Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Mittwoch: Russische Truppen erreichen Stahlwerksgelände

Russische Truppen sind auf das Gelände des Asow-Stahlwerks gelangt. Ab Donnerstag sollen Zivilisten das Gelände über Fluchtwege verlassen können. Nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft wird ein Importstopp der EU Russland nicht zu einem schnellen Einlenken im Krieg bewegen. Der Ukraine zufolge soll Russland tonnenweise Getreide außer Landes gebracht haben. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Asow-Stahlwerk in Mariupol
Asow-Stahlwerk in Mariupol Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:47 Uhr | 344 Menschen aus Mariupol und Umgebung gerettet

Aus der umkämpften Stadt Mariupol und Umgebung sind nach Kiewer Regierungsangaben am Mittwoch 344 Menschen gerettet worden. Die Frauen, Kinder und älteren Leute seien sicher in der Stadt Saprorischschja angekommen, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk mit. "Das ist ein weiterer kleiner Sieg für uns", schrieb sie auf Telegram. Wereschtschuk dankte Mitarbeitern der UN und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz für ihre Unterstützung. Die Flüchtlinge waren seit dem Morgen von Stationen in Mariupol, Manhusch, Berdjansk, Tokmak und Wasyliwka aufgesammelt worden.

22:10 Uhr | Zentrum der Großstadt Dnipro angegriffen

Auf das Zentrum der ostukrainischen Großstadt Dnipro hat es Behördenangaben zufolge einen russischen Raketenangriff gegeben. Dabei sei die Eisenbahninfrastruktur getroffen worden, sagte Bahnchef Olexander Kamyschin am Abend. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Explosionen - teils durch die Flugabwehr - wurden auch aus den Gebieten Kiew, Odessa, Tscherkassy, Kirowohrad und Saporischschja gemeldet.

21:13 Uhr | Neue Fluchtkorridore aus Asow-Stahlwerk angekündigt

Das russische Militär hat die Einrichtung von humanitären Korridoren aus dem belagerten Asow-Stahlwerk in Mariupol angekündigt. Diese würden von Donnerstag bis Samstag von jeweils 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr gelten, um Zivilisten ein Verlassen des Geländes zu ermöglichen. Die russischen Truppen würden während dieser Zeit ihre militärischen Aktivitäten einstellen und sich in eine sichere Entfernung zurückziehen. Die ukrainische Seite hat sich zu dieser Ankündigung noch nicht geäußert.

20:58 Uhr | Russland meldet mehr als 70 Luftangriffe

Russlands Armee hat eigenen Angaben zufolge innerhalb eines Tages das Nachbarland Ukraine insgesamt 77 Mal aus der Luft angegriffen. Dabei seien heute bis zu 310 ukrainische Kämpfer getötet und 36 Einheiten Militärtechnik zerstört worden. Die Informationen stammen vom Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht.

20:39 Uhr | Scholz will Gespräche mit Putin fortsetzen

Bundeskanzler Olaf Scholz wird nach eigener Aussage weiterhin auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin reden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Dienstag mit Putin telefoniert. Auf die Frage, ob er auch entsprechende Pläne habe, verwies Scholz auf viele Gespräche mit den Präsidenten der Ukraine und Russlands. Diese seien richtig gewesen. Und selbstverständlich werde er diese auch fortsetzen. Scholz betonte, die Situation sei aber wie sie sei und was gegenwärtig stattfinde, darüber dürfe man sich keinerlei Illusionen machen.

19:49 Uhr | Selenskyj nennt Truppenabzug Bedingung für Friedensabkommen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat russischen Forderungen nach Gebietsabtretungen ein weiteres Mal eine Absage erteilt. Selenskyj sagte bei einer Veranstaltung des "Wall Street Journals", man werde nicht auf einen eingefrorenen Konflikt eingehen. Die russischen Truppen müssten sich zurückziehen. Außerdem müsse Kremlchef Wladimir Putin einer Waffenruhe zustimmen - und das, wenn möglich, öffentlich. Das wiederum sei die Voraussetzung für ein Friedensabkommen.

19:21 Uhr | Russische Soldaten auf Stahlwerksgelände

Russische Truppen sind nach Darstellung der Ukraine auf das Gelände des belagerten Asow-Stahlwerks in Mariupol vorgedrungen. Man stehe weiter in Kontakt mit den Verteidigern, sagt ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty. Zuvor hatte der Bürgermeister der Stadt mitgeteilt, der Kontakt zu den eigenen Kämpfern auf dem Gelände sei abgebrochen. In den Tunneln des Stahlwerks sollen sich immer noch rund 200 Ziviilsten aufhalten, die dort vor dem Beschuss der Stadt Zuflucht gesucht hatten.

18:54 Uhr | Viele tote Zivilisten rund um Kiew

Nach Angaben der ukrainischen Behörden werden in der Umgebung der Hauptstadt Kiew beinahe täglich weitere Leichen von Zivilisten gefunden. Der Chef der Gebietsverwaltung, Olexander Pawljuk, sagte, mehr als einen Monat nach Abzug der russischen Truppen seien 1.235 ermordete Zivilisten entdeckt worden. Knapp 300 seien noch nicht identifiziert. Einige Todesopfer wiesen Folterspuren auf. Große Teile nördlich und nordwestlich der Hauptstadt waren im März von russischen Truppen besetzt. Moskau dementiert, für die gefundenen Toten verantwortlich zu sein.

18:24 Uhr | Brasiliens Ex-Präsident Lula sieht Selenskyj mitverantwortlich

Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sieht die Verantwortung für den Ukraine-Krieg sowohl beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, als auch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Lula sagte, es sei unverantwortlich vom Westen, Selenskyj zu feiern, statt auf Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu setzen. Der 76-Jährige betonte mit Blick auf Selensky: "Er ist genauso verantwortlich für den Krieg wie Putin. Denn im Krieg ist nie nur eine Person schuldig." Stattdessen mache man Selenskyj glauben, er sei die Kirsche auf dem Kuchen.

17:14 Uhr | Russland verletzt offenbar finnischen Luftraum

Eine russische Militärmaschine ist mutmaßlich in den finnischen Luftraum eingedrungen. Das finnische Verteidigungsministerium teilte mit, sie stehe im Verdacht, den Luftraum des EU-Landes über Kesälahti und Parikkala nahe der finnisch-russischen Grenze verletzt zu haben.

Der Rundfunksender Yle berichtet, es habe sich um einen Hubschrauber vom Typ Mi-17 gehandelt. Dieser sei vier bis viereinhalb Kilometer in den Luftraum über Finnland hineingeflogen. Finnland und Russland haben eine über 1.300 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

16:51 Uhr | Ex-General Bühler gegen Lieferung von Panzerhaubitzen

Der ehemalige Bundeswehr-General Erhard Bühler ist dagegen, der Ukraine Panzer-Haubitzen aus aktiven Beständen zu liefern. Bühler sagte MDR AKTUELL, das sei dem Druck geschuldet aber nicht sinnvoll. Die modernen Artilleriegeschütze würden für die Ausbildung benötigt. Die Bundeswehr habe keine Panzerhaubitzen, die eingelagert seien, so Bühler. Es wäre ein Bruch mit dem Kriterium, nur Waffen abzugeben, deren Abgabe nicht die eigene Verteidigungsfähigkeit einschränkte.

15:40 Uhr | Kreml kritisiert fehlende "Dynamik" bei Friedensgesprächen

Russland hat der Ukraine die Schuld an fehlender Bewegung in den Verhandlungen um eine Friedenslösung nach mehr als zwei Monaten Krieg gegeben. Kremlsprecher Dmitri Peskow sasgte, auf dem Verhandlungsweg könne man nach wie vor kaum von Dynamik sprechen. Das liege daran, dass die ukrainische Führung ständig ihren Standpunkt ändere. Zudem drohe sie immer wieder damit, aus den Gesprächen auszusteigen. Kiew wirft Moskau im Gegenzug vor, Verhandlungsangebote zu ignorieren.

15:13 Uhr | Heftige Kämpfe am Asow-Stahlwerk

Der Bürgermeister von Mariupol, Wadym Boitschenko, hat im Fernsehen von heftigen Kämpfen am Asow-Stahlwerk berichtet. Zudem sei der Kontakt zu den dort verschanzten ukrainischen Kämpfern "verloren gegangen". Russland dagegen hatte kurz zuvor einen Großangriff auf das Stahlwerk dementiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte, es gebe keine Erstürmung. Das ukrainische Militär hatte gestern mitgeteilt, die russischen Streitkräfte hätten eine groß angelegte Offensive mit Panzern auf das Stahlwerk gestartet. In den Tunneln auf dem Werksgelände sollen noch etwa 200 Zivilisten festsitzen.

13:25 Uhr | Russland könnte EU-Ölembargo laut IfW lange durchhalten

Ein Ölembargo der EU würde Russland nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nicht zu einem schnellen Einlenken im Ukraine-Krieg bewegen. "Hoffnungen auf ein zeitnahes Einlenken Russlands im Ukraine-Krieg angesichts der einschneidenden westlichen Sanktionen dürften enttäuscht werden", sagte IfW-Experte Rolf Langhammer. Russland könne eine Kriegswirtschaft aufgrund seiner guten Haushaltssituation und struktureller Besonderheiten der Wirtschaft länger durchhalten. So habe das Land eine stabile Finanzlage mit sehr niedriger Verschuldung, hohe Ersparnisse und starke Reserven. Hinzu kämen steigende Erlöse aus Energie-Exporten in Länder, die sich den Sanktionen nicht oder nur eingeschränkt angeschlossen hätten.

12:25 Uhr | Ungarn und Tschechien reagieren mit Kritik auf EU-Pläne zu Ölembargo

Nach der Vorstellung der Sanktionspläne durch die EU-Kommission haben sich Ungarn und Tschechien kritisch zu dem angepeilten Ölembargo gegen Russland geäußert. Ungarn sehe in dem von der EU-Kommission unterbreiteten Vorschlag keine Vorkehrungen, welche "Ungarns Energiesicherheit garantieren", so die Regierung in Budapest. Unklar blieb zunächst, ob dies eine direkte Ablehnung des EU-Vorschlags bedeutet.

Auch Tschechien reagierte skeptisch auf die Pläne. Das Import-Verbot enthalte keine Mechanismen zur Verteilung der Lasten, sagte Industrie- und Handelsminister Jozef Sikela der Agentur Reuters. "Wir studieren das noch, aber es ist ein Problem für mich", so Sikela. Für Ungarn und die Slowakei sind in den Sanktionsplänen aufgrund der hohen Abhängigkeit von russischem Öl Ausnahmeregelungen vorgesehen. Beide Länder sollen EU-Kreisen zufolge ihre Importe noch bis Ende 2023 fortsetzen dürfen.

11:59 Uhr | Deutsche Chemieindustrie erwartet durch Ölembargo steigende Preise

Die Chemieindustrie in Deutschland erwartet im Falle des von der EU angepeilten Ölembargos gegen Russland weiter steigende Rohöl- und Rohstoffpreise. Zwar scheine die Versorgung gesichert, doch Sorge bereiteten die dadurch zu erwartenden weiteren Preisanstiege, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie, Wolfgang Große Entrup. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche wird mehr und mehr belastet." Der Verband unterstütze aber einen Boykott. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Morgen die neuen Pläne für Wirtschaftssanktionen gegen Russland offiziell vorgestellt.

11:12 Uhr | Über 20.000 Menschen aus der Ukraine in Sachsen-Anhalt aufgenommen

Die Kommunen in Sachsen-Anhalt haben bereits mehr als 20.000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Laut Innenministerium sind darunter gut 5.400 Kinder im schulpflichtigen Alter und etwa 2.300 im Kita-Alter. Die meisten Menschen seien in den Großstädten Magdeburg und Halle aufgenommen worden. Die tatsächliche Zahl der Ukraine-Geflüchteten in Sachsen-Anhalt dürfte derweil noch deutlich über 20.000 liegen.

10:34 Uhr | Wiederaufbaufonds der EU für die Ukraine geplant

Die EU-Kommission will den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg finanziell unterstützen. "Ich glaube, Europa hat gegenüber der Ukraine eine ganz besondere Verantwortung", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im EU-Parlament in Straßburg. Daher schlage sie vor, "mit der Arbeit an einem ehrgeizigen Konjunkturpaket für unsere ukrainischen Freunde" zu beginnen. Das Paket soll demnach Investitionen zur Deckung des Bedarfs und für notwendige Reformen umfassen und könne auch zur Korruptionsbekämpfung beitragen. Es werde dabei auch den Weg der Ukraine innerhalb der Europäischen Union ebnen, so von der Leyen. Wie viel Geld das Paket umfassen soll, sagte die CDU-Politikerin zunächst nicht. Die Zahlungen könnten aber an Meilensteine gebunden sein, ähnlich wie es auch beim EU-Corona-Aufbaufonds der Fall ist, so von der Leyen.

09:17 Uhr | EU-Kommissionschefin von der Leyen schlägt Ölembargo offiziell vor

Die EU-Kommission hat offiziell vorgeschlagen, ein Ölembargo gegen Russland zu verhängen. Es gehe um "ein vollständiges Einfuhrverbot für sämtliches russisches Öl", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Morgen in Straßburg. Um den Ländern Zeit für die Umstellung zu geben, soll es Übergangsfristen geben. Zudem sollen für Ungarn und die Slowakei Ausnahmeregelungen gelten. Auch weitere russische Banken und Medien sollen durch das neue Maßnahmenpaket sanktioniert werden.

08:46 Uhr | Mehr als 20 Tote im Donbass gemeldet

In der Region Donezk sind nach ukrainischen Angaben mindestens 21 Menschen durch russische Angriffe getötet worden. Gouverneur Pawlo Krylenko erklärte auf Telegram, dass zudem 27 Menschen verletzt worden seien. Dies sei die höchste Zahl an Toten in der Region binnen eines Tages seit dem Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk, wo mehr als 50 Menschen ums Leben kamen. Schwere Kämpfe und Angriffe waren auch aus dem benachbarten Gebiet Luhansk und aus Lwiw im Westen des Landes gemeldet worden. In Lwiw teilte Bürgermeister Sadowyj mit, Teile der Stadt seien ohne Strom und Wasser, nachdem Raketen drei Kraftwerke getroffen hätten.

Ein brennendes Umspannwerk 1 min
Berichte: Russischer Raketenangriff auf Umspannwerke im ukrainischen Lwiw Bildrechte: Reuters

07:52 Uhr | Unangekündigtes Militärmanöver in Belarus

Präsident Alexander Lukaschenko
Alexander Lukaschenko ist der Machthaber in Belarus. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder an der Seite Russlands gestanden. Bildrechte: dpa

Im ukrainischen Nachbarstaat Belarus hat am Mittwoch überraschend ein Militärmanöver der Streitkräfte begonnen. Wie das belarussischen Verteidigungsministerium auf seinem Telegram-Kanal mitteilte, müssten im Zuge einer Inspektion "die Truppenteile und Einheiten Aspekte der Gefechtsbereitschaft, des Marschs in die befohlenen Einsatzgebiete und der Durchführung von Gefechtsaufgaben einüben". Das Manöver diene dabei der Abwehr von Boden- und Luftangriffen, die Anzahl der Truppenteile würden schrittweise vergrößert. Ziel der Inspektion sei es, zu überprüfen, wie schnell die Eingreiftruppe auf Krisensituationen reagieren könne. Das Verteidigungsministerium erklärte, die Übungen stellten keine Bedrohung für die Nachbarstaaten oder die europäische Gemeinschaft dar. Der russische Angriff auf die Ukraine, der am 24. Februar begann, war teilweise auch von belarussischem Gebiet aus erfolgt. Die Beziehungen zwischen Belarus, wo Alexander Lukaschenko an der Macht ist, und der Ukraine sind deshalb angespannt.

07:04 Uhr | Bürgermeister von Mariupol: Noch 200 Zivilisten auf Stahlwerk-Gelände

Auf dem Gelände des Stahlwerks in Mariupol befinden sich nach ukrainischen Angaben noch etwa 200 Zivilisten. Das teilte der Bürgermeister der umkämpften Stadt, Wadym Boitschenko, mit. Russland hatte am Dienstag einen Großangriff auf die letzte Bastion ukrainischer Kämpfer in Mariupol gestartet. Erstmals griffen dabei Bodentruppen und Panzer das Asow-Stahlwerk in der südostukrainischen Hafenstadt an, erklärte das in dem Werk verschanzte Asow-Regiment im Onlinedienst Telegram. Laut der ukrainischen Vizepremierministerin Iryna Wereschtschuk ist für Mittwoch eine weitere Evakuierungsaktion geplant, "wenn die Sicherheitslage es zulässt".

06:00 Uhr | Sachsens Bundestagsabgeordnete für Waffenlieferungen

Die sächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten sind im Gegensatz zu Ministerpräsident Michael Kretschmer für Waffenlieferungen an die Ukraine. Landesgruppenchef Carsten Körber sagte MDR AKTUELL, die Bundestagsabgeordneten hätten sich bei einer Beratung eindeutig positioniert. Man wolle das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine unterstützen, auch mit der Lieferung schwerer Waffen. Dass Kretschmer eine starke Gegenposition einnehme, sei sein gutes Recht. Aber man müsse klar sagen, dass er eine Minderheiten-Meinung vertrete.

Auch der CDU-Landesverband in Thüringen teilt Kretschmers Haltung nicht. Vorsitzender Christian Hirte sagte, der ganz große Teil, nicht nur der CDU, sondern auch bei SPD, Grünen und FDP, sei in der letzten Woche im Bundestag zu einer anderen Einschätzung gekommen. Kretschmer hatte gestern erneut große Bedenken gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine geäußert.

05:00 Uhr | Merz rät Scholz zu persönlichem Besuch in Ukraine

CDU-Chef Friedrich Merz hat Bundeskanzler Olaf Scholz geraten, ebenfalls persönlich in die Ukraine zu reisen. Merz sagte am Abend im ZDF, er habe in der Ukraine den Präsidenten, den Ministerpräsidenten, den Parlamentspräsidenten, Oppositionsführer und den Kiewer Bürgermeister getroffen. Diese Gespräche könne man nicht am Telefon oder in Videokonferenzen führen. Merz zeigte sich zugleich erschüttert über die Zerstörungen in der Ukraine, etwa im Kiewer Vorort Irpin. Der CDU-Chef hatte zuvor angekündigt, über Details seiner Gespräche mit Präsident Wolodymyr Selenskyj Scholz direkt zu informieren.

02:55 Uhr | Kiew: Russland hat 400.000 Tonnen Getreide abtransportiert

Russland hat aus den besetzten Gebieten der Ukraine nach Kiewer Angaben 400.000 Tonnen Getreide abtransportieren lassen. Das sei etwa ein Drittel der Getreidevorräte in den Regionen Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk, sagte Vizeagrarminister Taras Wyssozkyj im ukrainischen Fernsehen. Vor dem Krieg hätten dort etwa 1,3 Millionen Tonnen Getreide gelagert zur täglichen Versorgung, aber auch zur Aussaat. "Da gab es keine strategischen Reserven", sagte Wyssozkyj. Werde der Getreidebestand weiter reduziert, drohe in diesen Gebieten eine Hungersnot.

01:22 Uhr | Ukraine bereitet weitere Rettungsaktion für Mariupol vor

Die Ukraine bereitet für Mittwoch weitere Evakuierung von Zivilisten aus der von Russland fast vollständig eroberten Hafenstadt Mariupol vor. Als Treffpunkt für den Transport nannte die Gebietsverwaltung von Saporischschja ein großes Einkaufszentrum im Westen von Mariupol. Es liegt aber mehrere Kilometer entfernt vom Stahlwerk Azovstal, in dem sich die letzten ukrainischen Verteidiger der Stadt und immer noch zahlreiche Zivilisten versteckt halten.

"Die Evakuierung findet mit Unterstützung der UN und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz statt", teilte Gouverneur Oleksandr Staruch auf Telegram mit. Am Dienstag waren 156 Flüchtlinge aus Mariupol und Umgebung in Saporischschja angekommen.

00:51 Uhr | EU-Kommission schlägt Ölembargo gegen Russland vor

Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten den Entwurf eines neuen Sanktionspakets gegen Russland vorgelegt, das vor allem ein Ölembargo vorsieht. Nach Diplomatenangaben leitete die Kommission den EU-Mitgliedern das Papier in der Nacht zum Mittwoch zu. Es sieht einen schrittweisen Importstopp für russisches Öl binnen sechs bis acht Monaten vor, Ausnahmen soll es für Ungarn und die Slowakei geben. Die beiden hochgradig von russischem Öl abhängigen Länder sollten dem Entwurf zufolge ihre Importe noch bis Ende 2023 fortsetzen dürfen, sagte ein EU-Vertreter.

Das Ölembargo ist Hauptbestandteil des sechsten Sanktionspakets gegen Russland. Am Mittwoch sollen sich erstmals Vertreter der Mitgliedstaaten mit den neuen Strafmaßnahmen befassen. Für die Annahme ist ein einstimmiger Beschluss der 27 EU-Staaten erforderlich.

00:35 Uhr | Selenskyj sieht in russischen Angriffen Zeichen der Schwäche

Mit massiven Raketenangriffen auf ukrainische Eisenbahnanlagen will Russland nach Einschätzung der Kiewer Führung den Nachschub an westlichen Waffen stoppen. Das schrieb der Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, auf Telegram. Zuvor waren viele Landesteile von Explosionen erschüttert worden. Es werde aber nicht gelingen, den Nachschub an Rüstungsgütern aufzuhalten, sagte Jermak. "Es kommt alles an."

Politisch deutete Präsident Wolodymyr Selenskyj die Angriffe als Zeichen einer Ohnmacht Moskaus. "Offensichtlich hat das russische Militär heute äußerst nervös auf unsere Erfolge reagiert", sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Er berichtete von Angriffen mit Raketen auf Lwiw, Winnyzja, Odessa, das Kiewer Gebiet und das Umland von Dnipro.

00:00 Uhr | Ticker am Mittwoch, 4. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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