Afghanistan Internationale Presseschau: "Schande und globales Desaster"

20 Jahre Nato-Einsatz in Afghanistan, das nun wie vor der Intervention in der Hand der Taliban ist. Verzweifelte Szenen am Flughafen in Kabul und ein US-Präsident, der sein Vorgehen rechtfertigt. Das sagt die internationale Presse zu den Ereignissen am Hindukusch.

Taliban-Kämpfer patrouillieren in der Stadt Ghazni südwestlich von Kabul, Afghanistan
Taliban-Kämpfer patrouillieren in der Stadt Ghazni südwestlich von Kabul. Bildrechte: dpa

"Times": "Leid und Unterdrückung"

"Die Machtübernahme durch die Taliban wird für die afghanische Bevölkerung, insbesondere für die Frauen, Leid und Unterdrückung zur Folge haben", schreibt die Times aus London. "Sie wird einen erneuten Flüchtlingsstrom nach Pakistan und in andere Nachbarstaaten auslösen und ein Wiederaufleben des islamistischen Terrorismus nach sich ziehen, mit dem die US-geführte Intervention im Jahr 2001 ursprünglich gerechtfertigt worden war. Und sie wird das Vertrauen der freien Welt und von Dissidenten in autokratischen Staaten in die amerikanische Führung beschädigen."

NZZ: "Globales Desaster"

Die Neue Zürcher Zeitung formuliert es noch drastischer: "Dass die Amerikaner und ihre Verbündeten Millionen von Afghanen, die nicht unter islamistischer Herrschaft leben wollen, einfach im Stich lassen – das ist eine Schande und ein globales Desaster. Niemand weiß mehr, wofür die Amerikaner einstehen. Der internationale Dschihadismus triumphiert."

De Volksrant: "Truppen zu schnell abgezogen"

De Volkskrant aus Amsterdam meint: "Die große Enttäuschung nach 20 Jahren westlicher Intervention besteht auch in der Erkenntnis, dass man einem konservativen und ethnisch zerstrittenen Land offensichtlich keine moderne Demokratie auferlegen kann, wenn es dazu nicht bereit ist. Das war auch die Schlussfolgerung von US-Präsident Joe Biden, dem man nun vorwirft, seine Truppen zu schnell abgezogen zu haben."

Wall Street Journal: "Biden selbst der Hauptverantwortliche"

Auf Bidens Reaktion zur Machtübernahme der Taliban geht das Wall Street Journal ein: "Wir hatten gehofft, dass Herr Biden etwas Verantwortung übernehmen und erklären würde, wie er dieses Chaos beheben will. Er hat nichts von alledem getan und damit deutlich gemacht, dass er selbst der Hauptverantwortliche für diese unnötige amerikanische Kapitulation ist."

Magyar Menzet: "Erinnert an Fiasko von Vietnam"

Und so kommt auch die ungarische Zeitung Magyar Nemzet zu dem Schluss: "Das hässliche Desaster erinnert an das Fiasko von Vietnam und die 1975 in Saigon abhebenden letzten amerikanischen Helikopter. Es wird an Biden kleben bleiben wie Kot am Schuh, wie Watergate an Nixon, wie die pikanten Geheimnisse des Oval Office an Bill Clinton."

Die Entwicklungen in Afghanistan im Überblick:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2021 | 12:35 Uhr

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