Auch deutsche Opfer Mindestens sieben Tote bei Gletscherbruch in italienischen Alpen

Bei einem Gletscherbruch in den italienischen Dolomiten sind mindestens sieben Bergsteiger getötet und 14 verletzt worden. Die Lawine aus Eis, Schnee und Fels hatte offenbar zwei Seilschaften getroffen. Die Rettungskräfte befürchten weitere Opfer. Auch Deutsche sind unter den Verletzten.

 Gletscherabruch in den Dolomiten
Das Handout des italienischen Bergrettungsdienstes zeigt den Gletscherabbruch an der Marmolata. Bildrechte: dpa

Bei einem Gletscherbruch in den italienischen Alpen sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Nachdem bereits am Sonntag sechs Tote gemeldet worden, wurde am Montag eine weitere Leiche entdeckt. Das bestätigte die Polizei in Trient. Allerdings befürchten die Rettungskräfte noch weitere Opfer. Gut ein Dutzend Menschen werden vermisst, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Auf dem Parkplatz am Fuße des norditalienischen Bergmassivs Marmolata, von dem die Aufstiegswege losgehen, wurden 16 Autos gezählt, deren Halter noch nicht ausfindig gemacht wurden. "Wir wissen noch nicht, ob die Wagen den toten oder vermissten Personen gehören oder Leuten, die nichts mit dem Unfall zu tun haben", sagte der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, Maurizio Fugatti. Neben den Toten und Vermissten gab es bei der Bergkatastrophe zudem 14 Verletzte. Die Rettungsarbeiten wurden am Montag wegen eines aufziehenden Unwetters zwischenzeitlich unterbrochen.

Dolomiten: Auch Deutsche unter den Opfern

Bei dem Unglück wurden auch zwei Deutsche verletzt. Die Beiden seien in ein Krankenhaus in Belluno eingeliefert worden, teilten die Gesundheitsbehörden der Region Venetien mit. Es handelt sich demnach um einen 67-Jährigen und eine 58-Jährige. Der Mann wurde den Angaben zufolge intensivmedizinisch behandelt, die Frau stehe unter "intensiver Beobachtung". Inzwischen gehe es ihnen besser, ihr Gesundheitszustand stabilisiere sich.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass nach derzeitigem Stand "zwei deutsche Staatsangehörige unter den Verletzten sind". "Das Generalkonsulat in Mailand sowie unser Honorarkonsul in Bozen stehen mit den Behörden in engem Kontakt", fügte der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amtes, Christian Wagner, hinzu. Zugleich hob er hervor, dass die Bergungsarbeiten noch andauerten und die Identifizierung bereits geborgener Todesopfer und Verletzter noch nicht abgeschlossen sei.

Suche nach Opfern über Nacht ausgesetzt

Die Such- und Bergungsarbeiten an der Marmolata waren am Sonntagabend unterbrochen worden, weil die Gefahr bestand, dass weitere Eisblöcke abgehen könnten. Das gesamte Gebiet rund um den Gletscher wurde für die Öffentlichkeit gesperrt. Am Montag wollten die Einsatzkräfte die Suche an der Flanke des Berges Marmolata fortsetzen. Sie haben dabei aber kaum noch Hoffnung, unter den Eis-, Schnee- und Felsmassen weitere Überlebende zu finden. Das sagte Walter Cainelli von der Bergrettung der norditalienischen Provinz Trentino am Sonntagabend.

Mindestens zwei Seilschaften getroffen

Den Angaben zufolge war eine Lawine aus Eis, Schnee und Fels nahe einer Aufstiegsroute abgegangen. Sie pflügte auch über einen der Hauptzugangswege auf den 3.343 Meter hohen Berg, auf dem sich mehrere Seilschaften befanden. Mindestens zwei wurden ersten Erkenntnissen zufolge getroffen. Ob neben den Seilschaften auch noch einzelne Bergsteiger an den Unglücksstellen unterwegs waren, war zunächst nicht bekannt. Filmaufnahmen, die von einer nahegelegenen Berghütte gemacht wurden, zeigten mit Felsbrocken vermischte Schneemassen, die mit ohrenbetäubendem Lärm ins Tal herunterrasten.

Sämtliche Bergretter der Gegend alarmiert

Sämtliche Bergretter der Gegend aus den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol waren am Sonntag alarmiert worden. Fünf Helikopter flogen auf den Berg und bargen die Toten und Verletzten. Einige Hundestaffeln kamen zum Einsatz, um nach weiteren Opfern zu suchen.

Die Arbeit der Rettungshelfer gestaltete sich äußerst schwierig, weil die Opfer aus einer Masse von Eis und Geröll befreit werden mussten. Zudem mussten die Einsatzkräfte vorsichtig sein, denn es bestand die Gefahr, dass weitere Teile des Gletschers abgehen könnten. Die Leute, die oberhalb der Unglücksstelle festsaßen, wurden mit Hubschraubern in das Tal gebracht.

Hohe Temperaturen als Ursache vermutet

Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass hohe Temperaturen eine Rolle spielen dürften. Erst Samstag war auf dem Marmolata-Gipfel mit zehn Grad ein Temperaturrekord gemessen worden. Italien registrierte im vorigen Winter viel weniger Niederschlag als gewöhnlich, der Schnee fehlt vielen Gletschern nun als Schutz gegen die Sonne und die warmen Temperaturen. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" zitierte Experten, wonach weitere Gletscherabbrüche zu befürchten seien.

Blick auf den Marmolata-Gletscher in den Dolomiten
Blick auf den Marmolata-Gletscher in den Dolomiten. Bildrechte: IMAGO/Eibner

Extrembergsteiger und Umweltschützer Reinhold Messner sieht in dem Unglück eine Folge des Klimawandels und der Erderwärmung. "Diese fressen die Gletscher weg", sagte der 77-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Der Marmolata-Gletscher ist der größte Gletscher in den Dolomiten und befindet sich auf der Nordseite der Marmolatagruppe, die zur Alpen-Gebirgsgruppe der Dolomiten gehört. Diese liegt in den Provinzen Trient und Belluno.

AFP/dpa (dni)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juli 2022 | 17:30 Uhr

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