UN-Klimabericht Klimawandel ist menschengemacht und schlimmer als gedacht

Verheerende Brände in Griechenland und der Türkei, eine Hinzewelle in Kanada, Überschwemmungen in Deutschland – all das sind Extrem-Wetterereignisse, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden. Der Weltklimarat der UN betont jetzt: Die als Ursache ausgemachte Erderwärmung ist zweifelsfrei menschengemacht. Und die Lage ist noch schlechter als angenommen.

Fieberthermometer im Boden und Erdkugel, Symbolfoto Klimaerwärmung
Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Der Klimawandel vollzieht sich schneller und folgenschwerer als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis des neuesten Berichts des Weltklimarats (IPCC) Die Erde werde sich bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen – und damit zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert, heißt es in dem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht.

Kerninfos zum Klimawandel in nur 20 Worten:
1. Er ist real.
2. Wir sind die Ursache.
3. Er ist gefährlich.
4. Die Fachleute sind sich einig.
5. Wir können noch etwas tun.

Deutsche Klima-Konsortium Verband deutscher Forschungseinrichtungen

Die Erderwärmung sei dabei "eindeutig" durch den Menschen verursacht. Die bereits stattgefundene Erwärmung um 1,1 Grad seit Mitte des 19. Jahrhunderts sei bis auf einen Bruchteil auf den Menschen zurückzuführen. Die "Rolle des menschlichen Einflusses auf das Klimasystem ist unbestritten", erklärte Valérie Masson-Delmotte, Ko-Vorsitzende der zuständigen IPCC-Arbeitsgruppe. In einem früheren IPCC-Bericht von 2014 war nur die globale Erwärmung selbst als "eindeutig" bezeichnet worden.

Einige Auswirkungen der Erderwärmung wie der Anstieg der Meeresspiegel und das Schmelzen der Gletscher sind nach Angaben der UN-Klimaexperten bereits heute "unumkehrbar". Selbst bei einer drastischen Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen würden die Meeresspiegel weiter ansteigen und "für tausende Jahre erhöht bleiben", heißt es in dem Bericht. Die Meeresspiegel könnten demnach bis zum Jahr 2100 um bis zu einen Meter steigen.

Der Weltklimarat IPCC IPCC steht für Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel). Ins Leben gerufen hatten ihn das UN-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltwetterorganisation (WMO) im Jahr 1988. Der Weltklimarat hat inzwischen knapp 200 Mitgliedsländer. Das Gremium mit Sitz in Genf soll aufzeigen, wie sich der Klimawandel auf Mensch und Natur auswirkt. Der IPCC forscht selbt nicht, sondern stellt alle international verfügbaren Forschungen zum Thema zusammen. (Quelle: dpa/MDR)

Die IPCC-Berichte gelten als wegweisend für die globale Klimapolitik. Im ersten Teil, an dem etwa 240 Expertinnen und Experten aus 66 Ländern mitgewirkt haben, geht es um naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Teile zu Folgen des Klimawandels und Möglichkeiten der Anpassung sowie zu Wegen zu einer Minderung der Treibhausgasemissionen folgen.

Dieser Bericht muss die Totenglocke für Kohle und fossile Treibstoffe läuten, bevor sie unseren Planeten zerstören.

António Guterres UN-Generalsekretär

Die Erkenntnisse sind von wesentlicher Bedeutung für die Frage, wie das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Derzeit steuert die Erde auf eine Erwärmung von mindestens drei Grad zu.

Nach Veröffentlichung des Berichts warfen Umweltorganisationen der Politik ein zu zögerliches Handeln vor. "Das Schockierende dieses Berichts ist, dass alles Alarmierende darin abzusehen war – und doch bewegen sich Regierungen und Konzerne beim Klimaschutz noch immer im Schneckentempo", sagte Greenpeace-Klimaexperte Christoph Thies am Montag.

Luisa Neubauer beim Interview.
Luisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future Bildrechte: NDR/rbb/Jürgen Todt

Die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future wandte sich ebenfalls mit harten Worten an die Politik. "Wir stehen wenige Woche vor der Bundestagswahl in einem der Hauptverursacherländer der Klimakrise und keine der Parteien hat eine angemessene Antwort auf die Drastik der Lage", erklärte Sprecherin Luisa Neubauer. Sie forderte die Neuverhandlung der Wahlprogramme, die alle 1,5-Grad-konform sein müssten.

Der WWF forderte, die Wahl im Herbst müsse eine Klimawahl werden: "Lauter als im neuen Bericht des Weltklimarats kann die Wissenschaft nicht mehr warnen", erklärte Christoph Heinrich, Vorstand für Naturschutz. "Wir müssen dringend handeln, ein weiteres Zögern werden wir uns selbst nicht mehr verzeihen können – ganz zu schweigen von unseren Kindern."

Das MDR Klima-Update

Wie der Mensch das Klima verändert, muss mehr Aufmerksamkeit bekommen – finden wir beim MDR. Deshalb gibt es zur Klimakrise jetzt das MDR-Klima-Update. Immer freitags wird darin die Klimakrise beleuchtet. Dabei geht es um Themen wie Erderwärmung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Quellen: AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 09. August 2021 | 11:00 Uhr

Mehr aus der Welt

Mehrere Gleitschirme schweben über dem Meer 1 min
Drei Gleitschirmflieger abgestürzt und verletzt bei Internationalem Air-Games-Festival in der Türkei Bildrechte: Reuters