Vulkanausbruch auf La Palma Welche Folgen Vulkanausbrüche auf das Wetter haben

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Seit Wochen stößt der Vulkan auf der kanarischen Insel La Palma Lava und Asche aus. Mehr als 7.000 Menschen mussten evakuiert werden. Häuser, Plantagen und Straßen liegen unter schwarzem Staub begraben. Die Insel selbst ist in Rauchwolken gehüllt. MDR-AKTUELL-Hörer Tilo Kleßig aus dem sächsischen Leubsdorf möchte nun wissen, ob es möglich ist, so einen Vulkanausbruch zu verhindern und ob dieser Auswirkungen auf das Wetter in Europa hat.

Lava fließt aus dem Vulkan Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma.
Erst diese Woche sorgte der Vulkan Cumbre Vieja auf der Insel La Palma erneut für Störungen im Flugverkehr. Bildrechte: dpa

Ein Donnern und Grollen umfängt die Kanareninsel La Palma. Seit Mitte September brodelt der Vulkan Cumbra Vieja. An manchen Tagen stieß er mehr als 53.000 Tonnen Schwefeldioxid aus. Damit stiegen auch die SO2-Werte in der Atmosphäre. Die Schwefelwolke zog zeitweise bis nach Europa und verfärbte den Himmel über der Schweiz orangerot.

"Aber das hat keine Auswirkungen auf das Wetter", sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst, "das ist auch für die Bevölkerung hier in Mitteleuropa nicht relevant, weil das nur in größeren Höhen stattfand und hier am Boden kaum messbar war."

Auswirkungen auf das globale Klima sind selten

Im Gebiet rings um die kanarischen Inseln könnte der Vulkanausbruch aber durchaus Folgen für das Wetter haben, erläutert Friedrich: "Man hat dort natürlich zum Teil durch diese Ruß- und Rauchwolken eine Abschirmung der Sonneneinstrahlung.

Das heißt, man kann davon ausgehen, dass das Wetter dort etwas kühler ist, als normal. Es kann auch sein, dass es vermehrt zu lokalen Niederschlägen kommen kann, wenn Schauerwolken ausgelöst werden, die durch die Staubpartikel verstärkt werden können."

Die gigantischen Aschewolken, die bei sehr starken Vulkanausbrüchen in den Himmel geschleudert werden, können sogar das globale Klima ändern. Allerdings seien das seltene Jahrhundertereignisse, sagt Wetterexperte Friedrich. Beispiel: Die Eruption des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815. Darauf folgte ein sehr kühles Jahr, das als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte einging.

"Weil diese Rußpartikel, wenn sie in die Stratosphäre gehen – das ist die Luftschicht von zehn, zwölf Kilometer Höhe über unseren Köpfen – dort kann sich der Ruß halten und führt zu einer Absorption der Sonnenstrahlung und das hat Temperaturschocks ausgelöst, die unser Klima dann auf der Welt beeinflusst hatten."

Wie Vulkanausbrücke verhindert werden könnten

Bei den meisten Vulkanausbrüchen sind die Auswirkungen auf dem Land aber verheerender: Auf La Palma zum Beispiel wurden bereits über 2.700 Gebäude zerstört. Könnte man solche Ausbrüche nicht abmildern?

Die Frage sei gar nicht so abwegig, erläutert Donald Dingwell, Geologe und Professor für experimentelle Vulkanologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Wir würden wahrscheinlich über ein Thema reden, wo zukünftige Generationen in der Lage dazu wären. Also, die Diskussion stellt sich schon. Es ist sehr viel Energie da unten. Und theoretisch könnte man versuchen, diese Energie dem System zu entziehen, ohne dass das ausbrechen muss."

So diskutieren Forscher der Nasa darüber, ob man einen Vulkan im Yellowstone-Nationalpark anbohren könnte, um Hitze entweichen zu lassen. In Island hat man mit Wasser experimentiert, um die Lavaströme abzukühlen. Und auf Sizilien wurden Rinnen gegraben, die das flüssige Gestein an den Siedlungen vorbeileiten sollten.

Ob diese Maßnahmen tatsächlich wirkten, so Donald Dingwell, sei jedoch noch nicht bewiesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2021 | 08:25 Uhr

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