Haben Zivilisten überlebt? Was über das zerstörte Theater im ukrainischen Mariupol bekannt ist

Aktuell-Redakteure - Lucas Grothe
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Die Hafenstadt Mariupol wird seit Tagen von russischen Truppen belagert. Nun wurde das Theater zerstört – dort sollen hunderte Menschen Schutz gesucht haben. Am Donnerstagvormittag gab es vorsichtige Entwarnung.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt das Schauspielhaus von Mariupol am Montag den 14. März 2022.
Das Theater von Mariupol vor der Zerstörung. Bildrechte: dpa

Die ukrainische Hafenstadt Mariupol ist zu einem Symbol des Angriffs auf die Ukraine geworden. Seit Tagen wird sie von russischen Truppen belagert, es gibt viele Tote. Am Mittwochabend sorgte dann eine neue Meldung aus Mariupol für Entsetzen. Das Theater der Stadt, ein weißer Prachtbau mit rotem Dach auf einem zentralen Patz der Stadt, war zerstört worden.

Der Stadtrat von Mariupol postete beim Messengerdienst Telegram ein Bild, welches das zerstörte Gebäude zeigen soll. Rauch steigt aus den Trümmern auf.

Der Stadtrat schrieb, dass in dem Gebäude Frauen und Kinder Zuflucht gesucht hätten. Das Bild selber stammte vom Telegram-Kanal "Mariupolnow". Dort werden regelmäßig Bilder und Videos aus der teilweise zerstörten Stadt am Schwarzen Meer gepostet – am Mittwochabend mehrere Bilder und Videos des zerstörten Theater-Gebäudes.

Später zeigte auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bei Twitter zwei Bilder des Theaters. Er sprach von "Kriegsverbrechen" und kommentierte, dass die Russen hätten wissen können, dass dies ein Zufluchtsort für Zivilisten gewesen sei. ("Russians could not have not known this was a civilian shelter.")

Human Rights Watch: Mindestens 500 Menschen in Theater in Mariupol

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach davon, dass mindestens 500 Menschen in dem Gebäude gewesen seien. Der Stadtrat von Mariupol schrieb von mehreren hundert Menschen, die sich in dem Bunker in Sicherheit gebracht hätten. Der Eingang sei zerstört worden.

Am Donnerstagvormittag gab es dann vorsichtige Entwarnung: "Nach einer schrecklichen Nacht der Ungewissheit am Morgen des 22. Kriegstages endlich gute Nachrichten aus Mariupol! Der Luftschutzbunker hat standgehalten", schrieb Serhij Taruta nach Angaben mehrerer Medien am Donnerstagvormittag auf Facebook. Taruta ist Abgeordneter aus der Region. Allerdings war der Post bei Facebook zunächst nicht zu finden. Weiter habe er geschrieben, mit dem Entfernen der Trümmer sei begonnen worden. "Die Menschen kommen lebend heraus!" Diese Angaben ließen sich zunächst allerdings nicht unabhängig überprüfen.

Petro Andruschtschenko, ein Berater des Bürgermeisters der Stadt, sagte in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Reuters jedoch ebenfalls, der Luftschutzkeller unter dem Theater habe dem russischen Angriff standgehalten. "Jetzt werden die Trümmer beseitigt. Es gibt Überlebende." Wie viele Opfer es gegeben habe, sei noch nicht bekannt.

Gegen Mittag schrieb die ukrainische Parlamentsabgeordnete Olga Stefanyshyna dann bei Facebook, dass rund 130 Menschen aus dem Bunker unter dem Theater gerettet worden sein. Diese Aussage ließ sich aber nicht unabhängig verifizieren.

Ukrainer hatten auf Kinder im Gebäude hingewiesen

Was genau zu der Zerstörung des Theaters geführt hat, ist bisher unklar. Ukrainische Offizielle sprechen von einer russischen Bombe, Russland wiederum bestreitet das. Das auf Satellitenaufklärung spezialisierte US-Unternehmen Maxar veröffentlichte Satellitenbilder, die vom Montag (14. März 2022) stammen sollen. Darauf ist das noch unzerstörte Theater von Mariupol zu sehen.

Entscheidend dabei sind vor allem die weißen Buchstaben in russischer Sprache, die auf beiden Seiten neben dem Gebäude auf den Platz geschrieben wurden – und die gut aus der Luft zu erkennen sind. Dort steht übersetzt "Kinder". Damit wollten die Menschen anscheinend darauf aufmerksam machen, dass sich Zivilisten in dem Gebäude befinden.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt das Schauspielhaus von Mariupol am Montag den 14. März 2022.
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt das Schauspielhaus von Mariupol am Montag, 14. März 2022. Gut zu erkennen ist die weiße Schrift in russischer Sprache. Dort steht übersetzt "Kinder". Bildrechte: dpa

Aus Mariupol gibt es seit Tagen dramatische Berichte. Die Stadt am Asowschen Meer ist komplett von russischen Truppen eingeschlossen, bisher aber nicht erobert worden. Sie liegt auf der Landroute zwischen den von Russland anerkannten sogenannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine und der russisch besetzten Krim. Das macht die Stadt strategisch wichtig.

Aufnahmen aus der Stadt zeigen extreme Zerstörungen, außerdem gibt es Berichte über viele Tote und Verletzte sowie über Versorgungsprobleme der Menschen. Zuletzt konnten einige Zivilisten über kurzzeitig eingerichtete humanitäre Korridore die Stadt verlassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2022 | 08:06 Uhr

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