Floyd-Prozess Ex-Polizist in allen Punkten schuldig

Der Ex-Polizist Derek Chauvin ist von einem Geschworenengericht in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß wird später verkündet. Nach dem Urteil sprach US-Präsident Biden von einem "Schritt in Richtung Gerechtigkeit" in seinem Land, das aber noch mehr gegen seinen Rassismus tun müsse. Die Verteidigung von Chauvin hatte dessen Freispruch gefordert, der Angeklagte selbst im Prozess nichts gesagt.

Der Angeklagte Derek Chauvin hört zu, während dessen Verteidiger Nelson ein Schlussplädoyer hält.
Derek Chauvin an einem früheren Prozesstag: Jetzt ist er in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Bildrechte: dpa

Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das teilte Richter Peter Cahill am Dienstag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota mit. Das Strafmaß wird demnach vom Gericht in etwa acht Wochen festgelegt und verkündet. Chauvin droht eine lange Haft.

Verteidiger wollte Freispruch

Richter Peter Cahill des Hennepin County bespricht Anträge im Gericht.
Richter Peter Chahill Bildrechte: dpa

Er war wegen Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades angeklagt, worauf jeweils Haftstrafen unterschiedlicher Länge stehen. Die Staatsanwaltschaft hatte Schuldsprüche in allen Punkten gefordert. Chauvin habe Floyd durch seinen Knie-Einsatz getötet, was keine normale Polizeiarbeit gewesen sei.

Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert, sein Verteidiger Eric Nelson einen Freispruch gefordert. Chauvin habe rechtmäßig und gemäß der Polizeiregeln gehandelt und Zwangsmittel eingesetzt, da Floyd bei seiner Festnahme aktiven Widerstand geleistet habe. Auch habe die Staatsanwaltschaft nicht zweifelsfrei belegen können, dass nicht auch Herzprobleme und Drogenkonsum bei dem Todesfall eine Rolle spielten.

Kein Wort des Angeklagten

Im Alter von 46 Jahren war Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer Festnahme wegen Falschgeldvorwürfen gestorben. Videos zeigen, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste sein Knie rund neun Minuten lang in den Hals des Mannes, obwohl der wiederholt klagte, er könne nicht atmen. Im Prozess sagten mehr als 40 Menschen aus, Augenzeugen und Experten. Polizisten von Minneapolis belasteten Chauvin. Er selbst sagte nicht aus.

Biden und Harris: "Ein Schritt" zur Gerechtigkeit

Das Ende des etwa drei Wochen langen Prozesses wurde von der Familie mit Erleichterung aufgenommen. Der Bruder des Toten, Philonise Floyd, sagte: "Heute können wir wieder atmen." US-Vizepräsidentin Kamala Harris sagte, Erleichterung über das Urteil könne den Schmerz über den Verlust nicht lindern. Es bringe die USA jedoch "einen Schritt näher" zur Gerechtigkeit. US-Präsident Joe Biden sagte, das Urteil markiere eine "bedeutende Veränderung" in seinem Land, das aber nach wie vor von systemischem Rassismus geprägt sei.

Jubel nach Schuldspruch im George-Floyd-Prozess
Die Familie von Floyd nach dem Schuldspruch mit ihrem Anwalt Benjamin Crump (links) Bildrechte: IMAGO / ZUMA Press

Kirchenvertreter äußerten sich ähnlich. Die Ermordung von Floyd sei "ein Symptom einer tiefliegenden Krankheit" in der Gesellschaft, sagte etwa der für Minnesota zuständige Bischof der anglikanischen Episkopal-Kirche, Craig Loya.

Quellen: dpa, AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2021 | 22:30 Uhr

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