Afghanistan Kabul-Luftbrücke der Deutschen könnte zum Wochenende enden

Die Luftbrücke aus Kabul könnte bereits am Freitag oder Samstag enden. Das hat die ARD in Taschkent erfahren. Die Truppen bräuchten anschließend noch Zeit, die eigenen Leute und Material bis zum 31. August außer Landes zu bringen. Inzwischen sagten die Taliban auch Ausreisen für Afghanen nach dem US-Truppenabzug zu.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet am Morgen auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Angesichts des rasanten Vormarschs der Taliban in Afghanistan will die Bundeswehr am Montag (16.08.2021) mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte aus Kabul beginnen.
Die Evakuierung in Kabul durch die Bundeswehr könnte zum Wochenende hin enden. Bildrechte: dpa

Die Evakuierungsflüge der Bundeswehr aus Kabul könnten am Freitag oder Samstag enden. Das erklärten übereinstimmend die Bundeswehr und das Auswärtige Amt der ARD in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Alle internationalen Truppen bräuchten Zeit, um ihr eigenes Personal und Material vor dem 31. August außer Landes zu schaffen.

Nach Angaben der Behörden sind derzeit bis Freitag Flüge aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent in die afghanische Hauptstadt Kabul geplant. In Taschkent landen alle Flüge zwischen, die Menschen aus Kabul nach Deutschland holen. Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 4.600 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Die Taliban hatten angekündigt, ab September keine Evakuierungsmissionen mehr zu dulden. Inzwischen sagten sie in den Verhandlungen mit der Bundesregierung zu, dass Afghanen auch dann noch das Land verlassen dürften. Das twitterte der deutsche Verhandlungsführer Markus Potzel nach Gesprächen mit dem Vizechef des politischen Büros der Taliban in Katar, Schir Mohammed Abbas Staneksai. Dieser habe ihm versichert, dass Afghanen mit gültigen Ausweisdokumenten nach dem 31. August weiterhin die Möglichkeit haben würden, mit kommerziellen Flügen auszureisen.

Bundeskanzlerin gibt Regierungserklärung zu Afghanistan ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte unterdessen in einer Sondersitzung des Bundestags am Mittwochmittag ein, man habe die Geschwindigkeit der Entwicklungen in Afghanistan unterschätzt. In einer Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan plädierte sie zudem dafür, so viel wie möglich von dem zu bewahren, was man in den vergangenen 20 Jahren in dem Land erreicht habe.

Die Bundesregierung steht in der Kritik, die Entwicklung in Afghanistan falsch eingeschätzt und die Evakuierungen zu spät begonnen zu haben. Der Einsatz ist auf die US-Truppen angewiesen, die den Flughafen von Kabul schützen. US-Präsident Joe Biden hält an dem Ziel fest, bis Ende des Monats alle Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.

Bundeswehrverband: Gefahr eines Anschlag am Kabuler Flughafen "enorm"

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, André Wüstner, warnte angesichts des bevorstehenden US-Truppenabzugs vor einer zunehmenden Gefährdung am Kabuler Flughafen. Im ZDF-Morgenmagazin sagte er, "einerseits wissen die Afghanen, dass das Zeitfenster sich jetzt schließt, dass die Schlinge der Taliban sich zuzieht, das wird nochmal den Druck erhöhen in Richtung Flughafen". Die Gefahr eines Anschlags bezeichnete Wüstner als "enorm".

Deutschland müsse in dieser Situation hoffen, "dass uns die Amerikaner in der letzten Phase weiterhin den Rücken freihalten", sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands. Er kritisierte die Abhängigkeit Deutschlands und Europas von den USA.

Quelle: ARD/afp/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. August 2021 | 08:00 Uhr

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