Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Donnerstag: Fast 13 Millionen Ukrainer auf der Flucht

Nach Angaben des Hilfswerks UNHCR sind seit Kriegsausbruch nahezu 13 Millionen ukrainische Menschen geflüchtet. US-Präsident Joe Biden hat ein weiteres Paket an Waffenlieferungen angekündigt. Russland gibt nach eigener Angabe den Plan auf, das belagerte Stahlwerk in Mariupol zu erstürmen. Deutschland will offenbar über einen Ringtausch schwere Waffen in die Ukraine liefern. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Alexandra Kusminova streichelt ihre Katze während sie auf einem Bett in einer Flüchtlingsunterkunft sitzt.
Eine Frau aus dem ostukrainischen Awdijiwka streichelt in einem Flüchtlingslager ihre Katze. Fast 13 Millionen Menschen aus der Ukraine sind laut Hilfswerk UNHCR auf der Flucht. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:10 Uhr | Ukraine: Russland hat 42 Dörfer erobert

Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben am heutigen Tag 42 Dörfer in der Donezk-Region im Osten des Landes eingenommen. "Das ist heute geschehen und es könnte sein, dass unsere Streitkräfte sie morgen zurückerobern", sagte ein Berater des Stabschefs von Präsident Wolodymyr Selenskyj im Fernsehen.

21:42 Uhr | Star-Architekt Norman Foster will Charkiw wiederaufbauen

Straßenzug in Charkiw
Charkiw ist für seine Architektur aus dem frühen 20. Jahrhundert bekannt. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Vitalii Kliuiev

Der britische Stararchitekt Norman Foster hat seine Unterstützung beim Wiederaufbau der durch russische Angriffe teilweise zerstörten ukrainischen Stadt Charkiw angeboten. Der 86-Jährige habe sich Anfang der Woche per Videoschalte mit dem Bürgermeister Ihor Terechow ausgetauscht, teilten die Stiftung des Architekten und die Stadtverwaltung mit. Foster stellte demnach einen Plan zum Wiederaufbau der Stadt vor, die für ihre Jugendstil-Architektur bekannt ist.

21:15 Uhr | Waffen-Ringtausch: Koalition weiter uneins

Der von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) angekündigte Waffen-Ringtausch, durch den die Ukraine slowenische und Slowenien deutsche Panzer erhalten soll, stößt bei Befürwortern direkter Waffenlieferungen auf Kritik. Die Union hat eine namentliche Abstimmung im Bundestag angekündigt - ob Olaf Scholz' zögerlicher Kurs noch eine Mehrheit in den Ampelfraktionen hat, ist unklar.

Mehr Informationen von MDR AKTUELL-Hauptstadtkorrespondent Torben Lehning im Video.

20:57 Uhr | Selenskyj spricht vor portugiesischem Parlament

Ukraine-Konflikt, Wolodymyr Selenskyj im portugiesischen Parlament zugeschaltet
Wolodymyr Selenskyj bei seiner Videoansprache vor dem portugiesischen Parlament. Bildrechte: IMAGO / GlobalImagens

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Videoansprache vor dem portugiesischen Parlament die Zerstörungen in seinem Land durch russische Truppen mit denen im Zweiten Weltkrieg verglichen. "Der Schaden, der der Ukraine jetzt zugefügt wird, ist ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg", sagte er in der auf Ukrainisch gehaltenen Rede. Selenskyj zog eine Parallele zwischen der Rückkehr Portugals zur Demokratie ab 1974 und der Ukraine. "Die Nelkenrevolution, die Sie von der Diktatur befreit hat, lässt Sie verstehen, wie wir uns fühlen", sagte er.

20:06 Uhr | Lettland erhöht Militärausgaben

Lettland wird unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine seine Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Das baltische EU- und Nato-Land will bis 2025 seinen Militäretat schrittweise auf 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung anheben. Das Parlament in Riga gab grünes Licht für einen entsprechenden Beschluss der Regierung.

19:39 Uhr | Waffenlieferungen: Verteidigungsausschuss lädt Scholz ein

Agnes Strack-Zimmermanng
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Bildrechte: dpa

In der Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine hat der Verteidigungsausschuss im Bundestag Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu seiner nächsten Sitzung eingeladen. "Die Frage danach, welchen Beitrag Deutschland und insbesondere die Bundeswehr in Bezug auf Waffenlieferungen tatsächlich leisten kann, ist für die Menschen in der Ukraine existentiell", schrieb die Ausschuss-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) am Donnerstag in einem Brief an Scholz. Der Verteidigungsausschuss beschäftige sich seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in jeder seiner Sitzungen mit der aktuellen Lage in der Ukraine und erörtere "auch den Stand des an die Ukraine abgegebenen sensitiven Materials".

18:52 Uhr | Selenskyj: Mariupol nicht komplett verloren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält die nach Kremlangaben nun von Russland kontrollierte Hafenstadt Mariupol noch nicht für komplett verloren. "Die Situation ist schwierig, die Situation ist schlecht", sagte der Staatschef Journalisten örtlichen Medien zufolge in Kiew. Es gebe mehrere Wege, die Stadt zu befreien. "Es gibt einen militärischen Weg, auf den man sich vorbereiten muss, und wir bereiten uns vor", sagte Selenskyj. Dazu brauche es die Hilfe westlicher Partner.

Ein anderer Weg sei ein diplomatischer, humanitärer. Kiew habe Moskau bereits mehrere Varianten vorgeschlagen, darunter einen Austausch von "Verwundeten gegen Verwundete".

18:31 Uhr | Bilder sollen Massengrab bei Mariupol zeigen

Satellitenbilder zeigen dem Betreiber Maxar zufolge ein Massengrab nahe der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol. Das Feld sei in den vergangenen Wochen vergrößert worden und enthalte nun mehr als 200 neue Gräber, teilte das US-Unternehmen mit. Ein Vergleich von Bildern von Mitte März bis Mitte April deute darauf hin, dass die Vergrößerung zwischen dem 23. und 26. März begonnen habe. Das Massengrab liege in der Nähe eines existierenden Friedhofes in der Ortschaft Manhush 20 Kilometer westlich von Mariupol.

17:47 Uhr | Fast 13 Millionen Ukrainer auf der Flucht

Nahezu 13 Millionen Menschen sind laut den Vereinten Nationen seit Beginn des militärischen Angriffs Russlands auf die Ukraine vor knapp zwei Monaten geflüchtet. Innerhalb der Ukraine suchten mehr als 7,7 Millionen Binnenflüchtlinge Schutz, teilte die Internationale Organisation für Migration mit. Zudem seien mehr als fünf Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflüchtet, teilte das Hilfswerk UNHCR mit. Die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine seien Frauen und Kinder, darunter immer mehr Mädchen und Jungen ohne Begleitung.

Die Internationale Organisation für Migration erklärte, die Binnenflüchtlinge innerhalb der Ukraine bräuchten vor allem Bargeld und medizinische Hilfe. Zudem fehle es an Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die Opfer des Krieges bräuchten auch Schutz gegen Menschenhandel, Misshandlungen und sexuelle Ausbeutung.

17:30 Uhr | 19 Ukrainer bei Gefangenenaustausch zurückgekehrt

Bei einem Gefangenenaustausch mit Russland sind nach ukrainischen Angaben 19 Soldaten und Zivilisten befreit worden. "Wir konnten 19 Menschen zurückholen, davon zehn Militärangehörige, darunter zwei Offiziere, und neun Zivilisten", erklärte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk im Onlinedienst Telegram. Zu möglicherweise im Gegenzug freigelassenen Russen machte sie keine Angaben. Aus Moskau kam zunächst keine Bestätigung des Austauschs. Es sei das fünfte Mal, dass die beiden Kriegsparteien seit Beginn des russischen Angriffs Ende Februar Gefangene ausgetauscht hätten, erklärte Wereschtschuk.

17:02 Uhr | Ukraine-Krieg beschäftigt Landwirte auf agra-Messe

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt Landwirte und Politik auf der heute in Leipzig gestarteten Landwirtschaftsausstellung Agra 2022. "Die Preise werden steigen, Nahrungsmittelpreise werden Inflationstreiber bleiben, aber es wird keine Versorgungsengpässe beim Brotgetreide geben", prognostizierte Klaus-Dieter Schumacher von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft beim Agrarpolitischen Forum mit Blick auf Deutschland und die EU.

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze warnte vor Entwicklungen auf Kosten ärmerer Länder: "Wenn wir im Herbst feststellen sollten, dass nicht mehr genügend Lieferungen aus Russland und der Ukraine kommen, werden Deutschland und Europa alles dafür aufwenden, zur Verfügung stehendes Getreide zu kaufen. Und dann wird es auch Regionen geben, die sich das nicht mehr leisten können."

Weitere Stimmen von der agra im Video.

16:36 Uhr | Biden sagt Waffen für 800 Millionen Dollar zu

Die US-Regierung will der Ukraine weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (rund 736 Millionen Euro) liefern. "Dieses Paket umfasst schwere Artilleriewaffen, dutzende Haubitzen und 144.000 Schuss Munition für diese Haubitzen", sagte US-Präsident Joe Biden nach einem Treffen mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal in Washington im Weißen Haus. Geliefert werden sollen demnach auch zusätzliche taktische Drohnen.

Mit den Waffenlieferungen solle die ukrainische Armee im Kampf gegen Russland in der Donbass-Region im Osten des Landes unterstützt werden, sagte Biden weiter. Der US-Präsident hatte der Ukraine bereits vergangene Woche Rüstungsgüter im Wert von 800 Millionen Dollar zugesagt, unter anderem Artilleriesysteme, Artilleriemunition, Panzerfahrzeuge und Hubschrauber.

16:15 Uhr | Ukraine: Zivilisten können Stahlwerk in Mariupol nicht verlassen

Wadym Bojtschenko, Bürgermeister Mariupol
Wadym Bojtschenko, Bürgermeister von Mariupol. Bildrechte: imago images/Ukrinform

Zivilisten können Laut Mariupols Bürgermeister Wadym Bojtschenko das belagerte Asowstal-Stahlwerk heute nicht verlassen. In der Hafenstadt selbst warteten rund 200 Menschen darauf, sich in Sicherheit zu bringen, so Bojtschenko weiter. Es seien bis zum Nachmittag keine Busse angekommen. Am Mittwoch seien 80 Menschen aus Mariupol herausgebracht worden. Ein kleiner Konvoi mit Zivilisten habe Mariupol verlassen und sei nun auf dem Weg nach Saporischschja, das unter ukrainischer Kontrolle ist. In Mariupol harrten noch immer mehr als 100.000 Menschen aus, sagte Bojtschenko.

15:43 Uhr | USA sagen Ukraine 500 Millionen Dollar zu

Die USA haben der Ukraine eine neue Finanzhilfe in Höhe von 500 Millionen Dollar (462 Millionen Euro) zugesagt. Mit dem Geld soll der ukrainischen Regierung unter anderem dabei geholfen werden, Gehälter und Renten auszuzahlen, wie ein Vertreter des US-Finanzministeriums sagte. Das Geld sei auch für Programme bestimmt, die eine "Verschlechterung der humanitären Situation in der Ukraine" verhindern sollen.

15:05 Uhr | Baerbock fordert: Evakuierung von Mariupol ermöglichen

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat Russland aufgefordert, die Evakuierung der Menschen aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol zu ermöglichen. Baerbock sagte nach einem Treffen mit ihrer estnischen Amtskollegin Eva-Maria Liimets in Tallinn, die Lage dort sei kaum zu ertragen. Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck daran, dass es zu humanitären Korridoren komme. Dazu sei man mit internationalen Partnern und auch dem Roten Kreuz in Kontakt. Außerdem wolle man zusammen mit den baltischen Staaten noch stärker gegen Desinformationskampagnen aus Moskau vorgehen.

14:53 Uhr | Menschenrechtsgruppe: Taten in Butscha wohl Kriegsverbrechen

Die mutmaßlich von russischen Soldaten begangenen Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha sind der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge wohl als Kriegsverbrechen einzuordnen. Ermittler der Organisation hätten "umfangreiche Beweise für Hinrichtungen im Schnellverfahren, andere rechtswidrige Tötungen, Verschwindenlassen und Folter gefunden, die Kriegsverbrechen und potenzielle Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen würden", teilte HRW mit.

Für ihre Ermittlungen befragten die Menschenrechtler 32 Bewohner der Stadt persönlich und fünf weitere per Telefon. Zudem wurden Beweise vor Ort dokumentiert, Fotos und Videos sowie Satellitenaufnahmen gesichtet.

13:04 Uhr | Ukraine: Russische Truppen mit enormen Verlusten

Die russischen Truppen haben nach ukrainischen Angaben in den vergangenen 24 Stunden keine Geländegewinne an den Hauptfronten gemacht. Russland begreife auch, dass es das Stahlwerk in Mariupol nicht mit Gewalt einnehmen könne, sagt Olexij Arestowytsch, der enger Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist. "Sie können Azovstal nicht einnehmen, sie haben das begriffen, sie haben dort enorme Verluste." Die ukrainischen Verteidiger hielten das Stahlwerk weiterhin. Arestowytsch reagiert damit auf den Befehl des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Eroberung des Azovstal-Werkes aufzugeben und es stattdessen komplett abzuriegeln.

12:34 Uhr | Bürgermeister: Charkiw wird bombardiert

Charkiw liegt nach Angaben seines Bürgermeisters Ihor Terechow unter schwerem Beschuss. Terechow sprach im Fernsehen von "gewaltigen Explosionen". Die Russische Föderation bombardiere "wütend die Stadt". Charkiw ist nach Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt im Nordosten des Landes. Etwa eine Million Menschen seien weiterhin in Charkiw, sagt Terechow.

11:51 Uhr | Russland meldet Angriffe auf über 1.000 militärische Ziele

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht mit Raketen und Artillerie 1.001 militärische Ziele der Ukraine getroffen. Darunter seien 162 Gefechtsposten, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zudem hätten russische Streitkräfte und von Russland unterstützte Separatisten die Stadt Kreminna in der Ost-Ukraine vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.

Update 11:00 Uhr | Ringtausch für Waffenlieferungen über Slowenien geplant

Die Bundesregierung bereitet einen Ringtausch für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vor. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) soll dabei der östliche Nato-Partner Slowenien (zuvor war von der "Slowakei" die Rede - Anmerkung d. Red.) eine größere Stückzahl seiner T-72-Kampfpanzer an die Ukraine abgeben und aus Deutschland dafür den Schützenpanzer Marder sowie den Radpanzer Fuchs erhalten. Das noch aus der Sowjetzeit stammende Waffensystem T-72 wird vom ukrainischen Heer bereits eingesetzt und erfordert keine umfangreiche Zusatzausbildung.

Nach Informationen der dpa aus Regierungskreisen hat Slowenien als Kompensation auch moderneres Gerät aus Deutschland angefordert, darunter den deutschen Kampfpanzer Leopard 2, den Radpanzer Boxer sowie den Schützenpanzer Puma, der in der Bundeswehr als Nachfolger des seit 50 Jahren genutzten Marder eingeführt wird.

Update 10:15 Uhr | Mariupol: Putin will Stahlwerk nicht stürmen - Schoigu meldet Kontrolle über Hafenstadt

Russlands Präsident Wladimir Putin hat angeordnet, das Gelände des Stahlwerks in der Hafenstadt Mariupol nicht stürmen zu lassen. Putin sagte, entsprechende Pläne würden nicht umgesetzt. Das Gebiet werde aber abgeriegelt. Den noch auf dem Werksgelände befindlichen ukrainischen Soldaten sagte Putin zu, dass sie mit dem Leben davon kämen, sollten sie sich ergeben.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte Putin zuvor über die Einnahme von Mariupol mit Ausnahme des Stahlwerks informiert. Laut Schoigu haben sich in dem weiträumigen Komplex des Konzerns Asow-Stahl, der über zahlreiche Tunnel verfügt, noch über 2.000 ukrainische Soldaten verschanzt. Insgesamt sei die Lage in Mariupol ruhig, sagte Schoigu. Die Menschen könnten in die Stadt zurückkehren.

Die Stadt am Asowschen Meer gilt als strategisch wichtig. Sie liegt zwischen den pro-russischen, selbst ernannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk und der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim.

10:00 Uhr | Gouverneur: Großteil der Region Luhansk unter russischer Kontrolle

Rund acht Wochen nach Beginn des Krieges ist ein Großteil der Region Luhansk im Osten der Ukraine offenbar unter russischer Kontrolle. Der Gouverneur von Luhansk, Hajdaj, erklärte auf Telegram, nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus Krimenna kontrollierten russische Einheiten nun 80 Prozent des Gebietes - darunter teilweise auch die Städte Rubischne und Popasna. Vor Kriegsbeginn hatten pro-russische Separatisten in ihrer selbst ernannten Volksrepublik nur rund 30 Prozent der Region Luhansk kontrolliert.

09:15 Uhr | Exporte nach Russland mehr als halbiert

Die deutschen Exporte sind im März wegen der Sanktionen infolge des Krieges eingebrochen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fielen sie um 57,5 Prozent zum Vorjahresmonat auf 1,1 Milliarden Euro. Damit sei die Russische Föderation im März von Rang fünf auf Rang 12 der wichtigsten Bestimmungsländer für deutsche Exporte außerhalb der EU gerutscht.

Update 08:33 Uhr | Evakuierungen aus Mariupol angelaufen

Inmitten heftiger Kämpfe haben vier Busse mit Zivilisten die belagerte ukrainische Hafenstadt Mariupol verlassen können. Nach Angaben von Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk haben die Busse vor allem Frauen, Kindern und älteren Menschen gestern über "humintäre Korridore" aus der Stadt gebracht. Die Evakuierungen sollten über den Tag hinweg fortgesetzt werden. Am Mittwochabend hatte Wereschtschuk noch erklärt, dass die Einrichtung eines Fluchtkorridors für Zivilisten aus Mariupol gescheitert sei. Die russischen Truppen hätten gegen die vereinbarte Feuerpause verstoßen und Busse für die Evakuierungen blockiert. Die strategisch wichtige Stadt am Asowschen Meer steht nach fast zwei monatiger Belagerung kurz davor, endgültig unter russische Kontrolle zu fallen.

Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj harren rund 120.000 Menschen in der belagerten Stadt aus.

08:15 Uhr | Experten: Cybertruppen könnten Sanktionen aushebeln

Im Auftrag Russlands aktive Hacker können nach Einschätzung von Sicherheitsexperten die wirtschaftlichen Sanktionen wegen des Angriffs auf die Ukraine zumindest teilweise aushebeln. Die russischen Cybertruppen seien beispielsweise in der Lage, Geld über Finanzmarktmanipulationen zu besorgen, sagte Sandro Gaycken, Gründer des Digital Society Institute an der European School of Management and Technology (ESMT) Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Denkbar sei auch, dass sie mit kriminellen Ransomware-Gangs zusammenarbeiten, um von attackierten Firmen im Westen Lösegelder zu erpressen.

Zuvor hatten bereits mehrere US-Experten davor gewarnt, dass der Kreml die Sanktionen mit gezielten Cyberangriffen beantworten werde.

07:38 Uhr | Leipzig: Schwierigkeiten bei Versorgung Geflüchteter

In Leipzig organisieren Vereine Essensausgaben für ukrainische Geflüchtete, die kein Geld mehr haben. Doch berichten verschiedene Hilfsinitiativen von Versorgungsproblemen. Zugleich gibt es Kritik an der Landesregierung wegen unzureichender Informationen zur Essensversorgung. Mehr dazu im folgenden MDR AKTUELL-Beitrag:

 

07:07 Uhr | Bundesamt kartiert Radioaktivität um Tschernobyl

Erstmals seit mehr als 30 Jahren haben Experten aus Deutschland und der Ukraine die Radioaktivität in der Sperrzone um die Reaktorruine von Tschernobyl flächendeckend neu kartiert. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter veröffentlichte erste Ergebnisse in zwei Übersichtskarten – kurz vor dem 36. Jahrestag der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986. Für die Karten hatten die Experten die Strahlung um das havarierte sowjetischen Atomkraftwerk im vergangenen September vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine gemessen.

Demnach bestätigen die aktualisierten Daten die bisherigen Erkenntnisse aus den Jahren nach dem Unglück. Vor allem nach Norden und Westen breiteten sich radioaktive Stoffe aus dem Reaktor aus. Die Strahlung geht laut Bundesamt vor allem auf Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren zurück.

Im Zuge der Invasion in die Ukraine war die Sperrzone um Tschernobyl unter russische Kontrolle geraten. Ende März zogen die russischen Einheiten ab und übergaben die Kontrolle wieder an das ukrainische Personal. Kurz darauf gab es Berichte, die russischen Soldaten könnten sich in dem Gebiet Strahlenschäden zugezogen haben.

06:48 Uhr | Kadyrow: Stahlwerk Mariupol vor dem Fall

Der Anführer der russischen Teilrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow hat angekündigt, dass das Stahlwerk Asowstal in der schwer umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol noch heute Mittag an russische Einheiten fällt. Kadyrow sagte weiter, die in dem Stahlwerk verbliebenen ukrainischen Kämpfer hätten am Morgen noch die Möglichkeit, sich zu ergeben. Täten sie dies, sei er sicher, dass die russische Führung "die richtige Entscheidung" treffen werde.

06:33 Uhr | Befragungen zu Kriegsverbrechen in Berlin

In Berlin können Flüchtlinge aus der Ukraine künftig zu Kriegsverbrechen aussagen. Das Dokumentationszentrum des Pilecki-Instituts – eine vom polnischen Kulturministerium finanzierte Forschungseinrichtung – startet laut Angaben eines Sprechers am Freitag. "Jeder Zeuge von Verbrechen in der Ukraine – Diebstahl, Mord, Vertreibung, Entführung, Bombardierung von Zivilisten, Zerstörung von Kultur – ist eingeladen, auszusagen", hieß es weiter.

Ziel sei es, mit den gesammelten Berichten so viele Details wie möglich über die Vergehen im Ukraine-Krieg und die Straftäter zu sammeln. Die Dokumente sollen vor Gericht Beweiskraft haben.

04:50 Uhr | Liste deutscher Waffenlieferungen veröffentlicht

Die Ukraine hat seit Kriegsbeginn von Deutschland gut 2.500 Luftabwehrraketen, 900 Panzerfäuste mit 3.000 Schuss Munition, 100 Maschinengewehre und 15 Bunkerfäuste mit 50 Raketen erhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa in Berufung auf ukrainische Regierungskreise. Hinzu kämen 100.000 Handgranaten, 2.000 Minen, rund 5.300 Sprengladungen sowie mehr als 16 Millionen Schuss Munition verschiedener Kaliber für Handfeuerwaffen vom Sturmgewehr bis zum schweren Maschinengewehr. Nicht enthalten in der Liste seien schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie.

04:30 Uhr | Russischer Beschuss in Ost- und Südukraine

In ost- und südukrainischen Ortschaften ist es nach ukrainischen Angaben zu erneutem russischen Beschuss gekommen. In der Großstadt Charkiw im Osten des Landes hätten nach Explosionen mindestens zwei Hochhäuser im nordöstlichen Bezirk Saltivka und mehrere geparkte Autos Feuer gefangen, berichtete die ukrainische Internetzeitung "Ukrajinska Prawda". In der Region Dnipropetrowsk seien die Nachbarorte Selenodolsk und Welyka Kostromka unter heftigen Beschuss geraten, teilte der Chef der lokalen Militärverwaltung mit. Es gebe Probleme mit der Stromversorgung. Laut Wilkul sind auch zurückeroberte Dörfer im Gebiet Cherson am späten Mittwochabend beschossen worden.

02:40 Uhr | Weitere Massengräber in Kiewer Region entdeckt

Im Kiewer Vorort Borodjanka sind der ukrainischen Polizei zufolge zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Darin hätten sich insgesamt neun Leichen von Zivilisten, Männer wie Frauen, befunden, teilte Andrij Nebitow von der Polizei der Region Kiew mit. Einige von ihnen hätten Folterspuren aufgewiesen, hieß es weiter. Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet.

00:10 Uhr | Ukrainische Regierung: Russland bisher nur mit Probeangriffen

Der ukrainischen Regierung zufolge hat die Großoffensive Russlands in der Ostukraine noch nicht begonnen. Am Dienstagmorgen hätten zwar Angriffe entlang der gesamten Frontlinie in den Gebieten Donezk, Luhansk und Charkiw begonnen, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Olexij Danilow, in einem Radiointerview. Es sei aber wahrscheinlich, dass es sich dabei erst um "Probeangriffe" handle. Wann die sogenannte große Offensive beginne, sei nur eine Frage der Zeit, sagte Danilow weiter. Moskau könne in den nächsten zwei bis vier Wochen immer noch neue Ressourcen und Reserven in großen Mengen aufbauen.

00:00 Uhr | Ticker am Donnerstag, 21. April 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. April 2022 | 06:00 Uhr

Mehr Politik in Osteuropa

Mehr aus Osteuropa

Osteuropa

Durch den Bialowieza-Urwald verläuft ein Zaun entlang der polnisch-belarussischen Grenze mit Video
Der Grenzzaun nahe Bialowieza. Flüchtlinge hält er hier kaum auf, schreckt dafür aber viele Touristen ab. Bildrechte: Monika Sieradzka