Umerziehung von Ureinwohnern Mehr als 750 anonyme Kindergräber in Kanada entdeckt

150.000 Kinder kanadischer Ureinwohner wurden über ein Jahrhundert lang zur Umerziehung in kirchliche Heime gesteckt. In einem der Heime wurde im Mai ein Massengrab mit menschlichen Überresten entdeckt. Nun gibt es einen weiteren Fund.

Menschen versammeln sich und Schuhe werden abgestellt.
Ende Mai versammelten sich Menschen um mit leeren Kinderschuhen den Fund des Massengrabs im kanadischen Kamloops zu symbolisieren und der Opfer zu gedenken. Bildrechte: dpa

In Kanada sind erneut hunderte Gräber mit Überresten indigener Kindern entdeckt worden. Wie die indigenen Gemeinschaft Cowessess mitteilte, wurden in der Provinz Saskatchewan auf dem Gelände eines einstigen Internats 751 anonyme Gräber entdeckt. Sie und die Föderation souveräner indigener Nationen erklärte, so viele gekennzeichnete Gräber seien bislang noch nie gefunden worden.

Kirchliche Heime für Umerziehung von Ureinwohnern

Das Internat südlich der kanadischen Stadt Regina war von 1899 bis 1997 in Betrieb. Es gehört zu jenen kirchlichen Heimen, in denen Kinder von Ureinwohnern im vergangenen Jahrhundert fernab ihrer Familien umerzogen wurden. Sie sollten damit ihre eigene Kultur und Sprache vergessen und sich an die weiße Mehrheitsgesellschaft anpassen. In den Einrichtungen, die größtenteils Kirchen und religiöse Organisationen betrieben und von der Regierung finanziert worden waren, sollen Gewalt und sexueller Missbrauch zur Tagesordnung gehört haben.

Erstes Massengrab in Mai entdeckt 

Bereits Ende Mai hatte der Fund eines anderen Massengrabs für Schlagzeilen gesorgt: Es war in der gut 1.300 Kilometer entfernten Kleinstadt Kamloops entdeckt gefunden worden, mit den Überresten von 215 indigenen Kindern. Es befand sich auf dem Gelände eines Umerziehungslagers, das zunächst von der katholischen Kirche und später von der kanadischen Regierung bis Ende der 1970er-Jahre betrieben wurde. Nach Bekanntwerden des Falls forderten Vertreter indigener Gruppen, alle früheren Einrichtungen dieser Art untersuchen zu lassen.

Insgesamt sollen in Kanada rund 150.000 indigene Kinder von ihren Familien getrennt worden sein. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3.200 der Kinder, vor allem an Tuberkulose. Der Papst hatte im Juni eine umfassende Aufarbeitung dieser Vergangenheit versprochen.

Quelle: KNA/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juni 2021 | 17:00 Uhr

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