Wirksamkeit von Vakzinen Impfstoffforscher: Sputnik ist hervorragende Alternative

Sputnik V wird auf eine Zulassung in der EU geprüft. Er basiert auf derselben Wirkungsweise wie Astrazeneca und der jüngst zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson. Wir haben Impfstoffforscher Dr. Torben Schiffner zu den Unterschieden befragt.

Zwei Ampullen mit dem Sputnik-V-Impfstoff auf einer Handfläche
"Ich halte ihn für ähnlich sicher wie die anderen zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19", sagt Impfstoffforscher Dr. Schiffner über Sputnik V. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Sputnik V vor der Zulassung?

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist zugelassen, ein weiterer könnte bald folgen: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat mit der Überprüfung des Vakzins Sputnik V begonnen. Der Impfstoffentwickler Dr. Torben Schiffner von der Universitätsklinik Leipzig kann eventuelle Vorbehalte gegen den russischen Impfstoff nicht nachvollziehen. Und auch beim Meinungsbarometer "MDRfragt" gaben 75 Prozent von 25.000 Befragten an, dass sie sich sofort mit Sputnik V impfen lassen würden.

Dr. Torben Schiffner, der an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ein neues Institut für Wirkstoffentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie aufbaut, äußert sich im Interview mit dem MDR-Gesundheitsmagazin "Hauptsache Gesund" zu den Unterschieden der Impfstoffe.

Interview mit Impfstoffforscher Dr. Torben Schiffner

Dr. Schiffner, zurzeit wird die Zulassung von Sputnik V für die EU geprüft. Wie sicher ist dieser Impfstoff?

Dr. Schiffner: Ich halte ihn für ähnlich sicher wie die anderen zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19. Eine Phase-III-Studie in Russland wurde im Februar im renommierten Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht. Die Ergebnisse sind vielversprechend, das Schutzniveau liegt bei 91,6 Prozent. Die Daten sind aussagekräftig, denn die Studie umfasste mehr als 20.000 Probanden.

Wie funktioniert der russische Impfstoff?

Dr. Schiffner: Wie auch bei Astrazeneca handelt es sich um einen Vektorimpfstoff, der auf Adenovirenbasis funktioniert: Adenoviren werden als Träger verwendet, um das Gen für das Spike-Protein des Corona Virus in menschliche Zellen zu transportieren. Die Zellen selber produzieren dann dieses Protein, welches vom Immunsystem erkannt wird. Allerdings werden bei Astrazeneca Adenoviren von Affen verwendet, während Sputnik V Adenoviren von Menschen verwendet.

Impfstoffforscher Torben Schiffner von der Uniklinik Leipzig
Dr. Torben Schiffner forscht am Universitätsklinikum Leipzig an Impfstoffen. Bildrechte: Universität Leipzig

Und das Vakzin von Johnson & Johnson, das gerade die Zulassung erhielt?

Dr. Schiffner: Das funktioniert, genau wie Sputnik, über Adenoviren von Menschen. Allerdings hat der Impfstoff von Johnson & Johnson einen großen Vorteil: Bei diesem Vakzin reicht tatsächlich nur eine Impfung für einen hohen Schutz, bei Astrazeneca und Sputnik V braucht man zwei Impfungen.

Hat das Vakzin noch einen anderen Vorteil?

Der größte Vorteil des Johnson & Johnson-Vakzins ist: Wir wissen, dass es gegen die Varianten aus Brasilien und Südafrika wirkt! Das hat folgenden Hintergrund: Bei der Planung der Phase-III-Studie wurden unter anderem diese beiden Länder als Studien-Orte ausgewählt. Zum damaligen Zeitpunkt Zufall, denn da waren die Mutationen noch nicht entdeckt. Zur Zeit der Studienphase konnte dadurch aber in Brasilien und Südafrika der Schutz vor den mutierten Varianten getestet werden – die Daten lassen erkennen, dass der Impfstoff auch gegen diese Virusmutationen wirkt. Für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna liegen vergleichbare klinische Daten derzeit noch nicht vor.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. März 2021 | 21:00 Uhr

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