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Mittwochabend: Im THW-Logistikzentrum werden Strom-Aggregate für den Transport nach Libyen vorbereitet. Bildrechte: picture alliance/dpa | Stefan Puchner

Erdbeben und ÜberschwemmungenMarokko-Hilfe fliegt nicht ab – mindestens 20.000 Tote in Libyen befürchtet

14. September 2023, 10:33 Uhr

Während Marokko internationale Hilfe für die Menschen in den Erdbeben-Gebieten weiter nur zögerlich annimmt, sind in der überschwemmten Stadt Darna in Libyen auch erste deutsche Helfer eingetroffen. Dort wird mit bis zu 20.000 Toten gerechnet.

Ein für diesen Donnerstag geplanter Hilfstransport des Deutschen Roten Kreuzes in die Erdbebengebiete in Marokko ist kurzfristig abgesagt worden, laut einer DRK-Mitteilung "aus Gründen, auf die wir und auch unsere Partner der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung keinen Einfluss haben". Es seien kurzfristig neue Regularien und Vorschriften bekanntgegeben worden, die den Start des Flugzeugs unmöglich machten.

Die marokkanische Regierung steht unter wachsendem Druck, mehr internationale Hilfe anzunehmen. Bisher hat das nordafrikanische Land nur Hilfe aus vier Ländern akzeptiert, unter anderem aus Frankreich.

Vom Flughafen Leipzig/Halle sollte eine Maschine mit insgesamt 36,6 Tonnen Hilfsgütern abheben, darunter mehr als 500 Familienzelte. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) sind etwa 100.000 Kinder in Marokko von der Katastrophe betroffen. Tausende Häuser seien zerstört und viele Familien obdachlos geworden, in derzeit kalten Nächten im Freien.

Bis zu 20.000 Tote in Libyen befürchtet

Auch im Osten von Libyen herrscht nach Überschwemmungen weiter der Ausnahmezustand. Das nordafrikanische Bürgerkriegsland braucht dringend mehr Hilfe. Die Zahl der Todesopfer könnte noch deutlich steigen. Mit bis zu 20.000 Toten rechnete Bürgermeister Abdel-Moneim al-Gheithy im arabischen Fernsehsender Al-Arabija allein für die Hafenstadt Darna.

Der schwere Sturm "Daniel" hatte am Sonntag vor allem den Osten des Landes erfasst. Nahe Darna brachen zwei Dämme und ganze Viertel der 100.000 Einwohner zählenden Stadt wurden ins Meer gespült, Straßenzüge versanken in meterhohem Schlamm. Allein in Darna sind mehr als 30.000 Menschen obdachlos geworden, wie die Internationale Organisation für Migration mitteilte. Mindestens 10.000 Menschen galten als vermisst.

Das deutsche Technische Hilfswerk brachte derweil Hilfen auf den Weg, nach THW-Angaben etwa 100 Zelte mit Beleuchtung, 1.000 Feldbetten, Decken, Isomatten und 80 Stromgeneratoren. Ein THW-Sprecher sagte, acht Lkw seien am Mittwochabend nach Wunstorf bei Hannover abgefahren. Vom dortigen Bundeswehrstandort sollte am Donnerstag die Fracht nach Libyen gebracht werden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kündigte für Donnerstag die Ankunft eines Notfallteams in Darna an. Es bestehe aus Logistikern und medizinischem Personal. Man bringe Notfallausrüstung zur Behandlung von Verletzten mit und Leichensäcke für Libyens Wohlfahrtsorganisation Roter Halbmond.

Libyen hatte zuvor ein internationales Hilfe-Ersuchen gestellt. Neben Darna sind dort aber auch viele andere Städte wie Al-Baida, Al-Mardsch, Susa und Schahat betroffen.

dpa, AFP, Reuters, MDR (ksc)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 14. September 2023 | 08:00 Uhr