Mittelmeerregion Waldbrände und Gluthitze in Südeuropa

Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Türkei: In Südeuropa kämpfen die Menschen seit Tagen gegen Waldbrände, die bereits mehrere Todesopfer gefordert haben. Das extrem heiße und trockene Wetter mit Temperaturen bis zu 46 Grad Celsius facht die Flammen immer wieder an.

Diese von Maxar zur Verfügung gestellte Satellitenansicht zeigt aufsteigenden Rauch von Waldbränden in der Nähe des Oymapinar-Damms
Per Satellit wird dieser Waldbrand etwa 80 Kilometer östlich von Antalya in der Türkei beobachtet. Bildrechte: dpa

Seit Tagen wüten im Süden Europas teils umfangreiche Waldbrände – angefacht von trockenem, sehr heißem Wetter und starkem Wind. Dutzende Orte und Touristenunterkünfte mussten evakuiert werden. In mehreren Ländern sind Todesopfer zu beklagen.

Hitze durch Tief "Ferdinand"

MDR-Wetterexperten zufolge ist die Ursache für die Hitze das Tief "Ferdinand", das von der Nordsee zum Baltikum zieht. Nach Deutschland bringt es kühle Meeresluft. Die Ausläufer hingegen bringen heiße Luft aus Afrika nach Italien, Griechenland und die Türkei. Auch in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen an der Mittelmeer- und Ägäisküste auf weit über 40 Grad steigen.

Türkei

In der Türkei kämpfen die Einsatzkräfte den vierten Tag in Folge gegen die Brände. Wie Forstminister Bekir Pakdemirli am Samstag auf Twitter mitteilte, sind von den ursprünglich 98 Bränden im ganzen Land noch zehn Brandherde aktiv, darunter drei in der beliebten Urlaubsregion Antalya.

Waldbrand bei Marmaris, Türkei
Die Stadt Marmaris an der Türkischen Riviera ist für ihre Strandpromenade und ihr Nachtleben bekannt. Bildrechte: dpa

Besonders schlimm wüteten die Brände an der türkischen Mittelmeerküste, dort auch in der Touristenregion rund um die Stadt Marmaris. Dort erschweren starke Winde die Löscharbeiten. Viele Hotels mussten den Angaben zufolge evakuiert werden, teilweise wurden die Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht.

Wie Gesundheitsminister Fahrettin Koca mitteilte, sind in der Provinz Antalya zwei Waldarbeiter bei Löscharbeiten ums Leben gekommen. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf insgesamt sechs. Die Ursache für die knapp 100 Waldbrände ist nach wie vor unklar. Türkische Behörden ermitteln nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Auch Brandstiftung werde nicht ausgeschlossen.

Griechenland

In Griechenland sind nach offiziellen Angaben vier Tote zu beklagen. Das Land wird ebenfalls von einer starken Hitzewelle heimgesucht. Wie Wetterexperten erklärten, sollen die Temperaturen am Wochenende und die ganze kommende Woche tagsüber auf bis zu 46 Grad steigen.

Auf der beliebten Urlaubsinsel Rhodos soll es 44 Grad heiß werden. Nachts bleibe es vor allem in den Ballungszentren heiß mit Temperaturen über 30 Grad. Einige Meteorologen sprachen bereits im Rundfunk von einer "historischen Hitzewelle".

Nach einer Krisensitzung wurde der griechische Zivilschutz in Alarmbereitschaft versetzt. In den Registrierlagern für Migranten auf den Inseln im Osten der Ägäis wurden zusätzliche klimatisierte Zelte und Container zur Verfügung gestellt. Die Städte öffneten den Angaben zufolge klimatisierte Hallen für die Einwohner, die zu Hause keine Klimaanlage haben.

Wann die Hitzewelle nachlassen wird, war am Samstag nicht klar. Einige Meteorologen befürchteten, diese gefährliche Situation könnte bis zu zwei Wochen andauern.

Italien

Wie die italienische Feuerwehr am Samstag auf Twitter mitteilte, mussten die Einsatzkräfte innerhalb von 24 Stunden mehr als 800 Mal wegen der Waldbrände ausrücken. Allein in Sizilien wurden 250 Einsätze gezählt.

Blick aus einem Hubschrauber der Feuerwehr auf Brände neben der Via Palermo - dichter Rauch zieht über die Wohnhäuser.
Wie auf Bildern des italienischen Fernsehens zu sehen ist, rückten die Brände bis dicht an die Stadt Catania heran. Bildrechte: dpa

Im Osten der beliebten Urlaubsinsel brannte es am Freitag vor den Toren der Küstenstadt Catania. Der Flughafen der Stadt musste kurzzeitig den Betrieb einstellen.

Behörden zufolge mussten etwa 150 Menschen aus der Gegend um Catania gerettet werden. Sie waren von den Flammen eingeschlossen worden und hatten sich an einen Strand gerettet. Auch in anderen Teilen Italiens wurde die Feuerwehr nach eigenen Angaben zu zahlreichen Waldbrandeinsätzen gerufen. Auf der Urlaubsinsel Sardinien richteten Flammen zuletzt im Westen große Schäden an.

Frankreich

Vor wenigen Tagen erst brannte es in Frankreich. Wie Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter mitteilte, war das bergige Busch- und Waldland zwischen den Städten Narbonne und Carcassonne von dem Waldbrand betroffen.

Die französischen Behörden setzen den Angaben zufolge mehr als 1.000 Feuerwehrleute und Retter sowie Löschflugzeuge ein. Verletzt wurde nach Medienberichten niemand. Die Ursache für den Feuer ist unklar.

Spanien

Im Nordosten Spaniens war vergangenes Wochenende ein Waldbrand rund 100 Kilometer westlich von Barcelona außer Kontrolle geraten. Nach Behördenangaben haben die Flammen mehr als 1.600 Hektar Wald- und Ackerland zerstört.

Etwa 80 Menschen mussten ihr Häuser verlassen. Die Asche sei auch in Teilen von Barcelona niedergegangen.

Quelle: MDR Wetterstudio, dpa, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2021 | 17:45 Uhr

Mehr aus der Welt

Eine Unwetterfront sorgt derzeit für starke Niederschläge auf dem spanischen Festland. Im Westen und Süden des Landes wurden mehrere Gemeinden überflutet.  1 min
Bildrechte: Eurovision

Eine Unwetterfront sorgt derzeit für starke Niederschläge auf dem spanischen Festland. Im Westen und Süden des Landes wurden mehrere Gemeinden überflutet.

23.09.2021 | 18:42 Uhr

Do 23.09.2021 18:21Uhr 00:37 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-557046.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video