Afghanistan Mindestens 92 Tote bei Anschlägen am Kabuler Flughafen

Bei den vom IS reklamierten Terror-Anschlägen am Flughafen in Kabul sind mindestens 92 Menschen getötet worden, unter ihnen auch 13 US-Soldaten. US-Präsident Biden kündigte einen Gegenschlag an. Unterdessen sind so gut wie alle militärisch abgesicherten Evakuierungsmissionen westlicher Länder in der afghanischen Hauptstadt Kabul beendet worden – bis auf die der USA.

Rauch steigt von einer Explosion außerhalb des Flughafens in Kabul auf
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Bei den Anschlägen am Kabuler Flughafen sind insgesamt mindestens 92 Menschen getötet worden. Nach Angaben des afghanischen Gesundheitsamts kamen mindestens 79 Einheimische ums Leben, auch viele Frauen und Kinder. Mehr als 150 Menschen seien verletzt. Laut US-Verteidigungsministeriums wurden auch 13 US-Soldaten getötet und 18 weitere verletzt. Mit weiteren Todesopfern ist wegen der hohen Zahl an Verletzten zu rechnen.

Mehrere Attentäter mit Sprengstoffwesten und Gewehren hatten am Donnerstag eines der drei Tore des Flughafens angegriffen, wo tausende Menschen auf Platz in einem der letzten Evakuierungsflugzeuge warteten. Einer der Selbstmordattentäter zündete seine Bombe nahe eines Hotels unweit des Flughafens.

Biden kündigt Gegenschlag an

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Anschläge für sich. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an. Er wolle die Drahtzieher mit einem Gegenschlag bestrafen, sagte er: "Wir werden euch jagen und dafür bezahlen lassen." Er habe das Pentagon gebeten, Pläne dafür zu entwickeln. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki sagte, Bilden habe angeordnet, die Drahtzieher töten zu lassen: "Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben".

Zuvor hatten unter anderem auch Botschaften in Kabul vor einem IS-Anschlag gewarnt und Menschen aufgerufen, das Gebiet um den Flughafen zu räumen. Der IS in Afghanistan ist eine Abspaltung von Taliban-Kämpfern, die auch Minderheiten wie die Schiiten angreifen. Der Anschlag vom Donnerstag ist der erste seit der Machtübernahme der Taliban vor gut zehn Tagen, seit sie mit der Hauptstadt Kabul das Land vollständig einnahmen und nun versuchen, es zu kontrollieren.

Nouripour: Gespräche mit Taliban ohne Anerkennung

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour hat derweil die Bundesregierung aufgefordert, mit den Taliban in Afghanistan zu reden. Er sagte MDR AKTUELL, die Regierung habe es versäumt, alle Ortskräfte in Sicherheit zu bringen. Auch seien noch immer deutsche Staatsbürger in Afghanistan. Man werde also mit den Taliban verhandeln müssen, um auch diese Leute noch rausholen zu können.

Nach Angaben der Bundesregierung hatte ein deutscher Vertreter vor einigen Tagen bereits mit einem Taliban-Vertreter in Katar gesprochen und die Zusage erhalten, dass weitere Menschen das Land verlassen könnten.

Nouripour warnte allerdings auch davor, die Taliban anzuerkennen und sie gegen den IS-Terror in Stellung zu bringen. Es habe sich noch nie bewährt, "Schurken Geld und Waffen zu geben, damit sie andere Schurken bekämpfen".

Ein Sprecher des Außenministeriums sagte am Freitag, es seien noch etwa 300 Deutsche in Afghanistan. Laut einem Schreiben von Außenminister Heiko Maas an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion signalisierten die Taliban, dass sie auch Ausreisen von Afghanen mit gültigen Papieren weiter zulassen werden. Nach einer Übersicht des Ministeriums waren bis zum Freitag weitere 10.000 bislang noch im Land lebende Afghanen als schutzwürdig identifiziert worden.

Konkurrenz zwischen IS und Taliban

Bei den Anschlägen sollen nach Angaben der Taliban auch mindestens 28 ihrer Mitglieder ums Leben gekommen sein. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace sprach von einer anhaltenden Gefahr neuer Anschläge. Je näher der Abzug rücke, umso größer die Bedrohung, denn die IS-Extremisten wollten den Eindruck erzeugen, dass sie den Abzug der westlichen Truppen erzwungen hätten.

Wie die Bundeswehr am Donnerstag, haben am Freitag auch die britischen Soldaten nach Angaben des Verteidigungsministeriums ihren Einsatz und ihre Evakuierungsaktion am Flughafen Kabul beendet. Die USA wollen ihren trotz oder wegen der Terrorgefahr noch bis Dienstag fortsetzen, wie Präsident Biden bekräftigte.

Um die US-Truppen nötigenfalls zu unterstützen, belässt die Bundeswehr ihr Medivac-Flugzeug zur Versorgung von Verletzten noch 24 Stunden länger als geplant in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Laut Verteidigungsministerium will man vorerst noch abwarten, ob das Santätsflugzeug noch gebraucht werde.

Quellen: AFP, reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. August 2021 | 10:00 Uhr

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