Zeit brauchen, sagte Arestowytsch. Es sei in Kriegszeiten eine schwierige moralische, organisatorische und rechtliche Frage.

An der Grenze der Ukraine werden immer wieder Männer aufgegriffen, die das Land trotz Verbotes verlassen wollen. Manche legen gefälschte Bescheinigungen vor. Andere versuchen, sich den Weg mit Bestechung freizukaufen. Verboten ist die Ausreise für Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Ausnahmen gelten für Familienväter, die drei oder mehr minderjährige Kinder zu versorgen haben. Auch alleinstehende Väter minderjähriger oder behinderter Kinder dürfen die Ukraine verlassen.

02:36 Uhr | Selenskyj erwartet langwierige Evakuierungen aus Mariupol

Die Ukraine ist nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj bereit, einen Waffenstillstand in Mariupol zu gewährleisten. Es sei eine längere Feuerpause zur Evakuierung der Menschen nötig. "Es wird einige Zeit dauern, die Menschen aus den Kellern und unterirdischen Bunkern zu befreien. Unter den derzeitigen Umständen können wir keine schweren Geräte einsetzen, um den Schutt wegzuräumen. Es muss alles von Hand gemacht werden", sagt Selenskyj. Das russische Militär hatte zuvor humanitäre Korridore aus dem Stahlwerk Asowstal in Mariupol von Donnerstag bis Samstag zugesichert.

01:06 Uhr | Russische Raketenangriffe stören ukrainischen Zugverkehr

Die wiederholten russischen Raketenangriffe auf Eisenbahnanlagen in der Ukraine haben den Zugverkehr empfindlich gestört. Nach einem Überblick der staatlichen Bahngesellschaft Ukrsalisnyzja waren etwa 20 Fernzüge mit Verspätungen von bis zu zwölf Stunden unterwegs. "Russland versucht, unsere Logistik zu ruinieren, weil sie uns im Felde nicht besiegen können", schrieb der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, auf Telegram. Er bestätigte den Angriff auf ein Objekt der Eisenbahn mitten in der Stadt Dnipro. Russland versucht mit den Angriffen auf die Bahn, den Nachschub an westlichen Waffen für die Ukraine zu unterbrechen.

Ein brennendes Umspannwerk 1 min
Berichte: Russischer Raketenangriff auf Umspannwerke im ukrainischen Lwiw Bildrechte: Reuters

01:01 Uhr | Mehr als 600.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland

Nach einer aktuellen Auswertung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind seit Kriegsbeginn mehr als 600.000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Von Ende Februar bis Ende April sind bislang 610.103 Personen aus der Ukraine neu erfasst worden, berichtet die Funke Mediengruppe aus der Statistik. Unter den Erwachsenen beträgt der Anteil der Frauen dem Bericht zufolge gut 80 Prozent. Viele Geflüchtete sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: insgesamt 241.769. Das entspricht fast 40 Prozent.

00:26 Uhr | Schweden: USA sichert Schutz während NATO-Beitrittsprozess zu

Schweden hat Regierungsangaben zufolge von den USA gewisse Sicherheitszusagen im Falle eines Beitrittsverfahrens zur NATO erhalten. Das sagte Außenministerin Ann Linde dem schwedischen Fernsehen nach einem Treffen mit ihrem US-Amtskollegen Antony Blinken. Es seien "allerdings keine konkreten Sicherheitsgarantien, die kann man nur als Vollmitglied der NATO erhalten." Sie lehnte es ab, weitere Details zu nennen.

Schweden und das benachbarte Finnland haben bislang großen Wert darauf gelegt, militärisch neutral zu bleiben. Die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und der Einmarsch in die Ukraine haben die Länder dazu veranlasst, ihre Sicherheitspolitik zu überdenken und einen Beitritt zur NATO in Erwägung zu ziehen. Die Ratifizierung der Erweiterung könnte bis zu einem Jahr dauern, da die Parlamente der gegenwärtig 30 Mitgliedstaaten zustimmen müssen.

00:01 Uhr | Selenskyj bittet UN um Hilfe bei Rettung Verletzter aus Asow-Stahlwerk

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Vereinten Nationen aufgerufen, das Leben der im Asow-Stahlwerk in Mariupol festsitzenden Verletzten zu retten und bei ihrer Evakuierung zu helfen. "Das Leben der Menschen, die noch dort sind, ist in Gefahr. Alle sind für uns wichtig", sagte Selenskyj in einem Telefongespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres.

Den Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz war es in den vergangenen Tagen gelungen, mehr als 100 Zivilisten aus dem Stahlwerk zu retten. Bürgermeister Wadym Boitschenko berichtete von anhaltenden heftigen Kämpfen um das Stahlwerk. Der Kontakt zu den dort verschanzten ukrainischen Soldaten sei abgebrochen. Laut Bürgermeister Boitschenko befinden sich noch etwa 200 Zivilisten auf dem Gelände des Asow-Stahlwerks.

00:00 Uhr | Ticker am Donnerstag, 5. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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