Chronologie des Maidan-Aufstands Ukraine: Vom Aufstand der Würde zum endlosen Krieg

Im November 2013 begann die Maidan-Revolution. Bis zu einer Million Menschen beteiligten sich an den Protesten. Der damalige Präsident Janukowitsch musste abdanken. Am Ende des Aufstands stand freilich ein blutiger Bürgerkrieg, der bis heute nicht beendet werden konnte.

nächtliche Strassenschlacht
Kämpfe zwischen der Spezialeinheit Berkut und Demonstranten auf dem Kiewer Maidan Bildrechte: IMAGO

Nach sechs Jahren Verhandlung zwischen der Europäischen Union und der Ukraine kommt die Überraschung: Am 21. November 2013 erklärt die ukrainische Regierung von Ministerpräsident Viktor Janukowytsch, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnen zu wollen. Wohl auf Druck Russland, vermuten Beobachter. Daraufhin kommt es auf einigen zentralen Plätzen in der Hauptstadt Kiew zu ersten Protesten.

Proteste auf dem Maidan

Als sich Janukowytsch am 29. November 2013 offiziell weigert, das Assoziierungsabkommen zu unterzeichnen, versammeln sich erneut Tausende Menschen am zentralen Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan Nesaleschnostin. Wenig später versucht die Berkut, eine Spezialeinheit der ukrainischen Polizei, den Platz gewaltsam zu räumen, was zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Staatsmacht führt.

Am 8. Dezember 2013 marschieren 500.000 bis 800.000 Menschen aus Protest gegen Präsident Janukowitsch durch Kiew. Das improvisierte Zeltlager der Demonstranten auf dem Maidan wächst täglich an. Gleichzeitig bilden die Demonstranten Selbstverteidigungseinheiten gegen die Angriffe der Berkut.

Woche für Woche kommen Tausende Menschen zusammen. Am 22. Dezember 2013 kündigt die Opposition die Gründung der landesweiten Organisation "Maidan" an. In den folgenden Wochen werden die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Staatsgewalt immer heftiger

Junge Frau auf dem Maidan
Protest auf dem Maidan Bildrechte: dpa

Eskalierende Gewalt

Am  19. Januar 2014 versuchen Maidan-Aktivisten, das Parlament zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas und einen Wasserwerfer ein. 200 Menschen werden verletzt. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko warnt vor einem Bürgerkrieg. Drei Tage später fallen die ersten Schüsse auf dem Maidan. Zwei Männer sterben.

Am 18. Februar 2014 eskalieren die Straßenschlachten, mindestens 18 Menschen kommen ums Leben. In den kommenden zwei Tagen gerät die Situation vollkommen außer Kontrolle. Die Berkut erschießt Dutzende Demonstranten. Die Demonstranten haben sich ihrerseits bewaffnet und feuern auf die Sicherheitskräfte. Insgesamt sterben 80 Menschen, die meisten von ihnen sind Zivilisten.

Präsident Janukowitsch flieht

Am 21. Februar 2014 unterschreiben Wiktor Janukowytsch, die Opposition sowie die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens einen Vertrag über eine Waffenruhe. Noch in derselben Nacht flüchtet Janukowytsch über Charkow nach Donezk in der Ostukraine und versucht, nach Russland auszureisen. Am gleichen Tag setzt das ukrainische Parlament ihn offiziell als Staatspräsident ab. Janukowytsch wird von Russland aufgenommen, dass seinerseits den Umsturz in der Ukraine für rechtswidrig erklärt.

Am 27. Februar 2014 bildet das ukrainische Parlament eine Übergangsregierung unter Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Gleichzeitig eskaliert die Lage im Osten des Landes. Am gleichen Tag besetzen bewaffnete Männer das Regionalparlament und Regierungsgebäude in der Hauptstadt der Krim, Simferopol. Einen Tag später kommen uniformierte Einheiten mit russischer Ausrüstung dazu, die jedoch keine nationalen Hoheitsabzeichen tragen.

Krimkrise

Am 1. März 2014 entsendet Russland offiziell Truppen auf die Krim und kündigt ein Referendum über den künftigen Status der Autonomen Teilrepublik für Ende des Monats an.  Die ukrainische Armee wird in Alarmbereitschaft versetzt. Gleichzeitig stürmen Bewaffnete das Regionalparlament im ostukrainischen Donezk und rufen eine unabhängige "Volksrepublik" aus. Im April 2014 rufen Seperatisten ebenfalls in der Ostukraine die Volksrepublik Lugansk aus. Wenige Wochen später beginnt die ukrainische Armee eine Offensive gegen die Separatisten. Es ist der Beginn des Krieges in der Ostukraine.

Krim gehört zu Russland

Das "Referendum über den Status der Krim" wird abgehalten. Etwa 1,5 Millionen Wahlberechtigte haben die Möglichkeit, sich entweder für eine Wiedervereinigung mit Russland zu entscheiden oder für einen Verbleib in der Ukraine. Die Wahlbeteiligung liegt bei 82 Prozent. 85,5 Prozent votieren für einen Anschluss an Russland, 3,5 Prozent sprechen sich für einen Verbleib der Krim in der Ukraine aus. Der russische Präsident Wladimir Putin und der Ministerpräsident der Krim, Sergej Aksionow, unterzeichnen am 18. März 2014 in Moskau den Beitrittsvertrag der Krim zu Russland. Trotz großer internationaler Proteste hält Moskau an der Annexion der Krim fest.

Nicht enden wollender Krieg in der Ostukraine

Die beiden selbsternannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk werden von keinem Staat der Welt anerkannt und lediglich von Russland unterstützt. So können sie den Angriffe der ukrainischen Streitkräfte trotzen. Der Krieg geht immer weiter, trotz etlicher Abkommen, wie etwa dem Minsker Abkommen. Nach und nach aber verschwindet der Dauerkonflikt aus den Schlagzeilen. Geschossen aber wird an den Frontlinien jeden Tag.

Es sei, so formuliert es die OSZE Anfang 2021, höchste Zeit, dass die Konfliktparteien endlich konstruktiv an einer Friedenslösung arbeiten. Die Verhandlungen aber treten auf der Stelle. Russland fordert direkte Gespräche zwischen der ukrainischen Regierung und den selbsternannten Volksrepubliken. Die Regierung in Kiew lehnt das allerdings strikt ab, weil dies einer Anerkennung der abtrünnigen Republiken gleichkäme. Eine Lösung des blutigen Konfliktes ist auch nach sieben langen Jahren noch nicht in Sicht.

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | 11. November 2018 | 21:45 Uhr

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