Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt Astrazeneca für alle Altersgruppen

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) empfiehlt, mit dem Astrazeneca-Impfstoff weiter zu verfahren, wie bisher und damit an alle Altersgruppen verimpft werden. Dass er Blutgerinnsel auslösen könnte, solle in den Beipackzettel aufgenommen werden. Die britische Impfkommission riet am Mittwoch indes zu Einschränkungen: Sie empfiehlt, das im eigenen Land entwickelte Präparat nur noch an Personen über 30 Jahre zu impfen.

Spritzen in einer Schale
Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca in einer Schale mit Spritzen. Bildrechte: imago images/ANP

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca und sehr selten auftretenden Thrombosen bei Geimpften. Konkret teilte der Sicherheitsausschuss der EMA in einer schriftlichen Erklärung mit, dass ungewöhnliche Blutgerinnsel als sehr seltene Nebenwirkung des Astrazeneca-Vakzins aufgeführt werden sollten. Die Thrombosen seien in den meisten Fällen innerhalb von zwei Wochen nach der Impfung aufgetreten.

86 Fälle aus Europa untersucht

Weiter heißt es in der EMA-Mitteilung, wer Symptome wie Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, anhaltende Unterleibsschmerzen, schwere und anhaltende Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen aufweise, sollte als geimpfte Person unbedingt den Arzt aufsuchen. Die EMA hat nach eigenen Angaben 86 Thrombose-Fälle in Europa untersucht, von denen 18 tödlich verliefen – alle waren zuvor mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft worden*. Die bis zum 22. März registrierten Fälle waren hauptsächlich in den Meldesystemen der EU, den Anrainerstaaten sowie Großbritannien aufgeführt. In der gesamten Region haben rund 25 Millionen Menschen den Impfstoff bislang erhalten.

EMA: Nutzen sind höher zu bewerten als Risiken

Zugleich empfahl die EMA die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Impfstoffes, unabhängig vom Alter. Der Nutzen von Astrazeneca sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die Behörde. Auch seien in allen Ländern unterschiedliche Personengruppen geimpft worden, so dass ein Gesamtüberblick über die Bevölkerung fehle. Deshalb könne man weder Alter noch Geschlecht als Risikofatkoen benennen, hieß es von der EMA.

Auch Großbritannien benennt Altersgruppen

Ganz gleich, was die EMA empfiehlt, jedes Land entscheidet selbst, welchen Impfstoff es verwendet. In Deutschland hatten Ende März die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen, wegen der Thrombosefälle, die vor allem bei jungen Frauen auftraten, das Präparat in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre zu verabreichen.

Selbst die britische Impfkommission JCVI zog am Mittwoch mit Einschränkungen für den Astrazeneca-Impfstoff nach, der im eigenen Land entwickelt und dort bislang immer hoch gelobt wurde. Die Behörde empfahl, das Präparat in Großbritannien möglichst nur noch an Personen über 30 Jahre zu verabreichen. Die meisten Fälle mit Blutgerinnsel hätten im Land junge Menschen betroffen, lautete die Begründung.

Impfstoff löst offenbar spezielle Antikörper aus

In Deutschland war es bei 29 Frauen und zwei Männern im Alter von 20 bis 63 Jahren zu Komplikationen nach der Impfung gekommen. In neun Fällen starben die Betroffenen, alle waren jünger als 55 Jahre. Etwa drei Millionen Menschen hatten das Mittel bis dahin deutschlandweit verabreicht bekommen. Greifswalder Forscher fanden bei Laboruntersuchungen spezielle Auto-Immun-Antikörper, die offenbar unabsichtlich durch die Astrazeneca-Impfung gebildet werden. Diese Antikörper verklumpen Blutplättchen (Thrombozyten), die zu den Verstopfungen der Venen führten.

* Bis zum 4. April 2021 wurden laut EMA 222 Fälle von Blutgerinnsel europaweit registriert, davon waren 169 Fälle mit Hirnvenenthrombosen - von insgesamt rund 34 Millionen Personen, die mit Astrazeneca geimpft worden waren. Die Zahl der Todesfälle wurde beim Stand vom 4. April nicht mit angegeben.

Quellen: EMA, Reuters, dpa

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 07. April 2021 | 16:30 Uhr

Mehr aus der Welt

Beide Züge stehen auf Gleis. Ein Zug ist schwer beschädigt 1 min
Schweres Zugunglück in Tschechien Bildrechte: Eurovision

In Westböhmen bei Domazlice ist ein Expresszug mit einer tschechischen Regionalbahn kollidiert. Neben drei Toten gibt es viele Schwerverletzte. Der deutsche Zug soll ein Haltesignal missachtet haben.

04.08.2021 | 14:41 Uhr

Mi 04.08.2021 12:46Uhr 00:49 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-zug-unfall-tschechien-express-muenchen-prag-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Großer Waldbrand auf Vororte Athens übergegriffen 1 min
Großer Waldbrand auf Vororte Athens übergegriffen Bildrechte: Reuters