Virusvariante B.1.617 Corona-Rekordzahlen in Indien – Einreisestopp ab Montag

Die Bundesregierung hat Indien zum Virusvarianten-Gebiet erklärt und ein Einreiseverbot verhängt, gleichzeitig kündigte sie Hilfe für das Land an. Indien meldete mit knapp 350.000 Neuinfektionen einen weltweiten Tageshöchstwert. Die indische Coronavirus-Variante B.1.617 ist offenbar sehr aggressiv. Ob die aktuellen Impfstoffe effektiv schützen, ist unklar.

Mehrere Scheiterhaufen mit Leichnamen der Opfern vom Covid-19 brennen auf einem Gelände.
Masseneinäscherung von Covid-Todesopfern in Indien. Bildrechte: dpa

Angesichts dramatischer Corona-Fallzahlen in Indien hat die Bundesregierung die Reißleine gezogen. Indien wird kurzfristig zum Virusvariantengebiet erklärt. Einreisen aus dem Land nach Deutschland werden ab Montag weitgehend gestoppt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn twitterte, um die Impfkampagne nicht zu gefährden, sei dieser Schritt nötig.

Ab Sonntagnacht dürfen demnach nur noch Deutsche aus Indien einreisen. Für sie gilt eine Testpflicht vor dem Abflug sowie eine 14-tägige Quarantäne nach der Ankunft in Deutschland. Auch viele andere Staaten, darunter die USA, Großbritannien und andere EU-Staaten stoppten den Flugverkehr mit Indien.

Rekord-Fallzahlen und unzureichende medizinische Versorgung

Indien mit seinen 1,3 Milliarden Menschen gilt mittlerweile als globales Epizentrum der Pandemie. Die Behörden erfassten am Samstag 346.786 Neuinfektionen, das ist ein neuer globaler Tageshöchstwert.

Gesundheitsarbeiter tragen einen Patienten nach einem Brand im Vijay Vallabh Corona-Krankenhaus auf einer Trage.
Es gibt für schwere Covid-Fälle in Indien nicht genug Beatmungstechnik. Bildrechte: dpa

Die Versorgung von Covid-19-Patienten mit Sauerstoff ist vielerorts kaum noch möglich. Die Regierung setzt die Luftwaffe und Züge zur Verteilung von Sauerstoff-Flaschen ein.  

Offiziell wurden außerdem 2.624 Todesfälle binnen 24 Stunden registriert, was ebenfalls ein neuer Höchststand ist. Insgesamt liegt die Zahl der Infizierten seit Pandemiebeginn nun bei 16,5 Millionen und etwa 190.000 Todesfälle. Bislang wurden landesweit 135 Millionen Impfdosen verabreicht.

Mehrere Länder kündigen Hilfe an

Derweil laufen in verschiedenen Ländern Hilfsaktionen für Indien an. Das britische Außenministerium teilte am Sonntag mit, man wolle dem Land mehr als 600 wichtige medizinische Gerätschaften schicken, darunter 140 Beatmungsgeräte.

Auch Deutschland und die EU-Kommission kündigten Hilfen an. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte, man bereite "so schnell wie möglich eine Unterstützungsmission vor". Der Kampf gegen die Pandemie sei ein gemeinsamer Kampf. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter, man wolle Sauerstoff für die Patientenbeatmung und Arzneimittel ins Land schicken.

Massenveranstaltungen trotz Pandemie

Für den zuletzt massiven Anstieg der Infektionszahlen werden neben der aggressiven Virusmutation B.1.617 auch religiöse, politische und sportliche Massenveranstaltungen verantwortlich gemacht. Die indischen Behörden hatten zu Jahresbeginn viele Auflagen gelockert. Riesigen Hochzeitsfeiern, Cricketspiele und religiösen Zeremonien wurden wieder erlaubt.

Menschen warten vor einem Impfzentrum darauf, um eine Impfung gegen das Corona-Virus zu bekommen.
Inder warten auf ihre Corona-Impfung. Landesweit wurden bis 24. April etwa 135 Millionen Dosen verabreicht. Bildrechte: dpa

Bei der Kumbh Mela, einer der größten religiösen Feiern der Welt, drängten sich zwischen Januar und April geschätzt 25 Millionen Pilger dicht an dicht, meist ohne Maske. In vielen Bundesstaaten gab es zudem Wahlkampfveranstaltungen, darunter eine von Premierminister Modi in Kolkata mit geschätzt 800.000 Teilnehmern.

RKI: Bislang 21 Fälle in Deutschland

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Freitag, ist die möglicherweise besonders gefährliche indische Virusvariante B.1.617 in Deutschland bislang 21 Mal nachgewiesen worden. RKI-Vize Lars Schaade erklärte, die Annahme, es gebe bei dieser Doppelmutante einen "sich gegenseitig verstärkenden Effekt", sei bisher nicht nachgewiesen.

Der Epidemiologe Alexander Kekulé mahnte bei MDR AKTUELL, sich wegen der neuen indischen Mutation nicht verrückt machen zu lassen. Er erklärte im MDR-Podcast, eine solche weitere Mutation sei komplett erwartbar. Wahrscheinlich sei das indische Virus infektiöser, nach bislang vorliegenden Daten aber nicht unbedingt gefährlicher.

Zur Wirksamkeit der aktuell in Deutschland zugelassenen Covid-Impfstoffe gegen die indische Variante liegen noch nicht genug Daten vor.

Quellen: DPA, AFP, Reuters

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 24. April 2021 | 13:00 Uhr

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