Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Dienstag: Scholz will Nato-Beitritt von Schweden und Finnland unterstützen

Der Bundeskanzler hat den Ministerpräsidentinnen von Finnland und Schweden Hilfe bei einem Nato-Beitritt zugesagt. Die EU-Kommission wird am Mittwoch Vorschläge für ein sechstes Sanktionspaket vorlegen. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Bei der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg am Dienstag waren die Ministerpräsidentinnen von Schweden und Finnland, Magdalena Andersson und Sanna Marin, zu Gast.
Bei der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg am Dienstag waren die Ministerpräsidentinnen von Schweden und Finnland zu Gast. Bildrechte: IMAGO/photothek

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

23:24 Uhr | Selenskyj erleichtert über Rettung von Zivilisten aus Mariupol

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich erleichtert gezeigt, über die Rettung von 156 Zivilisten aus dem seit Wochen umkämpften Stahlwerk Azovstal und anderen Teilen von Mariupol. "Endlich sind diese Menschen in völliger Sicherheit", sagte er in seiner Videobotschaft. Die Evakuierung sei unter großen Mühen, mit langen Verhandlungen und der Hilfe verschiedener Vermittler vorbereitet worden.

Die Gruppe mit Frauen, Kindern und älteren Menschen wurde am Dienstag in die Stadt Saporischschja in ukrainische Obhut gebracht. Viele von ihnen waren am Wochenende mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz aus dem Fabrikgelände, dem letzten Stützpunkt der Ukrainer in Mariupol, herausgeholt worden. Andere Flüchtlinge stammten aus der Stadt oder der Umgebung.

23:12 Uhr | Biden: "Müssen uns gegen Diktatoren stellen"

US-Präsident Joe Biden hat die US-Unterstützung der Ukraine mit Waffen gegen Russland verteidigt. "Denn die Geschichte hat uns gezeigt, dass Diktatoren immer wieder kommen, wenn man sich ihnen nicht entgegenstellt", sagte er beim Besuch einer Waffenfabrik in Troy im US-Bundesstaat Alabama. Ihr Machthunger werde immer größer. "Entweder unterstützen wir das ukrainische Volk bei der Verteidigung seines Landes, oder wir sehen zu, wie Russland seine Gräueltaten und Aggression fortsetzt", so Biden.

Seit Kriegsbeginn Ende Februar sagten die USA der ehemaligen Sowjetrepublik allein Waffen und Munition im Wert von mehr als 3,7 Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) zu oder lieferten auch schon. Biden hat den US-Kongress außerdem um weitere Milliardensummen für Militärhilfe und humanitäre Unterstützung gebeten. "Wie ich von Anfang an gesagt habe, wird dieser Kampf nicht billig sein", so Biden.

22:15 Uhr | Russische Raketenangriffe auf mehrere ukrainische Städte

Mehrere ukrainische Städte in verschiedenen Teilen des Landes sind am Abend von der russischen Armee mit Raketen angegriffen worden. Der Bürgermeister von Lwiw im Westen des Landes teilte mit, drei Kraftwerke seien durch Raketen beschädigt worden. Teile der Stadt seien deshalb ohne Strom. Auch die Wasserversorgung sei gestört, da Pumpen ausgefallen seien. Raketenangriffe wurden zudem aus Winnyzja im Zentrum, Odessa im Südwesten und Kirowograd im Zentrum des Landes gemeldet. Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine wurde auch die Region Transkarpatien nahe der Grenze zu Ungarn mit einer Rakete angegriffen, berichtete der Regionalgouverneur Viktor Mikita.

20:56 Uhr | Ukraine meldet neue russische Angriffe auf Donbass-Gebiet

Die russischen Truppen haben nach ukrainischen Angaben versucht, weiter von Norden her auf das Donbass-Gebiet in der Ostukraine vorzustoßen und die dort stationierten ukrainischen Einheiten einzukesseln. Das teilte der Generalstab in seinem Lagebericht mit. Angaben zu russischen Geländegewinnen macht der Generalstab nicht. Er teilte lediglich mit, dass die russischen Angreifer Verluste erlitten hätten. Zu eigenen Verlusten machte er auch keine Angaben. Nachdem Russland die Ukraine ursprünglich von Norden, Süden und Osten her angegriffen hatte, konzentriert die russische Militärführung seit Ende März ihre Angriffe vor allem auf die Ostukraine. Doch die seither erzielten Gebietsgewinne sind für Moskau gering.

20:08 Uhr | Tote bei Angriff auf Fabrik in Ostukraine

Bei einem russischen Angriff auf eine Fabrik in der Ostukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet worden. Der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko sagte, 15 weitere Menschen seien beim Beschuss des Koks-Werks in der Kleinstadt Awdijiwka verletzt worden. Awdijiwka liegt in der Nähe von Donezk, der Hauptstadt der 2014 von prorussischen Separatisten ausgerufenen "Volksrepublik" Donezk. Bereits vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine war die Stadt häufig Ziel von Angriffen.

17:55 Uhr | Merz trifft in Kiew Selenskyj

CDU-Chef Friedrich Merz hat bei seinem Besuch in Kiew überraschend den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen. Ein Sprecher von Merz teilte auf Twitter mit, beide hätten gut eine Stunde miteinander gesprochen. Das Gespräch sei atmosphärisch und inhaltlich gut gewesen. Über Inhalte werde Merz zunächst Bundeskanzler Olaf Scholz unterrichten. Während des Besuchs gab es in Kiew erstmals seit Tagen wieder Luftalarm. Zunächst war unklar, ob Merz von Präsident Selenskyj empfangen wird. Dass ein Staatschef einen Oppositionspolitiker aus dem Ausland empfängt, ist protokollarisch keineswegs selbstverständlich.

Der Besuch des CDU-Chefs hatte in Deutschland die Debatte befeuert, ob nicht auch Kanzler Scholz in die Ukraine reisen sollte. Scholz hatte allerdings am Vorabend im ZDF klar gemacht, dass er die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine als Hindernis für eine eigene Reise dorthin sieht.

17:05 Uhr | Putin fordert vom Westen Einstellung der Waffenlieferungen

Erstmals seit Ende März haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der russische Präsident Wladimir Putin wieder miteinander telefoniert. Der Élyséepalast erklärte, das Gespräch habe zwei Stunden gedauert. Details zum Gespräch wurden nicht genannt. Der Kreml dagegen erklärte, Putin habe die westlichen Staaten aufgefordert, ihre Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen. Putin habe auch beklagt, dass die europäischen Länder den ukrainischen Beschuss von Ortschaften im Donbass ignorierten.

15:45 Uhr | Thierse nennt Melnyk-Äußerung "befremdlich"

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat jüngste Äußerungen des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk kritisiert. Der SPD-Politiker sagte MDR AKTUELL, Bundeskanzler Scholz vorzuwerfen, eine beleidigte Leberwurst zu spielen, sei "befremdlich". Die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die ukrainische Regierung sei ein Affront gewesen. Steinmeier sei der Präsident eines Landes, das ziemlich viel humanitäre, finanzielle und auch militärische Hilfe leiste und von dem die Ukrainer noch mehr wollten. Thierse sagte: "Wenn unser Bundespräsident auf diese Weise behandelt wird, darf ein Kanzler nicht in das Land reisen und so tun als wäre nichts passiert." Deutschland sei solidarisch und das sei gut und richtig. "Ein Botschafter sollte wissen, dass Deutschland das tut und noch mehr tut. Er sollte nicht immer aggressiver reagieren", sagt Thierse.

15:25 Uhr | Russische Armee startet neue Angriffe auf Azovstal-Werk

Die russische Armee hat mit einer Offensive auf das Stahlwerk Azovstal in Mariupol begonnen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, Einheiten der Armee und der Volksrepublik Donezk hätten mit Artillerie und Flugzeugen begonnen, "Gefechtsstellungen" ukrainischer Truppen zu zerstören. Von ukrainischer Seite wurden die Bombardements bestätigt. In dem weitläufigen Stahlwerk haben sich die letzten ukrainischen Verteidiger der Stadt verschanzt. Zudem hat harren dort noch etwa 200 Zivilisten in einem Tunnelsystem aus. In den vergangenen Tagen waren Zivilisten dank eines Waffenstillstands evakuiert worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau warf den ukrainischen Kämpfern nun vor, die Feuerpause genutzt zu haben, um ihre Gefechtsstellungen wieder einzunehmen.

15:05 Uhr | Merz in Kiew eingetroffen

CDU-Chef Friedrich Merz ist in der Ukraine eingetroffen. Zunächst besuchte er die Stadt Irpin in der Nähe von Kiew, wo in den vergangenen Wochen schwere Kämpfe stattfanden. Merz sagte, Deutschland sei weiter verpflichtet, der Ukraine zu helfen und sie beim Wiederaufbau zu unterstützen. Der CDU-Chef war in der Nacht mit dem Zug in die Ukraine gereist. Er wollte unter anderem den ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko treffen. Ein Gespräch mit Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nicht geplant.

13:54 Uhr | Scholz sagt Schweden und Finnland bei Nato-Beitritt Hilfe zu

Bundeskanzler Olaf Scholz hat Schweden und Finnland bei einer Entscheidung zu einem Nato-Beitritt die Unterstützung Deutschlands zugesagt. "Wenn sich diese beiden Länder entscheiden sollten, dass sie zur Nato-Allianz dazugehören wollen, dann können sie auf unsere Unterstützung rechnen", sagte der SPD-Politiker am Mittwoch bei der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg. An dem Treffen nahmen die Ministerpräsidentinnen von Schweden und Finnland, Magdalena Andersson und Sanna Marin, teil. Kanzler Scholz machte aber zugleich deutlich, dass die Entscheidung über einen Nato-Beitritt den Ländern selbst vorbehalten sei und dass die "Entscheidungen und Diskussionen dort vor Ort stattfinden müssen". Marin und Andersson betonten, dass der Angriff Russlands auf die Ukraine ihre Länder zu einer Neubewertung der Frage der Nato-Mitgliedschaft zwinge.

13:23 Uhr | Mögliches Ölembargo der EU wohl auch ohne die Slowakei

Nach dem Treffen der EU-Energieminister in Brüssel deutet sich kein gemeinsames Ölembargo aller Mitgliedsstaaten gegen Russland an. Neben Ungarn erklärte auch die Slowakei am Dienstag, dass sie sich nicht für einen schnellen Importstopp gerüstet sieht. "Wenn es zu einem Embargo-Beschluss für russisches Öl in einem weiteren Sanktionspaket kommt, dann wird die Slowakei eine Ausnahme beantragen", so das slowakische Wirtschaftsministerium. Die Slowakei erhält fast ihr komplettes Öl aus Russland. Ungarn hatte sich generell gegen Energieembargos gewandt.

13:01 Uhr | Statt Klimawandel: Krieg in Europa ist jetzt größte Angst der deutschen Jugend

titel thesen temperamente
Die Angst vor einem Krieg in Europa ist mittlerweile die größte Sorge der jungen Menschen in Deutschland. Bislang war das der Klimawandel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein möglicher Krieg in Europa ist laut einer Studie die derzeit größte Sorge junger Menschen in Deutschland. Das geht aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Trendstudie "Jugend in Deutschland" hervor. Die Kriegsangst verdrängte damit die bisher dominierende Sorge der Jugend vor dem Klimawandel. Konkret befürchten 68 Prozent
die Folgen des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine. Die Autoren der Studie, Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann, sehen Deutschlands Jugend dabei im "Dauerkrisenmodus". Die Sorge vor einem Krieg in Europa sei "sprunghaft" an die erste Stelle aller Ängste und Befürchtungen getreten und habe geradezu "einen Schock" ausgelöst.

11:54 Uhr | Merz meldet sich aus dem Zug nach Kiew

CDU-Chef Friedrich Merz hat sich bei Twitter aus dem Zug in die ukrainische Hauptstadt Kiew gemeldet. "Eine Nacht im Schlafwagen auf dem Weg nach #Kyiw", teilte er am Dienstagvormittag mit und verbreitete ein Video mit demselben Text. "Wir haben eine interessante Reise vor uns und bis jetzt kann ich nur sagen: Alles sicher, alles gut und die ukrainischen Behörden sind äußerst kooperativ. Sehr angenehme Menschen. Es ist schön, in diesem Land zu sein." Das Video zeigt Merz bei Tag im Abteil, während der Zug durch eine bewaldete Gegend fährt. Der Oppositionsführer im Deutschen Bundestag will bei seinem Besuch unter anderem den ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko treffen. Auch Gespräche mit Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk und Oppositionspolitikern sind laut Deutscher Presse-Agentur geplant. Ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj steht demnach aber zunächst nicht an.

11:29 Uhr | Über 400.000 Menschen aus der Ukraine in Deutschland registriert

Die Anzahl der in Deutschland registrierten Geflüchteten aus der Ukraine hat die Zahl von 400.000 überschritten. Dies teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag bei Twitter unter Berufung auf die Bundespolizei mit. Die Zahl lag demnach bei 400.632. "Überwiegend sind es Frauen, Kinder und alte Menschen", so das Ministerium. Weil nicht alle Menschen aus der Ukraine in Deutschland registriert sind, dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen. Die Geflüchteten aus der Ukraine erhalten in Deutschland vorübergehenden Schutz als Kriegsflüchtlinge und dürfen hier arbeiten. Künftig erhalten sie zudem die reguläre Grundsicherung - das ist etwas mehr als die bislang gewährte Zahlung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

11:02 Uhr | Deutsche Regierung berät auf Schloss Meseberg über Ukraine-Kurs

Das Bundeskabinett ist zu einer zweitägigen Klausurtagung über den Kurs in der Ukraine-Politik zusammengekommen. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte unmittelbar vor Beginn des Treffens auf Schloss Meseberg, auf der Tagesordnung stünden alle Themen rund um den russischen Angriffskrieg. Es gehe um die Sicherheit in Europa, aber auch die Auswirkungen des Konflikts auf die Wirtschaft, so der SPD-Politiker. Scholz hatte zuletzt Vorwürfe zurückgewiesen, die Bundesregierung sei bei der Unterstützung der Ukraine zögerlich. Scholz sagte, er habe sich immer mit den Verbündeten abgestimmt und schnell entschieden. Als Gäste sind die Ministerpräsidentinnen von Schweden und Finnland, Magdalena Andersson und Sanna Marin, bei der Klausurtagung dabei. Beide Länder denken über einen Nato-Beitritt nach, als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine.

10:14 Uhr | Ungarn bleibt bei seinem Nein zu Öl- und Gasembargo gegen Russland

Ungarn hat seine Ablehnung von Sanktionen gegen die russische Öl- und Gasindustrie bekräftigt. Die Regierung in Budapest werde keinen Strafmaßnahmen zustimmen, die russische Öl- und Gaslieferungen nach Ungarn unmöglich machten, sagte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto bei einem Besuch in Kasachstan. Es gebe keine alternativen Versorgungswege für die Druschba-Pipeline. Ungarn erhält rund 65 Prozent seines Öls durch die auch als "Erdölleitung Freundschaft" bekannte Pipeline. Sie gabelt sich in Belarus und bringt russisches Öl sowohl unter anderem nach Ungarn als auch ins brandenburgische Schwedt. Ungarns Regierungschef Viktor Orban, dem eine Nähe zum Kreml nachgesagt wird, hat sich wiederholt gegen ein Öl- und Gasembargo gegen Russland ausgesprochen. Orban wurde im April wiedergewählt. Auch Außenminister Szijjarto hatte diese Position bereits zuvor öffentlich vertreten.

09:30 Uhr | Papst Franziskus will Putin treffen - bisher keine Antwort

Papst Franziskus hat sich in einer italienischen Zeitung zur aktuellen Situation geäußert.
Papst Franziskus hat sich in einer italienischen Zeitung zur aktuellen Situation geäußert. Bildrechte: dpa

Papst Franziskus hat nach eigenen Angaben um ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau gebeten. Damit wolle er sich für ein Ende des Krieges in der Ukraine einzusetzen. Er habe aber keine Antwort erhalten, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche der italienischen Zeitung "Corriere Della Sera". Der Papst äußerte sich in diesem Zusammenhang auch zur Rolle des Patriarchen und damit des Vorstehers der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill: Dieser könne "nicht Putins Messdiener werden", so Papst Franziskus. Der Patriarch hatte Putins Vorgehen in der Ukraine öffentlich unterstützt und damit Irritationen auch in Teilen der orthodoxen Kirchen ausgelöst. Papst Franziskus kritisiert Russlands Angriff auf die Ukraine und hatte zuletzt ein Treffen mit Kyrill abgesagt.

09:12 Uhr | Bürgermeister: Noch 100.000 Zivilisten in Mariupol

In der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol harren nach Angaben von Bürgermeister Wadym Bojtschenko noch rund 100.000 Zivilisten aus. Mariupol ist inzwischen von Russland eingenommen. Im Stahlwerkskomplex Asowstal hielten sich neben ukrainischen Kämpfern noch mehr als 200 Zivilisten auf, so Bojtschenko. Am Montag hatte es weitere Evakuierungen in der Stadt gegeben.

06:47 Uhr | Kretschmer gegen Lieferung schwerer Waffen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich bei einer Präsidiumssitzung von CDU und CSU offenbar deutlich gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ausgesprochen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Dem Blatt zufolge sagte Kretschmer, seine Haltung bilde zwar nicht die Mehrheit der veröffentlichten Meinung" ab, aber die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft. Außerdem warnte Kretschmer vor den Auswirkungen harter Sanktionen. Diese würden auch Deutschland treffen.

Im Bundestag hatte die Union zusammen mit der SPD, den Grünen und der FDP dafür gestimmt, schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Auch CDU-Parteichef Friedrich Merz vertritt diese Ansicht.

06:00 Uhr | Verbände: ukrainische Berufsabschlüsse schnell anerkennen

Kommunale Spitzenverbände haben mehr Tempo bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen ukrainischer Flüchtlinge gefordert. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, der Abschluss von Arbeitsverträgen mit Geflüchteten müsse viel schneller gehen. Das wäre für alle ein Gewinn und helfe bei der Integration der Menschen. Zudem brauchten die Städte für die Unterbringung von Kindern in Kitas und Schulen sehr schnell personelle Unterstützung. Auch in vielen anderen Sozialberufen, in der Pflege und im Handwerk sei der Bedarf riesig. Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

05:00 Uhr | Scholz verteidigt Ukraine-Politik

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Vorwurf zurückgewiesen, bei der Unterstützung der Ukraine zögerlich zu sein. Im ZDF sagte Scholz am Abend, er habe sich immer mit den Verbündeten abgestimmt und schnell entschieden. Sein Kurs sei aber, besonnen und mit klarem Verstand zu handeln.

Scholz erklärte, Deutschland habe von Anfang an ziemlich gefährliche Waffen geliefert. Die finanzielle und militärische Hilfe Deutschlands habe dazu beigetragen, dass die ukrainische Armee so lange gegen einen so übermächtigen Gegner durchhalte. Scholz kündigte an, die Ukraine weiter zu unterstützen. Russland dürfe nicht gewinnen und die Ukraine dürfe nicht verlieren.

04:00 Uhr | Bislang 190 Millionen Euro Militärhilfe aus Deutschland

Die Bundesregierung hat in den ersten acht Kriegswochen Waffen und andere Rüstungsgüter im Wert von mindestens 191,9 Millionen Euro in die Ukraine geliefert. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz auf eine Anfrage der Links-Partei hervor. Bis zum 19. April gab die Regierung demnach grünes Licht für die Lieferung von Kriegswaffen für 120,5 Millionen Euro und für sonstige Rüstungsgüter im Wert von 71,4 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Die USA sagten der Ukraine seit Kriegsbeginn Waffen und Munition im Wert von mehr als 3,7 Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) zu oder lieferten diese bereits. Das kleine Estland hat nach Regierungsangaben bisher Militärhilfe im Wert von mehr als 220 Millionen Euro für die Ukraine geleistet.

03:16 Uhr | Borrell erwartet Ölembargo gegen Russland

Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borrell, erwartet bei der anstehenden Sanktionsrunde des Staatenbundes ein Ölembargo gegen Russland. Er hoffe, dass die EU in der Lage sein werde, Russlands Energieexporte deutlich zu begrenzen, sagt Borrell. Bisher gebe es noch keine Einigung zwischen allen Mitgliedern. "Ich bin jedoch zuversichtlich, dass zumindest in Bezug auf die Ölimporte bis zur nächsten Ratssitzung eine Einigung möglich sein wird." Die EU-Kommission wird am Mittwoch Vorschläge für ein sechstes Sanktionspaket vorlegen.

Ein Ölembargo gegen Russland wäre nach den Worten von Wirtschaftsminister Robert Habeck wohl "tragbar", würde aber besonders Ostdeutschland treffen.

03:00 Uhr | Botschafter Melnyk: Scholz spielt "beleidigte Leberwurst"

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat das vorläufige Nein von Bundeskanzler Olaf Scholz zu einer Kiew-Reise scharf kritisiert. "Eine beleidigte Leberwurst zu spielen klingt nicht sehr staatsmännisch", sagte Melnyk der Deutschen Presse-Agentur. "Es geht um den brutalsten Vernichtungskrieg seit dem Nazi-Überfall auf die Ukraine, es ist kein Kindergarten."

Scholz hatte am Montagabend im ZDF gesagt, die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine stehe seiner Reise im Weg. Steinmeier wollte Mitte April eigentlich zusammen mit den Staatschefs von Polen, Lettland, Estland und Litauen nach Kiew fahren, erhielt aber kurzfristig eine Absage. Scholz sagte dazu im ZDF: "Es kann nicht funktionieren, dass man von einem Land, das so viel militärische Hilfe, so viel finanzielle Hilfe leistet, das gebraucht wird, wenn es um die Sicherheitsgarantien geht, die für die Zeit der Ukraine in der Zukunft wichtig sind, dass man dann sagt, der Präsident kann aber nicht kommen."

02:30 Uhr | Russland: Fast 1,3 Millionen Ukrainer evakuiert

Russlands hat nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn fast 200.000 Kinder und 1,1 Millionen Erwachsene aus der Ukraine nach Russland gebracht. Sie seien auf eigenen Wunsch evakuiert worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Ukraine behauptet dagegen, Moskau habe Tausende von Menschen gewaltsam nach Russland verschleppt.

02:01 Uhr | Baerbock droht Putin mit Anklage

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock droht einer Zeitung zufolge dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einer Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. "Der russische Präsident bricht auf brutalste Art und Weise mit dem internationalen Recht und mit dem humanitären Völkerrecht", sagt sie der "Rheinischen Post". "Man bombardiert keine Mütter, Väter, Kinder, Alte oder Kranke." Wer dies tue, begehe schwerste Kriegsverbrechen. "Diese Verbrechen müssen zur Anklage gebracht werden."

01:00 Uhr | Ärzte ohne Grenzen: Lage in Mariupol "die totale Katastrophe"

Die humanitäre Lage in der umkämpften Hafenstadt Mariupol ist nach Einschätzung der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" desaströs. "Nach dem, was wir bisher an Informationen haben, lässt sich klar sagen: Es ist die totale Katastrophe", sagte die Notfallkoordinatorin für die Ukraine, Anja Wolz, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Wir machen uns glaube ich keine Vorstellung davon, was wir dort noch sehen werden. Butscha, Irpin und Hostomel sind nur die Spitze des Eisbergs", fügte Wolz hinzu. In den Städten Butscha, Irpin, Borodjanka und Hostomel waren nach dem Abzug russischer Truppen hunderte Leichen gefunden worden.

00:58 Uhr | Cherson: Russland installiert eigenes Internet

Russland hat in der gesamten Region Cherson die Kontrolle über das Internet übernommen. Das berichtet eine Organisation für Cybersicherheit mit Sitz in London. Demnach gab es am Wochenende einen kompletten Netzausfall - seitdem laufe alles über russische Satelliten. Cherson liegt im Süden der Ukraine, etwa zwischen Odessa und der annektierten Krim. Russland will die Stadt nicht zurückgeben und hat als nächstes die Einführung des Rubel als offizielles Zahlungsmittel angekündigt.

00:22 Uhr | Selenskyj: Russland hat Lehren aus Zweitem Weltkrieg vergessen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow verurteilt, Adolf Hitler habe jüdische Wurzeln gehabt. "Mir fehlen die Worte... Niemand hat ein Dementi oder eine Rechtfertigung aus Moskau gehört. Alles, was wir von dort hören, ist Schweigen. .... Das bedeutet, dass die russische Führung alle Lektionen des Zweiten Weltkriegs vergessen hat", sagt Selenskyj, der Jude ist, in seiner täglichen Videobotschaft.

00:01 Uhr | Naftogaz-Chef fordert "vernichtende Sanktionen" gegen Russland

Der Chef des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz, Jurij Vitrenko, hat auf schärfere Sanktionen der Europäischen Union und Deutschlands gegen Russland gepocht. "Wenn wir über Sanktionen reden, dann brauchen wir vernichtende Sanktionen, solche, die wirklich geeignet sind, Putins Position zu schwächen", sagt Vitrenko dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ein komplettes Embargo Deutschlands gegen russisches Gas und Öl sowie Ölprodukte sei notwendig. "Ein solcher Schritt sollte ein Schock für Russland sein."

00:00 Uhr | Ticker am Dienstag, 3. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Mai 2022 | 06:00 Uhr

Mehr Politik in Osteuropa

Mehr aus Osteuropa

Barrierefreiheit

Eine Frau geht durch das Einkaufs- und Freizeitzentrum Aviapark. mit Video
Einkaufen wie vor dem Krieg: Shoppen im Moskauer Einkaufs- und Freizeitzentrum Aviapark. Bildrechte: IMAGO/ITAR-TASS