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Eine junge Frau erhält eine Corona-Impfung im südafrikanischen Johannesburg. Studien deuten darauf hin, dass eine Drittimpfung wirkungsvoll gegen die Omikron-Variante Schutz bietet. Bildrechte: dpa

Neue Corona-VarianteOmikron: So ist die Lage weltweit

von Justin Andreae, MDR AKTUELL

Stand: 18. Dezember 2021, 18:04 Uhr

Längst spricht im Zusammenhang mit Omikron kaum jemand mehr von der "südafrikanischen Variante". In fast allen Weltregionen ist Omikron zum Problem geworden – oder droht es zu werden. Im Detail gibt es allerdings große Unterschiede: Während etwa in Dänemark die Fallzahlen bereits jetzt explodieren, bereiten sich andere Länder noch auf eine drohende Welle vor.

Alle anderthalb bis drei Tage verdoppelt sich derzeit in Gebieten mit Infektionsketten die Zahl der Ansteckungen mit der Virusvariante Omikron: Das gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Samstag bekannt. Auf allen Kontinenten außer der Antarktis ist Omikron mittlerweile angekommen. Die Spanne allerdings reicht je nach Region von einem Großteil bis zu einem kleinen Bruchteil aller Neuinfektionen.

Europa: Neue Wellen durch Omikron

Als die Omikron-Variante Ende November von südafrikanischen Forschern identifiziert wurde, reagierten viele europäische Staaten mit Beschränkungen der Einreisen aus Südafrika. Mittlerweile ist klar: Omikron breitet sich dennoch in Europa aus – allerdings mit unterschiedlicher Dynamik. Die Lage im Überblick:

  • Skandinavien: Dramatischer Anstieg. Allein am Donnerstag wurden in Dänemark über 11.000 neue Corona-Fälle nachgewiesen, so viele wie nie zuvor. Darunter waren 2.500 Omikron-Fälle – alle zwei Tage hat sich ihr Anteil zuletzt verdoppelt. Die im Vergleich besonders starken Anstiege in Dänemark könnten allerdings auch am Testsystem liegen: Alle positiven PCR-Tests werden dort sequenziert, also auf Varianten überprüft. Die Lage in Norwegen ist ähnlich: In beiden Ländern werden daher derzeit Lockerungen rückgängig gemacht.


  • Großbritannien: Omikron-Lockdown möglich. Auch in Großbritannien breitet sich Omikron rapide aus. Am Freitag wurden innerhalb eines Tages über 3.000 neue Omikron-Fälle gemeldet – knapp ein Viertel der gesamten Neuinfektionen. Einem Bericht der Times zufolge zieht Boris Johnsons Regierung einen zweiwöchigen Lockdown nach Weihnachten in Erwägung, um eine Überlastung der Krankenhäuser durch Omikron zu verhindern. Am Samstag rief Londons Bürgermeister Sadiq Khan für seine Stadt den Ausnahmezustand aus – zum ersten Mal seit Januar. Frankreich hat derweil einen weitgehenden Einreisestopp für Großbritannien verhängt. Die Folge: Stundenlange Staus am Eurotunnel.
  • Frankreich, Österreich, Benelux: Verschärfungen wegen Omikron. Von 3G zu 2G: Das ist der Plan der französischen Regierung. Die Omikron-Variante verbreite sich "rasend schnell um uns herum in Europa", warnte Premierminister Jean Castex. Knapp zehn Prozent der Neuinfektionen in Frankreich gehen derzeit auf Omikron zurück, die Gesamtzahl der Neuinfektionen steigt deutlich. Schärfere Einreisebestimmungen, Lockdowns und 2G-Regeln: Auch in Ländern wie den Niederlanden, Belgien und Österreich gelten solche Bestimmungen schon oder sollen als Reaktion auf Omikron bald beschlossen werden.
  • Mittel- und Osteuropa: Unklare Lage. In mittel- und osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn und Rumänien sind die Neuinfektionen nach Höchstständen im Herbst derzeit rückläufig – ähnlich wie in Deutschland. Omikron-Fälle wurden bislang kaum entdeckt: Die Zahlen liegen im niedrigen zweistelligen Bereich. Allerdings werden in diesen Ländern auch deutlich weniger PCR-Tests sequenziert als etwa in Dänemark und Großbritannien.

Südafrika: Vorsichtiger Optimismus trotz steigender Fallzahlen

Auch Wochen nach der Entdeckung der Omikron-Variante steigt die Zahl der Neuinfektionen in Südafrika fast ungebremst. Gut 20.000 Neuinfektionen wurden zuletzt täglich registriert. Anders als in Europa ist in Südafrika bereits eine Mehrheit aller Neuinfektionen auf Omikron zurückzuführen. Für Forscher ist das Land daher besonders interessant: Es liefert Hinweise, welche Auswirkungen Omikron haben wird, wenn es etwa in Deutschland in einigen Wochen dominant sein dürfte.

Die aktuellen Zahlen geben vorsichtigen Anlass zur Hoffnung: Die Zahl der Hospitalisierungen steigt nicht in gleichem Maße wie die Neuinfektionen, die Krankenhausaufenthalte scheinen kürzer zu sein als etwa bei der Delta-Variante. Allerdings geben Forscher zu bedenken: Auch in Südafrika liegt die Impfquote bei Menschen über 60 bereits bei 66 Prozent, viele Menschen waren zudem schon mit Corona infiziert. Nicht Omikron könnte also für die milderen Verläufe verantwortlich sein, sondern die schon vorhandenen Antikörper bei den Patienten.

China und USA: Impfen und Restriktionen

Auch außerhalb Europas und des südlichen Afrikas ist die Omikron-Variante mittlerweile angekommen. Der Anteil an den Gesamtinfektionen ist allerdings noch vergleichsweise gering. In den USA etwa lag der Omikron-Anteil laut der Gesundheitsbehörde CDC zuletzt bei 2,9 Prozent. Die Behörde befürchtet aber einen erheblichen Druck auf die Intensivstationen. Präsident Joe Biden rief die Bevölkerung auf Twitter zuletzt mehrfach zur Booster-Impfung auf, um Omikron zu bekämpfen: "Wir besitzen die Impfungen, um Menschen vor der Omikron-Variante zu schützen. Lassen Sie sich vollständig impfen – und holen Sie sich noch heute Ihre Booster-Dosis."

Ausgerechnet in dem Land, in dem die Corona-Pandemie ihren Ausgang nahm, ist Omikron dagegen bislang offenbar noch kaum angekommen: China. Anfang der Woche wurden in den Hafenstädten Guangzhou und Tianjin erstmals zwei Omikron-Fälle entdeckt, beide von Reiserückkehrern. Erste Studien deuten darauf hin, dass die in China verimpften Vakzine Sinovac und Sinopharm gegen Omikron deutlich weniger wirksam sind. Anders als alle westlichen Staaten wendet China allerdings eine strikte Zero-Covid-Politik an – bislang mit Erfolg.

Quelle: MDR AKTUELL, Reuters, AFP

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 18. Dezember 2021 | 15:00 Uhr

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