Afghanistan Raketenangriff auf Flughafen Kabul

Kurz vor dem Abzug der restlichen US-Truppen aus Kabul hat es einen Raketenangriff auf den Flughafen in der afghanischen Hauptstadt gegeben. Den Taliban zufolge konnte ein Abwehrsysten die Raketen allerdings vor dem Einschlag abwehren. Die Terror-Miliz IS reklamierte den Angriff für sich.

Raketenangriff auf Kabul
Raketen trafen auch ein Wohnhaus in einem nahe dem Flughafen gelegenen Bezirk. Bildrechte: dpa

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es am Montag einen Raketenangriff in Richtung Flughafen gegeben. Die militant-islamistischen Taliban, die die Macht in Afghanistan übernommen haben, erklärten, die Geschosse seien vom Raketenabwehrsystem am Flughafen zerstört worden. Bilder der Deutschen Presse-Agentur zeigen aber Schäden unter anderem an einem Wohnhaus in der Nähe des Flughafens.

Die USA erklärten, ihre Evakuierungsmission am Flughafen sei nicht unterbrochen worden. Das Weiße Haus teilte mit, die Mission laufe weiter – am letzten Tag vor dem offiziellen Abschluss des US-Truppenabzugs aus Afghanistan am 31. August.

IS reklamiert Angriff für sich

Unterdessen hat der in Afghanistan aktive Ableger der IS-Terrormiliz den Raketenangriff für sich reklamiert. "Soldaten des Kalifats" hätten den Flughafen mit sechs Raketen des Typs Katjuscha angegriffen, teilte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Montag auf der Plattform Naschir News mit. Es sei auch bestätigt, dass bei dem Angriff Menschen verletzt worden seien. Eine Bestätigung über mögliche Opfer oder Schäden gab es unabhängig von der Erklärung des IS zunächst nicht.

Attentat per Drohnenangriff verhindert

Bereits gestern hatten die USA nach eigenen Angaben einen möglichen Anschlag nahe des Flughafens verhindert. Mit einem Drohnenangriff sprengte die US-Luftwaffe ein "verdächtiges Fahrzeug". Dadurch sei eine unmittelbare Bedrohung für den Flughafen Kabul abgewendet worden. Nach dem Angriff kam es nach US-Angaben zu einer "bedeutenden Explosion". Daher sei davon auszugehen, dass sich in dem Auto eine große Menge Sprengstoff befunden habe.

Afghanischen Medien zufolge starben bei dem Drohnenangriff möglicherweise auch Zivilisten. Die USA erklärten, dies werde geprüft. Der US-Sender CNN meldete unter Berufung auf Angehörige, dass neun Menschen in Kabul getötet worden seien, darunter sechs Kinder.

Biden warnt Terroristen

US-Präsident Joe Biden hatte zuvor den IS-Terroristen in Afghanistan mit weiteren Luftschlägen gedroht. Man werde alle jagen, die in die Anschläge am Flughafen vom 26. August verwickelt gewesen seien. Dieser hat nach jüngsten Berichten vom Sonntag mindestens 183 Menschenleben gekostet, unter ihnen elf US-Soldaten und zwei Soldatinnen.

Bei einen vorherigen US-Drohnen-Angriff am Samstag waren nach Angaben des US-Militärs zwei ranghohe Mitglieder der Miliz "Islamischer Staat Provinz Khorasan" (IS-K) getötet worden. Einer soll die beiden Anschläge in Kabul geplant, der andere mit vorbereitet haben.

Deutschland holt 138 Ortskräfte aus Afghanistan

Während die USA weiter Zivilisten und Militär aus Afghanistan ausfliegen, gibt es neue Evakuierungszahlen aus Deutschland. Das Bundesinnenministerium erklärte, es seien bisher 138 sogenannte Ortskräfte aus Afghanistan nach Deutschland geholt worden. Hinzu kämen knapp 500 Familienangehörige. Insgesamt seien etwa 3.850 Afghanen sowie 400 deutsche Staatsbürger über die Luftbrücke evakuiert worden. Dazu gehörten auch Personen, die für andere Länder ausgeflogen worden seien. Der Sprecher erklärte, die Zahl der Hilfe-Ersuchen sei nach dem Beginn der Evakuierungsaktion deutlich gestiegen.

Inzwischen gehe die Bundesregierung von mindestens 40.000 gefährdeten Menschen aus, die von Deutschland aus dem Land geholt werden wollten. Vor Beginn der Luftbrücke hätten lediglich 174 Ortskräfte und ihre Familienangehörige eine Gefährdungsanzeige gemacht.

UN-Sicherheitsrat beschließt Resolution

Wegen der zehntausenden Menschen, die immer noch auf eine Ausreise hoffen, hat der UN-Sicherheitsrat in New York am Montag eine Resolution beschlossen. Darin werden die Taliban aufgefordert, die sichere Ausreise von Afghanen und ausländischen Staatsangehörigen zu ermöglichen.

Quelle: dpa, AFP, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2021 | 16:30 Uhr

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