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Immer mehr Kinder brauchen eine Brille, da sie während der Pandemie häufiger auf den Bildschirm starren mussten. Bildrechte: imago images/Cavan Images

Folgen der Corona-PandemieImmer mehr Kinder sehen schlecht

von Sophia Spyropoulos, MDR AKTUELL

Stand: 13. August 2021, 08:14 Uhr

Während des Lockdowns und in Zeiten von Homeschooling blickten viele Kinder den ganzen Tag auf den Bildschirm. Eine Studie aus Hongkong hat jetzt belegt, dass das die Augen der Kinder ziemlich belastet: Vor allem Kurzsichtigkeit habe unter den Kindern zugenommen. Gründe dafür seien, dass Kinder viel Zeit drinnen verbracht haben, weniger Kontakt zum Sonnenlicht hatten und ihre Augen immer zu auf den Bildschirm geheftet waren.

Carolin Truckenbrod ist umgeben von Brillen in allen Farben und Formen. An den Wänden und Aufstellern in ihrem Geschäft im Zentrum von Leipzig findet sich alles von der klassischen Pilotenbrille bis zum ausgefallenen Modell mit Bügel hinter dem Nacken. Einige Gestelle lagern in Schubladen – so auch die für die ganz jungen Kundinnen und Kunden. Dort fänden sich flexible Sportbrillen und Modelle, die Smileys, Bären oder Schmetterlinge auf den Bügeln hätten. Und davon hat sie in letzter Zeit immer mehr verkauft: "Wir beobachten tatsächlich, dass Kinder, die bereits kurzsichtig sind, eine schnellere Zunahme der Kurzsichtigkeit haben."

Eine Beobachtung, die sich mit den Ergebnissen einer Studie aus Hongkong deckt: Ein Forscherteam hat Gruppen von Sechs- bis Achtjährigen untersucht – eine vor der Pandemie und eine währenddessen. Das Ergebnis: In acht Monaten unter Pandemiebedingungen hat eines von fünf Kindern eine Kurzsichtigkeit entwickelt. Hochgerechnet auf ein volles Jahr ergab das einen Anstieg von rund zehn Prozent im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie.

Ursache für Kurzsichtigkeit: Wenig Tageslicht

Eva Grimtschuk arbeitet als Augenärztin in Offenburg/Saar und behandelt vor allem Sehstörungen bei Kindern und zwar deutlich mehr seit Corona. "Das hängt auch damit zusammen, dass die Kinder sehr viel mehr Naharbeit leisten und viele Kinder auch vermehrt mit dem Tablet oder dem Handy beschäftigt sind tagsüber", sagt Grimtschuk. Das war unter anderem durch Homeschooling der Fall.

Laut Grimtschuk waren die Kinder in der Pandemiezeit wenig draußen und haben so weniger Kontakt zu Tageslicht gehabt. Das Tageslicht, so die Ärztin, reguliert das Längenwachstum des Augapfels und wirkt damit Kurzsichtigkeit entgegen.

Nur leichter Zuwachs an Kurzsichtigkeit in Deutschland

Auch das Forschungsteam aus Hongkong hat in der Studie festgestellt, dass die Kinder deutlich weniger Zeit im Freien verbracht haben. Sie sehen einen Zusammenhang zur gestiegenen Kurzsichtigkeit und einen Grund, Alarm zu schlagen. Hier bei uns sind die Ausmaße aber bei Weitem nicht so schlimm wie in Asien, sagt Augenoptikerin Carolin Truckenbrod: "In China ist im Grunde genommen Kurzsichtigkeit schon eine Volkskrankheit und die wird dann sicherlich auch stärker. Im Moment ist es in Deutschland so, dass wir nicht so extrem viele stark Kurzsichtige haben."

Es gebe auch Möglichkeiten, Kurzsichtigkeit zu behandeln: Zum Beispiel mit Tropfen, speziellen Kontaktlinsen oder Brillengläsern, erklärt die Spezialistin. Zur Vorbeugung sei es wichtig, den Blick immer wieder vom Bildschirm weg und aus dem Fenster in die Ferne zu richten – am besten jede halbe Stunde für fünf Minuten.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2021 | 07:21 Uhr