Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Freitag: Selenskyj lädt Scholz am 9. Mai nach Kiew ein

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat Bundeskanzler Scholz zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland nach Kiew eingeladen. Aus Mariupol wurden fast 500 Zivilisten in Sicherheit gebracht. Laut Verteidigungsministerin Lambrecht wird Deutschland sieben Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine liefern. Das russische Flaggschiff "Moskau" soll mit US-Hilfe zerstört worden sein. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Der Ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj
Der Streit zwischen Kiew und Berlin ist beigelegt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nun offiziell Kanzler Olaf Scholz eingeladen. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:56 Uhr | Italien beschlagnahmt angebliche Putin-Megajacht

Die italienischen Behörden haben die in einer toskanischen Werft liegende Mega-Jacht "Scheherazade" festgesetzt. Ermittlungen hätten "erhebliche wirtschaftliche und geschäftliche Verbindungen zwischen dem offiziellen Eigentümer der 'Scheherazade' und bedeutenden Persönlichkeiten der russischen Regierung" ergeben, erklärte das italienische Wirtschaftsministerium. Das Ministerium gab den Namen des Eigentümers nicht bekannt.

Mitglieder der Anti-Korruptionsstiftung des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hatten die Jacht dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zugeschrieben. Das im Jahr 2020 von der deutschen Firma Lürssen gebaute Schiff verfügt laut der spezialisierten Website SuperYachtFan über zwei Hubschrauberlandeplätze, einen Swimmingpool und ein Kino und ist umgerechnet rund 640 Millionen Euro wert.

21:49 Uhr | Union fordert mehr Strenge gegen russische Oligarchen in Deutschland

Die Union hat ein härteres Vorgehen gegen russische Oligarchen gefordert. Bundestagsvizefraktionschefin Andrea Lindholz sagte, die Bundesregierung müsse "viel schneller und konsequenter handeln". Die Sanktionen müssten dem Putin-Regime wirklich weh tun, wenn sie wirken sollten. Es sei ein Unding, dass Oligarchen in Deutschland ihre Yachten und Luxusautos weiter nutzen dürften, obwohl ihre Vermögen eingefroren seien. Lindholz forderte eine Rechtslage wie in Italien, wo auch die Nutzung der Vermögenswerte untersagt sei. Die Bundesregierung will Gesetze ändern, um Sanktionen gegen russische Millionäre besser durchsetzen zu können. So sollen sanktionierte Unternehmer ihre Vermögenswerte offenlegen.

20:55 Uhr | Cyberattacke gegen Politik und Behörden

Prorussische Hacker haben einem Medienbericht zufolge Internetseiten von Politik und Sicherheitsbehörden in Deutschland zeitweilig lahmgelegt. Nach "Spiegel"-Informationen richteten sich die Attacken unter anderem gegen die Bundespolizei, Landespolizeibehörden, den Bundestag, das Bundesverteidigungsministerium und die SPD-Website von Bundeskanzler Olaf Scholz. Einige der Seiten seien dadurch überlastet worden und nicht aufrufbar gewesen. Die sogenannten "Distributed Denial of Service"-Attacken sollen Vergeltungsaktionen für deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine sein.

20:36 Uhr | Weitere Zivilisten aus Mariupol evakuiert

Aus dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk in Mariupol sind weitere Zivilisten herausgebracht worden. Reuters-Reporter berichteten, am Abend seien zwei Busse mit insgesamt 25 Menschen, darunter Kinder, in die russisch kontrollierte Ortschaft Besimenne gebracht worden. Sie wurden demnach von Mitarbeitern des Internationalen Roten Kreuzes und der Vereinten Nationen begleitet. Der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge verließ ein dritter Bus mit 23 Zivilisten das Gelände des Asowstahlwerks. Nach übereinstimmenden russischen und ukrainischen Angaben wurden am Freitag insgesamt 50 Menschen aus Mariupol evakuiert.

20:07 Uhr | Washington weist Berichte über Hilfe bei Tötung russischer Generäle zurück

Die US-Regierung hat einen Medienbericht zurückgewiesen, amerikanische Geheimdienste hätten der Ukraine dabei geholfen, russische Generäle auszuschalten. Dies sei nicht zutreffend, sagt Präsidialamtssprecherin Jen Psaki. Die "New York Times" hatte berichtet, die USA hätten der Ukraine unter anderem Einzelheiten über die erwarteten Truppenbewegungen sowie über Russlands mobile Kommandoposten zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe dieser Informationen seien dann russische Kommandeure in der Ukraine angegriffen und getötet worden.

19:25 Uhr | Lindner will in die Ukraine reisen

Bundesfinanzminister Christian Lindner will in die Ukraine reisen. Der FDP-Politiker sagte der Funke-Mediengruppe, er habe mit seinem ukrainischen Amtskollegen Sergej Martschenko gesprochen und ihm einen Besuch angeboten. Martschenko sei erfreut gewesen und habe erklärt, Lindners Visite wäre der erste Besuch eines G7-Finanzministers in der Ukraine.

19:04 Uhr | Separatisten schicken "Botschafter" nach Moskau

Die selbst ernannten ostukrainischen Volksrepubliken Donezk und Luhansk haben "Botschafter" nach Moskau entsandt. Die prorussischen Separatisten aus Donezk teilten mit, dass ihre Interessen in Russland künftig durch die Politikerin Olga Makejewa vertreten werden sollen. Luhansk schickt den ehemaligen Journalisten Rodion Miroschnik, der vor Jahren für den damaligen russlandnahen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch arbeitete. Russland hatte die Separatistengebiete Donezk und Luhansk am 21. Februar unter heftigem internationalem Protest als unabhängige Staaten anerkannt und drei Tage später die Ukraine angegriffen.

18:17 Uhr | Selenskyj lädt Scholz am 9. Mai nach Kiew ein

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Bundeskanzler Olaf Scholz zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland am kommenden Montag nach Kiew eingeladen. Scholz sei seit einiger Zeit willkommen, sagte Selenskyj per Videoschalte der britischen Denkfabrik Chatham House.

Zuvor hatte es ein wochenlanges Tauziehen um Besuche deutscher Regierungsvertreter in Kiew gegeben. Grund war die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die ukrainische Führung Mitte April. Hintergrund war Steinmeiers langjähriges Bemühen um gute Beziehungen zum Kreml. In Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist der 9. Mai einer der wichtigsten Feiertage.

17:35 Uhr | Russland erlaubt "Schmuggel" sanktionierter Waren

Russland hat die Einfuhr von zahlreichen westlichen Produkten ohne Zustimmung der Hersteller und Rechte-Inhaber erlaubt, um die Sanktionen zu umgehen. Auf der am Freitag vom Industrie- und Handelsministerium veröffentlichten Liste stehen unter anderem Smartphones von Apple und Samsung, große Automarken, Spielkonsolen und Ersatzteile für verschiedene Branchen. Auch Alltagsgüter wie Besteck und Kosmetika sind darunter. Laut Ministerium wird damit "die zivilrechtliche Haftung aufgehoben, wenn die Produkte von Importeuren unter Umgehung der offiziellen Vertriebswege eingeführt werden".

Darunter sind viele Waren von Firmen, die den Handel mit Russland nach der Invasion in die Ukraine gestoppt hatten. Andere Güter, wie etwa Autoteile, dürfen wegen der internationalen Sanktionen gegen Moskau nicht mehr eingeführt werden. Das Ministerium betonte, dass die neue Regelung keine "Genehmigung zur Einfuhr oder zum Vertrieb von Fälschungen" sei. Präsident Wladimir Putin hat wiederholt erklärt, die russische Wirtschaft verkrafte die Sanktionen gut.

17:02 Uhr | BKA hilft bei Untersuchung von Kriegsverbrechen

Das Bundeskriminalamt soll bei den Ermittlungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen in der Ukraine helfen. Laut Bundesinnenministerium wurden dafür forensische Technik und Materialien bereitgestellt. Deutsche Ermittler würden aber nicht in die Ukraine geschickt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft russischen Streitkräften zahlreiche Kriegsverbrechen in der Ukraine vor. In einem neuen Bericht werden mehr als 60 Fälle von getöteten Zivilisten in Kiewer Vororten dokumentiert. Generalsekretärin Agnes Callamard erklärte, die Verbrechen seien nicht vereinzelt oder zufällig erfolgt.

16:39 Uhr | AfD: Baerbock muss auch nach Moskau reisen

AfD-Chef Tino Chrupalla hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas zu Gesprächen mit der russischen Führung aufgerufen. Deutschland müsse versuchen, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen, sagte Chrupalla am Freitag. Baerbock und Bas sollten möglichst von Kiew weiter nach Moskau reisen und sich bemühen, beide Konfliktparteien wieder an einen Tisch zu bringen – "beispielsweise in Deutschland". Chrupalla sagte, die Bundesregierung müsse sich stärker für ein Kriegsende einsetzen und dafür, dass es nicht zur Konfrontation Russlands mit der Nato komme.

Baerbock will in den kommenden Tagen als erstes deutsches Regierungsmitglied seit Beginn des russischen Angriffskriegs in die Ukraine reisen, auch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas wird dort erwartet. In dieser Woche hatten die Bundesregierung und die Regierung in Kiew ihren Streit um einen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgeräumt – mehr dazu in der Medienschau.

16:10 Uhr | Ex-General Bühler rechnet nicht mit Atomkrieg

Ex-Bundeswehrgeneral Erhard Bühler erklärt heute im MDR-Podcast, warum er glaubt, dass Russland keine taktischen Atomwaffen einsetzen wird. Außerdem beantwortet er Hörerfragen zu den Folgen einer Generalmobilmachung in Russland. Für Deutschland äußert er sich zur Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht und gibt eine Einschätzung zur Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant des Heers a.D. Erhard Bühler 41 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler
41 min

Ex-General Bühler erklärt, warum er glaubt, dass Russland keine taktischen Atomwaffen einsetzen wird. Außerdem beantwortet er mehrere Hörerfragen zu den Folgen einer Generalmobilmachung in Russland.

Fr 06.05.2022 14:00Uhr 41:16 min

https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/general/video-620016.html

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15:46 Uhr | Länder wollen mehr Geld vom Bund für Geflüchtete

Die Länder-Finanzminister haben die Bundesregierung aufgefordert, schnell mehr Geld zur Versorgung der Ukraine-Flüchtlinge bereitzustellen. Zum Abschluss ihrer Konferenz in Nürnberg erklärten die Minister, der Bund habe zugesichert, sich dauerhaft an den Kosten zu beteiligen. Bisher sei aber noch keine Verständigung erreicht worden. Länder und Kommunen seien darauf angewiesen, dass der Bund seine Zusagen einhalte. Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz verwies darauf, dass sein Bundesland heute schon fast so viele Geflüchtete aufgenommen habe wie beim großen Andrang Geflüchteter 2015.

15:10 Uhr | UN wirft Russland Getreide-Diebstahl in Ukraine vor

In der Ukraine sind nach Angaben der UN-Agrarorganisation FAO rund 700.000 Tonnen Getreide verschwunden. Die FAO geht davon aus, dass russische Streitkräfte das Korn in ihre Heimat gebracht haben. Es gebe Beweise, dass Lkw Getreide nach Russland transportiert habe. Ebenso gebe es glaubhafte Berichte und Videos, dass die russische Armee Agrargeräte stehle und Lagerhäuser in der Ukraine zerstöre.

14:27 Uhr | Kardinal Marx billigt Waffenlieferungen

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht Waffenlieferungen an die Ukraine als ein Dilemma: "Es gibt keine einfachen, keine richtigen und keine nur guten Entscheidungen", sagte Marx dem Bayerischen Rundfunk. Doch die Spirale der Gewalt und der Eskalation zwinge Europa zu einer solchen Entscheidung und damit dazu, den Grundsatz Gewaltverzicht zunächst aufzugeben. Zugleich müsse "auf allen möglichen Wegen versucht werden, die Waffen zum Schweigen zu bringen und zu reden".

13:30 Uhr | Erneute Kritik: Ungarn bezeichnet EU-Ölembargo als "rote Linie"

Die ungarische Regierung hat das von der EU-Kommission vorgeschlagene Ölembargo gegen Russland erneut scharf kritisiert. Mit den geplanten Sanktionen habe die EU eine "eine rote Linie" überschritten, sagte Regierungschef Victor Orban in einem Radiointerview. Weil Ungarn massiv von russischem Öl abhängig sei, gleiche ein Embargo dem "Abwurf einer Atombombe auf die ungarische Wirtschaft".

Mit dem Embargo soll ab spätestens Anfang 2023 kein russisches Öl mehr importiert werden. Für Ungarn und die Slowakei soll es aber eine Ausnahmeregelung bis Ende 2023 geben. Ungarns Regierungschef Orban, der sich in der Vergangenheit immer wieder an die Seite Russlands gestellt hat, akzeptiert laut dem Interview aber auch diese Fristverlängerung nicht. Aus Diplomatenkreisen hieß es am Freitag, dass Ungarn laut einem neuen Vorschlag nun bis Ende 2024 Öl aus Russland beziehen dürfte.

13:17 Uhr | In Ukraine stecken 25 Millionen Tonnen Getreide fest

Die Ukraine wird auch als "Kornkammer Europas" bezeichnet. Doch derzeit ist kein Export von Getreide möglich.
Die Ukraine wird auch als "Kornkammer Europas" bezeichnet. Doch derzeit ist kein Export von Getreide möglich. Bildrechte: dpa

Aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stecken laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft rund 25 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine fest. "Es ist eine nahezu groteske Situation, die wir im Moment sehen", sagte Josef Schmidhuber von der UN-Organisation in Genf. Die Getreidemenge könne eigentlich exportiert werden, "kann aber das Land nicht verlassen, einfach wegen der fehlenden Infrastruktur und der Blockade der Häfen", so der Experte weiter.

12:51 Uhr | Scholz nennt russische Invasion die "größte Katastrophe unserer Zeit"

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Angriff Russlands auf die Ukraine als "größte Katastrophe unserer Zeit" bezeichnet. "Die Welt nach diesem Angriffs- und Vernichtungskrieg wird nicht mehr dieselbe sein wie davor. Sie ist es schon jetzt nicht mehr", sagte Scholz bei einer Veranstaltung in Hamburg. Putin dürfe den verbrecherischen Krieg nicht gewinnen - "und er wird diesen Krieg auch nicht gewinnen", so Scholz. Der SPD-Regierungschef erklärte in diesem Zusammenhang, dass er den Zusammenhalt der Welt in den Mittelpunkt der deutschen G7-Präsidentschaft rücken wolle.

Der internationale Zusammenhalt sei fragil, so Scholz. "Darum werden wir uns mit all unserer Kraft dafür einsetzen, dass die globale Allianz, die fest hinter der regelbasierten internationalen Ordnung steht, jetzt keine Risse bekommt." Er werde zum G7-Gipfel Ende Juni in Elmau deshalb auch Staats- und Regierungschefs aus anderen Weltregionen wie Indonesien oder dem Senegal einladen. "Es muss völlig klar sein: Die G7 ist kein exklusiver Club der reichen westlichen Industrienationen", sagte der Bundeskanzler.

11:24 Uhr | Friedman: Neutralität kann es nicht geben

Der Publizist Michel Friedman befürwortet die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine. Er gehört zu den Unterzeichnern des zweiten offenen Briefs an Bundeskanzler Olaf Scholz, in dem gefordert wird, die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken. Friedman sagte MDR AKTUELL, bei einem so nahen Krieg könne es keine Neutralität geben. Wenn man die Ukraine jetzt allein lasse, könnte sich Russlands Präsident Wladimir Putin erst recht ermutigt fühlen, die nächsten Länder anzugreifen.

10:22 Uhr | Umfrage: Rückendeckung für EU-Ukrainepolitik

Die Bürgerinnen und Bürger in der EU unterstützen mehrheitlich den derzeitigen Kurs der Ukrainepolitik. Das geht aus der neuesten "Eurobarometer"-Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission hervor. Demnach findet eine deutliche Mehrheit der Befragten, dass Europa sich seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs mit der Ukraine solidarisch gezeigt habe und zudem zügig und geschlossen gehandelt habe. Auch die finanzielle und humanitäre Hilfe sowie die Aufnahme von Ukraine-Geflüchteten in EU-Ländern finden Unterstützung.

09:59 Uhr | Scholz will sich in TV-Ansprache an die Deutschen wenden

Bundeskanzler Olaf Scholz will sich am kommenden Sonntag in einer Fernsehansprache an die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wenden. Wie es am Freitag aus Regierungskreisen hieß, will der SPD-Kanzler über den Krieg in der Ukraine und das Ende des Zweiten Weltkriegs sprechen.

Kanzler Olaf Scholz will erneut eine Fernsehansprache halten.
Kanzler Olaf Scholz will erneut eine Fernsehansprache halten. Bildrechte: dpa

Zuvor hatte die "Bild" über die Pläne berichtet. Die Ansprache soll am Sonntagabend in der ARD und im ZDF ausgestrahlt werden. Es wäre abgesehen von der Neujahrsansprache das zweite Mal, dass sich Scholz in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung wendet. Bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar hatte er eine solche Ansprache gehalten. Am kommenden Sonntag, dem 8. Mai, wird in vielen Ländern an die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg erinnert. Der Tag markiert damit die Befreiung vom Nationalsozialismus in Europa.

08:27 Uhr | Ukraine: Fast 500 Zivilisten aus Mariupol evakuiert

Das Asow-Stahlwerk in Mariupol
Das Asow-Stahlwerk in Mariupol Bildrechte: dpa

Aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind nach Angaben der Ukraine in den vergangenen Tagen Hunderte Zivilisten evakuiert worden. Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, sagte der Nachrichtenagentur Unian, seit dem Beginn eines von der UNO geleiteten Einsatzes sei es "gelungen, fast 500 Zivilisten aus Mariupol und seinen Vororten zu evakuieren".

Zudem habe eine weiterer Versuch begonnen, Menschen aus dem Asow-Stahlwerk in Sicherheit zu bringen. Über Ergebnisse wolle er in Kürze berichten. Auch die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk erklärte: "Heute konzentrieren wir uns auf das Asow-Stahlwerk." Nach ukrainischen Angaben sitzen dort noch immer  rund 200 Zivilisten fest.

07:55 Uhr | Deutschland liefert sieben Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine

Deutschland wird laut Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht sieben Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine liefern. Dazu sei am Freitag im slowakischen Sliac Einigkeit erzielt worden, so die SPD-Politikerin. Die Waffensysteme sollen der Bundeswehr nach der Lieferung nicht unmittelbar fehlen, da sie aus einer laufenden Instandsetzung kommen. Zu den Haubitzen solle auch eine Ausbildung angeboten werden.

Bei der Panzerhaubitze 2000 handelt es sich um ein schweres Artilleriesystem mit einer Kanone auf einem Kettenfahrzeug. Sie ähnelt damit einem Panzer. Zuletzt hatte es in Deutschland ein langes Ringen um die Lieferung schwerer Waffen gegeben. Ende April war bereits die Lieferung von Flugabwehrpanzern des Typs Gepard in Aussicht gestellt worden.

07:46 Uhr | Scholz will bei Energieversorgung in der EU Solidarität zeigen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) empfängt Petr Fiala, Ministerpräsident von Tschechien, mit militärischen Ehren vor dem Bundeskanzleramt
Tschechiens Ministerpräsident Petr Fiala und Bundeskanzler Olaf Scholz Bildrechte: dpa

Osteuropäische EU-Länder ohne Häfen an Nord- und Ostsee sollen laut Bundeskanzler Olaf Scholz mit LNG-Gas versorgt werden. Deutschland werde sich solidarisch zeigen, wenn es darum gehe, alle EU-Staaten mit Alternativen zu russischem Gas zu beliefern, sagte Scholz am Donnerstagabend nach einem Treffen mit Tschechiens Ministerpräsident Petr Fiala. Fiala erklärte, Kanzler Scholz habe zugesichert, dass Tschechien über die von Deutschland geplanten Flüssiggas-Terminals mitversorgt werden könne. Tschechien ist zu über 95 Prozent abhängig von russischem Gas.

06:33 Uhr | Geplantes Ölembargo: Verbraucher füllen laut Portal Heizöl-Lager auf

Die Aussicht auf das von der EU-Kommission geplante Ölembargo gegen Russland treibt viele Verbraucher offenbar dazu, ihre Heizöl-Lager noch einmal aufzufüllen. Seit Montag verzeichne man ein stark erhöhtes Bestellaufkommen, sagte Oliver Klapschus, Geschäftsführer der Plattform HeizOel24 der dpa. "Die Kaufaktivität der Kunden auf der Plattform liegt in etwa viermal so hoch wie im Jahresdurchschnitt und fünf- bis sechsmal so hoch wie in einem 'normalen' Mai", so Klapschus. Normalerweise bestellten Haushalte im jetzigen Monat nur wenig Heizöl.

Das geplante Ölembargo könnte unter anderem Auswirkungen auf die Raffinerie in Schwedt in Brandenburg haben.
Das geplante Ölembargo könnte unter anderem Auswirkungen auf die Raffinerie in Schwedt in Brandenburg haben. Sie gehört mehrheitlich zum russischen Konzern Rosneft. Bildrechte: dpa

Die Versorgungslage sehen Wirtschaftsverbände aktuell derweil nicht gefährdet. Am Wochenende hatte sich die Bundesregierung für ein Ölembargo gegen Russland ausgesprochen, die EU-Kommission schlug dann am Mittwoch ein solches Handelsverbot offiziell vor. Bis Anfang des nächsten Jahres sollen Öllieferungen aus Russland demnach weitestgehend eingestellt sein.

06:00 Uhr | Experte erwartet lang anhaltende Solidarität mit Ukrainern

Der Politikwissenschaftler Stefan Wallaschek geht davon aus, dass die Solidarität mit den Flüchtlingen aus der Ukraine länger anhält als bei früheren Konflikten. Der Experte der Europa-Universität Flensburg sagte MDR AKTUELL, es sei nicht nur so, dass die Geflüchteten aus Europa kämen. Zudem sei man hierzulande auch selbst ökonomisch betroffen. Man spüre den Krieg zum Beispiel am Preisanstieg, an den Fragen des Ölembargos, des Gasembargos. Prinzipiell ebbe Solidarität nach einer Zeit aber wieder ab und verlagere sich in die Institutionen.

Das bestätigte die AWO Thüringen. Sprecherin Anne Osterland sagte, es gebe weiter hohe Hilfsbereitschaft, aber der Fokus verschiebe sich. Es gehe weg von Spenden oder Fahrten an die ukrainische Grenze hin zur Organisation im Hintergrund, zum Beispiel von Beratungs- oder Freizeitangeboten.

05:38 Uhr | Österreich gegen Kurswechsel bei Gasembargo

Österreich hat Deutschland davor gewarnt, ein Gasembargo in Betracht zu ziehen. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck sagte in einem Zeitungsinterview, ein Stopp von Gaslieferungen aus Russland sei für Österreich eine rote Linie. Weder Deutschland noch Österreich würden ein Embargo durchhalten. Daher dürfe man keine Signale in diese Richtung senden.

Schramböck betonte, ihr Land versuche, unabhängig von russischem Gas zu werden. Das werde aber nicht so schnell gehen. Die konservative Politikerin schlug vor, dass die EU bei der Gasförderung auf Fracking setzt. Die EU-Kommission hatte zuletzt einen schrittweisen Importstopp von Rohöl und Ölprodukten bis zum Jahresende vorgeschlagen.

05:20 Uhr | Guterres: Neuer Evakuierungsversuch aus Mariupol

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol läuft nach Angaben der Vereinten Nationen ein weiterer Einsatz zur Evakuierung von Hunderten Zivilisten. Das bestätigte UN-Generalsekretär António Guterres am Abend in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Einzelheiten nannte er nicht. Die ukrainische Regierung sprach ebenfalls von Evakuierungen aus Mariupol. Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk nennt als Termin heute Vormittag.

Nach ukrainischen Angaben warten noch rund 200 Zivilisten darauf, aus einem schwer umkämpften Stahlwerk herauszukommen. Bei zwei vorherigen Aktionen wurden rund 500 Menschen nach Saporischschja gebracht. Das hatten die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz vermittelt.

04:59 Uhr | Historikerin: Krieg in Ukraine verändert deutsche Erinnerungskultur

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verändert aus Sicht der Historikerin Tanja Penter die Erinnerungskultur in Deutschland. Zum 77. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs sagte die Professorin für Osteuropäische Geschichte der Deutschen Presse-Agentur, lange Zeit seien die 27 Millionen Kriegstoten der Sowjetunion mit russischen Opfern gleichgesetzt worden. Dies sei jedoch eine "Fehlwahrnehmung". Auch Ukrainer, Belarussen und andere Nicht-Russen seien am Sieg über den Nationalsozialismus beteiligt gewesen.

03:55 Uhr | Selenskyj: Bisher über 2.000 russische Raketenangriffe

Die russische Armee hat in ihrem Krieg gegen die Ukraine nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj bisher 2.014 Raketen gegen diverse Ziele eingesetzt. Das teilte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache mit. Darüber hinaus seien seit Beginn der Invasion der russischen Armee in die Ukraine am 24. Februar bereits 2.682 Luftangriffe registriert worden. "Jeder dieser Einsätze bedeutet den Tod unseres Volkes, die Zerstörung unserer Infrastruktur." Allein die medizinische Infrastruktur der Ukraine habe schwere Verluste erlitten, sagte Selenskyj. "So haben russische Truppen bis heute fast 400 Gesundheitseinrichtungen zerstört oder beschädigt."

01:50 Uhr | Medien: Untergang der "Moskau" mithilfe von US-Informationen

Geheimdienstinformationen der USA haben Medienberichten zufolge dem ukrainischen Militär im Zusammenhang mit dem Sinken des Kriegsschiffs "Moskau" geholfen. Die US-Regierung habe aber keine Kenntnis über die Pläne der Ukraine gehabt, berichteten mehrere US-Medien wie die "Washington Post" oder die "New York Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Die USA hätten das Schiff auf Nachfrage des ukrainischen Militärs als "Moskau" identifiziert und bei der Lokalisierung geholfen, berichtete der Sender NBC News.

Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte war am 14. April gesunken. Die Ukraine hatte mitgeteilt, dass die "Moskau" von zwei Neptun-Raketen getroffen worden sei. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte dies. Laut dem russischen Verteidigungsministerium war hingegen an Bord des Kreuzers Munition detoniert. Die Explosion habe dann ein Feuer ausgelöst, durch das der Rumpf beschädigt worden sei. Beim Versuch, das Schiff abzuschleppen, sei es dann gesunken, hieß es von russischer Seite.

00:41 Uhr | Selenskyj bekräftigt Forderung nach Marshall-Plan für die Ukraine

Ungeachtet der massiven finanziellen Unterstützung des Westens für die Ukraine hält Präsident Wolodymyr Selenskyj an seinen Forderungen für eine Art Marshall-Plan für sein Land nach dem Krieg fest. Die internationale Geberkonferenz in Warschau, die wenige Stunden zuvor etwas über sechs Milliarden Euro Unterstützung für Kiew zusammengebracht hatte, sei "ein Element unseres Schutzes, ein Element des Schutzes für ganz Europa", sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Das Schicksal der Ukraine und Europas entscheide sich jetzt "nicht nur auf dem Schlachtfeld", sondern auch im wirtschaftlichen Bereich, beim Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg.

Die in Warschau zugesagten Milliarden seien jedoch "nur ein Teil dessen, was wirklich notwendig ist, um das normale Leben in dem gesamten Gebiet wiederherzustellen, in das Russland den Krieg gebracht hat". Dafür sei eine noch stärkere Beteiligung der freien Welt und internationaler Institutionen erforderlich. "Deshalb brauchen wir ein modernes Analogon des Marshall-Plans für die Ukraine."

00:00 Uhr | Ticker am Freitag, 6. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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