Lage in Afghanistan Taliban sprechen über neue Regierung

Während die Evakuierungsaktionen westlicher Länder am Flughafen Kabul weiter laufen, kündigten die Taliban an, über eine neue Regierung sprechen zu wollen. Einer ihrer Gründer, Baradar, kehrte dazu nach Kabul zurück. Dabei haben die Kämpfer der Taliban anscheinend doch noch nicht das ganze Land unter Kontrolle. Im Pandschir-Tal könnte es Widerstand geben. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bestätigte ungeachtet dessen Gespräche mit den Taliban.

Satellitenfoto Flughafen Kabul
Satelliten-Foto vom Flughafen der afghanischen Haupstadt Kabul Bildrechte: dpa

Gut eine Woche nach ihrer Machtübernahme haben die Taliban in Afghanistan einen Rahmenplan für eine Regierung des Landes angekündigt. Nach Angaben eines Sprechers arbeiten Juristen, Geistliche und Außenpolitik-Experten daran.

Der Sprecher sagte in Kabul auch, dass Berichte über Gewalttaten von Taliban-Kämpfern geprüft würden. Sollten Vergeltungsakte und Gräueltaten von eigenen Kämpfern verübt worden sein, würden die Verantwortlichen bestraft. Weiter hieß es, Taliban-Mitbegründer Mullah Abdul Ghani Baradar sei jetzt in Kabul, um "mit Dschihadistenführern und Politikern eine inklusive Regierung zu bilden".

Baradar war 2010 in Pakistan inhaftiert worden, 2018 auf Druck der USA aber freigelassen worden. In der Folge leitete er das politische Büro der Taliban in Katar und unterzeichnete im Februar 2020 das Abkommen mit der damaligen US-Regierung unter Präsident Donald Trump über den Abzug der US-Truppen.

Leyen bestätigt Gespräche mit Taliban

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat derweil Gespräche mit den neuen Machthabern in Afghanistan bestätigt. Beim Besuch eines zentralen Aufnahmelagers für afghanische EU-Mitarbeiter in Spanien sagte sie, die Verhandlungen mit den Taliban bedeuteten aber keineswegs eine Anerkennung der neuen Führung. Es gehe in erster Linie darum, die Evakuierungen zu erleichtern. Von der Leyen stellte Afghanistan zudem eine Milliarde Euro für humanitäre Hilfe in Aussicht. Es werde aber kein Geld geben, wenn die Taliban die Menschenrechte nicht respektierten.

Weitere Bundeswehr-Maschine in Usbekistan gelandet

Unterdessen ist in der usbekischen Hauptstadt Taschkent am Samstagabend eine weitere Bundeswehr-Maschine mit 205 Menschen aus Afghanistan gelandet. Das teilte die Bundeswehr auf Twitter mit. Taschkent, liegt etwa 75 Flugminuten von der afghanischen Hauptstadt Kabul entfernt. Laut Bundeswehr wurden von ihr inzwischen deutlich mehr als 2.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Die Lage am Flughafen Kabul bleibt aber gefährlich. Das Auswärtige Amt twitterte, die Tore des Airports würden kurzfristig geöffnet und geschlossen. Zuvor hatten zwei Bundeswehr-Flugzeuge insgesamt nur 15 Menschen mitnehmen können. Die deutsche Botschaft in Kabul riet den Menschen, es sei sicherer, zu Hause zu bleiben. Auch die US-Behörden riefen die Landesleute auf, den Flughafen möglichst zu meiden.

Evakuierungen jetzt auch mit Hubschraubern

Zuvor hatte die Bundeswehr auch zwei Hubschrauber nach Kabul gebracht, um dort die deutsche Evakuierungsaktion zu unterstützen. Die USA setzten bereits Hubschrauber ein, etwa um US-Bürger vom "Baron Hotel" in der Nähe des Kabuler Flughafens abzuholen. Nach den Angaben von Pentagon-Sprecher John Kirby war wegen der "großen Menschenmenge" am Flughafen kein Durchkommen.

Auf dem Weg zum Flughafen war am Freitag ein Deutscher angeschossen, allerdings nicht lebensgefährlich verletzt worden. Ein weiterer Deutscher erlitt nach ZDF-Informationen in der Nähe des Flughafens leichte Verletzungen.

Möglicher Widerstand im Pandschir-Tal

Im Pandschir-Tal im Nordosten von Kabul könnte es derweil noch Widerstand gegen die Taliban geben. Der Sohn von Ahmed Schah Massud, einem früheren Kriegsherrn, verkündete in der "Washington Post", als Führer der Tadschiken habe er die nötigen Kräfte. In Online-Netzwerken zeigte sich Ahmed Massud auch mit dem afghanischen Ex-Vize-Präsidenten Amrullah Saleh, der sich anscheind in das Pandschir-Tal zurückgezogen und selbst Widerstand angekündigt hatte.

Der Widerstand ist aber vorerst nur verbal, da die Taliban noch nicht versucht haben, in das schwer zugängliche Tal vorzudringen. Dort gebe es derzeit keine Kämpfe, meldete die Nachrichtenagentur AFP, möglicherweise aber Scharmützel auf der Straße durch die Ebene von Schamali, einer Verbindung nach Kabul.

Quellen: reuters/ AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2021 | 12:30 Uhr

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