Chicago Verdächtiger nach Schüssen auf US-Parade gefasst

Nach den tödlichen Schüssen bei einer Parade zum US-Unabhängigkeitstag nahe Chicago hat die Polizei den Verdächtigen gefasst. Er soll mindestens sieben Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt haben. Der Angriff hatte laut Medienberichten Panik unter den Paradebesuchern ausgelöst.

Polizist nach Schüssen in Chicago
In der US-Stadt Chicago sind am Montag bei einer Parade zum Nationalfeiertag mehrere tödliche Schüsse gefallen. Bildrechte: dpa

Mehrere Stunden nach den tödlichen Schüssen bei einer Parade zum US-Nationalfeiertag im Bundesstaat Illinois haben die Ermittler den mutmaßlichen Täter gefasst. Wie mehrere US-Medien berichten, handelt es sich um einen 22-Jährigen. Er wurde demnach im Norden Chicagos in Gewahrsam genommen. Die Beamten hätten ihn in einem Auto gestoppt, daraufhin habe der Mann versucht zu fliehen. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd sei er dann festgenommen worden.

Hintergründe der Tat noch unklar

Der mutmaßliche Schütze soll bei der Parade anlässlich des US-Unabhängigkeitstages in Highland Park, einem Vorort von Chicago, mindestens sieben Menschen getötet haben. Mindestens 30 Personen wurden laut Behörden verletzt.

Nach Polizeiangaben soll der Mann vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus mit einem "leistungsstarken Gewehr" wahllos auf die feiernde Menschenmenge geschossen haben. Dabei soll er rund 70 Schüsse abgegeben haben. Medienberichten zufolge konnte der Tatverdächtige über DNA-Spuren am Gewehr identifiziert werden.

Laut Polizei soll der mutmaßliche Täter bei dem Angriff Frauenkleider getragen haben. Man gehe davon aus, dass er damit seine Tatoos und seine Identität verschleiern wollte, sagte ein Polizeisprecher. Das sollte ihm bei der Flucht helfen. Die Tat habe er offenbar monatelang geplant.

Zudem werden dem Verdächtigen mehrere im Internet veröffentlichte Musikvideos zugeschrieben, die Szenen von Waffengewalt zeigen. US-Medien berichten, der Mann habe versucht, sich einen Namen als Rapper zu machen. Mehrere Social-Media-Konten, die mutmaßlich ihm zuzuordnen sind, wurden inzwischen gesperrt.

Zu den Ermittlungen sei die Bundespolizei FBI hinzugezogen worden. Die Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt.

Anklage wegen siebenfachen Mordes

Die US-Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Täter des siebenfachen Mordes angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit einer Bewährung, sagte der Staatsanwalt von Illinois, Eric Reinhart auf einer Pressekonferenz. Dutzende weitere Anklagepunkte würden noch folgen.

Der mutmaßliche Täter war wegen eines Suizid-Versuchs und Bedrohung von Familienmitgliedern bereits vor dem Angriff polizeibekannt. Die Behörden beschlagnahmten einst 16 Messer, einen Dolch und ein Schwert. Für eine Verhaftung habe es aber zu dem Zeitpunkt keine ausreichenden Gründe gegeben, erklärte ein Polizeisprecher.

Angriff löste Panik aus

Chicago: Blick auf eine verlassene Bäckerei, nachdem verängstigte Paradebesucher vor Schüssen geflohen sind und ihre Habseligkeiten zurückgelassen haben.
Leere Straßen: Die Polizei forderte dazu auf, dem Gebiet fernzubleiben. Bildrechte: dpa

Ein Augenzeuge sagte dem Sender CNN, er habe bei dem Angriff in Highland Park rund 30 Knallgeräusche gehört. Menschen seien von der Parade geflohen. Es sei chaotisch gewesen. Das Fest zum Unabhängigkeitstag wurde anschließend abgesagt.

US-Präsident Joe Biden zeigte sich erschüttert über den Angriff. Er sagte, er und seine Frau Jill seien "von sinnloser Schusswaffengewalt schockiert, die wieder einmal einer amerikanischen Gemeinde Trauer gebracht hat". Er werde den Kampf gegen die "Epidemie der Waffengewalt" nicht aufgeben.

Erneute Debatte über Waffengesetze in den USA

Die USA haben seit Langem mit einem riesigen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai hatte ein 18 Jahre alter Schütze an einer Grundschule in Texas ein Massaker angerichtet und 19 Kinder und 2 Lehrerinnen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Der Gesundheitsbehörde CDC zufolge wurden 2020 landesweit fast 20.000 Menschen erschossen – mehr als 50 pro Tag.

Die Tat hatte die Diskussion über schärfere Waffengesetze in den USA erneut entfacht. Schusswaffen sind in den Vereinigten Staaten relativ leicht erhältlich.

Afp,dpa(nvm/rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2022 | 20:00 Uhr

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