Griechenland Waldbrände: Situation bei Athen verschärft sich weiter

In Griechenland toben weiter Waldbrände. Vor den Toren der Hauptstadt Athen wird die Lage immer kritischer: Zwei Menschen starben, mehrere Ortschaften wurden evakuiert. In Athen fällt andauernd der Strom aus, Ärzte warnen vor gesundheitsgefährdenden Partikeln in der Luft. Auch die Türkei, Italien und Nordmazedonien kämpfen seit Tagen mit hohen Temperaturen und heftigen Waldbränden.

Waldbrand bei Athen
Flammen haben in der Stadt Afidnes, 30 Kilometer nördlich von Athen, Verwüstung hinterlassen. Bildrechte: dpa

Die Situation sei kritisch, sagen Behörden: Vor den Toren Athens kämpfen derzeit Hunderte Feuerwehrleute mit Unterstützung aus Frankreich, Schweden, Rumänien, Zypern und der Schweiz gegen einen verheerenden Großbrand. Nach Behördenangaben haben erste Flammen inzwischen Wohngebiete in der Nähe von Athen erreicht.

Zwei Tote nahe Athen

Inzwischen haben die Waldbrände in Griechenland die ersten Todesopfer gefordert. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, starb ein 38-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann in der Stadt Ippokrateio nördlich von Athen im Krankenhaus, nachdem er von einem umstürzenden Strommast getroffen wurde. In Kryoneri starb der Präsident der Athener Industrie- und Handelskammer, Konstantinos Michalos. Er wurde bewusstlos in seiner Fabrik in unmittelbarer Nähe der Brände gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, wo er für tot erklärt wurde.

Wie griechische Medien berichteten, wurden außerdem zwei freiwillige Feuerwehrleute in kritischem Gesundheitszustand in eine Klinik gebracht. Weitere Menschen mussten mit leichten Verbrennungen und Rauchvergiftungen ins Krankenhaus.

In mehreren Ortschaften nördlich der Hauptstadt wurden die Bewohner aufgerufen, die Region zu verlassen. Sicherheitskräfte zogen von Haus zu Haus, um die Menschen aus ihren Wohnungen zu holen. Das Staatsfernsehen berichtete von regelrechten Feuerstürmen. Entlang der Autobahn von Athen nach Thessaloniki seien Lagerhallen und Industriebetriebe in Brand geraten. Immer wieder komme es zu Explosionen.

Rauch eines Waldbrandes steigt nördlich von Athen auf.
Rauch steigt nördlich von Athen auf. Bildrechte: dpa

Am Nachmittag noch 57 Brände aktiv

Die Feuerwehr twitterte am Morgen, binnen 24 Stunden seien landesweit 86 neue Waldbrände entstanden. Dem Zivilschutzministerium zufolge waren am Nachmittag noch 57 Brände aktiv. Achtzehn Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser eingeliefert. Der griechische Gesundheitsminister Wassilis Kikilias sagte im Fernsehen, die meisten litten an Atemwegsbeschwerden. Medienberichten zufolge erlitten Dutzende weitere Menschen leichte Verletzungen. Fernsehbilder zeigten Feuerwehrleute, die trotz Brandwunden an den Händen weiter an den Löscharbeiten teilnahmen.

Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hatte bereits am Donnerstagabend vor einem "noch nie da gewesenen Zustand" gewarnt, weil die vergangenen Tage der Hitze und Trockenheit das Land "in ein Pulverfass" verwandelt hätten. Bis mindestens Montag ist es in Griechenland untersagt, Wälder zu besuchen. Auch sind Arbeiten verboten, die Funken oder Flammen erzeugen könnten.

Stromausfall und Luftverschmutzung in Athen

In der Landeshauptstadt fällt unterdessen immer wieder der Strom aus. Der staatliche Netzbetreiber kündigte Freitagmittag an, einzelne Athener Stadtteile vorübergehend und planmäßig vom Netz zu nehmen, um die Versorgung insgesamt aufrecht erhalten zu können.

Fachleute warnen auch vor Gefahren wegen der Luftverschmutzung durch die Brände. Die Chefin der Pneumologischen Klinik des Athener Krankenhauses Sotiria, Nina Gaga, rief die Menschen auf, nicht aus dem Haus zu gehen. Die Kleinpartikel in der Luft erreichten im Stadtzentrum Werte, die als sehr gefährlich für Menschen gelten. Normale Schutzmasken gegen Corona würden nicht helfen, wer ausgehe, müsse sich mit einer Maske vom Typ P95 und höher schützen, sagte die Ärztin.

Festnahmen wegen Verdachts auf Brandstiftung

Nach Behördenangaben wurde mittlerweile zwei Männer wegen möglicher Brandstiftung verhaftet. Die griechische Regierung kündigte an, Brandstiftung künftig als Klimaverbrechen einzustufen und höher zu bestrafen. Derzeit beträgt die Haftzeit maximal fünf Jahre.

Mehrere Brandherde auf Insel Euböa

Bereits am Dienstag hatte neben Acharnes auch in der Vorstadt Varybobi ein Feuer getobt. Mehr als 80 Gebäude gingen in Flammen auf, verletzt wurde niemand. Doch nicht nur nahe Athen kämpft die griechische Feuerwehr mit den Flammen. Auch auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa und auf dem Peloponnes wüten die Feuer teils unkontrolliert, viele Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Anwohner versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Militär sollen Drohnen zur Beobachtung einsetzen

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte an, verstärkt Militär einzusetzen. Die Soldaten sollen die Situation aus der Luft mit Drohnen verfolgen und neue Brandherde zeitig entdecken. Mitsotakis besuchte am Donnerstag das Dorf Olympia auf der Halbinsel Peloponnes. Dort hatte es tags zuvor nahe der berühmten antiken Stätte Olympia gebrannt, bei der vor den Olympischen Spielen stets das Olympische Feuer entzündet wird.

Ein Flugzeug wirft während eines Waldbrandes Wasser ab.
Ein Flugzeug wirft während eines Waldbrandes Wasser ab. Bildrechte: dpa

Brände toben in mehreren Ländern

Nicht nur Griechenland kämpft in einer anhaltenden Hitzephase gegen unzählige Waldbrände, auch die Türkei, Italien und Bulgarien versuchen zahlreiche Brände zu löschen. An der türkischen Ägäisküste wurden am Donnerstag Hunderte Dorfbewohner aus der Umgebung eines Kohlekraftwerks in Sicherheit gebracht. Die Behörden befürchten, dass die Flammen auf tausende Tonnen Kohle im Inneren der Anlage übergreifen könnten.

Wegen schwerer Waldbrände rief auch die Regierung Nordmazedoniens den Krisenzustand aus. Damit können neben der Feuerwehr auch das Militär und Einheiten des Innenministeriums zur Brandbekämpfung eingesetzt werden. Die EU-Kommission und mehrere Mitgliedsstaaten sagten dem Balkanland Hilfe zu.

Quelle: dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 06. August 2021 | 16:00 Uhr

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