Neuer Angriff mit Ransom-Schadsoftware Hacker legen größte Benzin-Pipeline in USA lahm

Nach einem Cyber-Angriff musste die größte Benzin-Pipeline in den USA stillgelegt werden. Durch das fast 9.000 Kilometer lange Netz fließt fast die Hälfte aller Kraftstoffe, die an der US-Ostküste verbraucht werden. Wer hinter der Attacke steckt, ist noch unklar.

Keystone Steele City pumping station, 2017
Der Betreiber Continental versorgt über ein 9.000 Kilometer langes Röhrensystem die US-Ostküste mit Benzin. Bildrechte: dpa

Nach einem Hackerangriff auf die größte Benzin-Pipeline in den USA hat die Betreiberfirma Colonial am Samstag das gesamte Netz abgeschaltet. Wie das Unternehmen mitteilte, ist eine sogenannte Ransom-Schadsoftware ins IT-System gelangt. Auch am Sonntag wurde noch daran gearbeitet, das Problem in den Griff zu bekommen.

Angst vor steigenden Sprit-Preisen

Colonial mit Sitz im Bundesstaat Georgia betreibt gemessen am Volumen die größte Pipeline für Kraftstoffe. Jeden Tag fließen mehr als 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) Benzin, Diesel, Kerosin und andere Erdölprodukte durch die Leitungen. Die Pipeline führt über gut 8.800 Kilometer von Houston im Bundesstaat Texas bis nach New York und versorgt etwa 50 Millionen Verbraucher.

Zu den Kunden zählen auch mehrere Flughäfen wie der weltgrößte Airport in Atlanta. Ein längerer Stillstand der Spritversorgung könnte die Preise an den Zapfsäulen vor der sommerlichen Hauptfahrzeit in den USA in die Höhe schnellen lassen.

 Motiv ist meist Erpressung

Mit Ransom-Schadprogrammen versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und Geld zu erpressen. Colonial engagierte nach eigenen Angaben ein führendes, externes Cybersicherheitsunternehmen, um den Angriff aufzuklären. Auch die Strafverfolgungsbehörden und weitere Bundesbehörden seien eingeschaltet worden.

Die Expertin Algirde Pipikaite vom Zentrum für Cybersicherheit des Weltwirtschaftsforums nannte die Attacke "ungewöhnlich". Ohne zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen müsse in Zukunft häufiger mit Cyberattacken auf Industrieanlagen und Infrastruktur wie  das Öl- oderTrinkwassernetz gerechnet werden.

Angreifer sitzen oft im Ausland

Die USA wurden in den vergangenen Monaten von zwei großen Cyberangriffen erschüttert. Im Dezember war eine Attacke aufgedeckt worden, bei der sich Hacker über Software des IT-Unternehmens SolarWinds Zugang zu Ministerien, Behörden, Unternehmen und Privatrechnern verschafft hatten. Die USA machten Russland dafür verantwortlich.

Im März wurde ein Angriff auf Microsofts E-Mail-Dienst Exchange öffentlich, hinter dem chinesische Hacker vermutet wurden. Berichten zufolge waren mindestens 30.000 US-Organisationen davon betroffen. Das Öl- und Benzinnetz von Continental war schon 2008 von Cyberkriminellen attackiert worden.

Quelle: AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2021 | 18:45 Uhr

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