Militärbündnis Nato leitet Untersuchung zu Afghanistan-Einsatz ein

Das westliche Militärbündnis Nato will Lehren aus dem Afghanistan-Abzug ziehen. Generalsekretär Stoltenberg spricht von einer umfassenden Untersuchung. Die Vereinten Nationen warnen vor Armut und einem enormen Rückschritt bei der Schulbildung in Afghanistan.

Nach dem chaotischen Ende des Afghanistan-Einsatzes hat die Nato nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg "eine umfassende Untersuchung" eingeleitet. "Die Ereignisse der letzten Wochen waren tragisch für die Afghanen und erschütternd für alle, die sie unterstützen", schrieb Stoltenberg in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag". Es gebe viele schwierige Fragen bezüglich des Nato-Engagements, die man sich nun ehrlich stellen müsse. "Wir müssen Lehren daraus ziehen."

Militäreinsätze als "letztes Mittel"

Stoltenberg zufolge wird Afghanistan nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der Nato, handeln müssen. "Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will", so der Nato-Generalsekretär. Militäreinsätze seien "grundsätzlich das letzte Mittel, manchmal aber doch die einzig vernünftige Antwort".

Nach dem Abzug der Nato-Truppen und der Machtübernahme der Taliban droht Afghanistan nach Ansicht der UN-Entwicklungsbehörde eine allgemeine Armut und ein Bildungsnotstand. Das Land bewege sich auf eine Armutsrate von 97 bis 98 Prozent zu, erklärte Kanni Wignaraja. Sie ist Asien-Pazifik-Direktorin der Entwicklungsbehörde der Vereinten Nationen.

Errungenschaften in der Bildung in Gefahr

Die UN-Bildungsorganisation sorgt sich um die in 20 Jahren erzielten Fortschritte im Schulwesen. In einem am Freitag vorgelegten Bericht erinnert die Unesco an den Zustand des Schulsystems nach dem Sturz der ersten Taliban-Herrschaft im Jahr 2001: Damals hätten Mädchen nicht zur Schule gehen dürfen, inzwischen seien es 2,5 Millionen. Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay sagte, was in Afghanistan auf dem Spiel stehe, sei die absolute Notwendigkeit, Errungenschaften in der Bildung zu erhalten.

Quellen: AP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | ARD Infonacht | 11. September 2021 | 04:00 Uhr

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