Nach Ankündigung der USA Nato beschließt Truppenabzug aus Afghanistan

Die 30 Nato-Mitglieder haben den vollständigen Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan ab dem 1. Mai beschlossen. Der Beschluss war unvermeidlich, nachdem der größte Truppensteller USA seinen Rückzug verkündet hatte. Wie es mit der jungen Demokratie und den Menschenrechten in dem Land weitergeht, ist ungewiss.

Lloyd Austin (l), Verteidigungsminister der USA, und Jens Stoltenberg, Generalsekretär der NATO, kommen zu Gesprächen ins NATO-Hauptquartier.
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor den Beratungen zum Truppenabzug im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Bildrechte: dpa

Nach der Ankündigung der USA hat auch die Nato den vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan beschlossen. Wie das Militärbündnis am Mittwochabend mitteilte, einigten sich die Außen- und Verteidigungsminister der 30 Nato-Länder darauf, am 1. Mai "geordnet, koordiniert und überlegt" mit dem Truppenabzug zu beginnen. Alle Nato-Truppen sollen Afghanistan demnach "innerhalb weniger Monate" verlassen.

Bidens Abzugsankündigung gibt den Anstoß

US-Präsident Joe Biden hatte zuvor ankündigen lassen, dass die USA als das Land mit dem größten Truppenkontingent in Afghanistan ihre Soldaten bis zum 11. September 2021 nach Hause holen wollen. Es ist der 20. Jahrestag der Al-Kaida-Terroranschläge von New York und Washington. Sie waren der Anlass für die Einsätze am Hindukusch. Für die Partnerstaaten der USA wäre eine Fortführung des Afghanistan-Einsatzes nach einem US-Abzug nur noch mit erheblichen Zusatzkosten und Risiken möglich gewesen.

Noch 10.000 Soldaten am Hindukusch

Derzeit sind noch etwa 10.000 reguläre Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan stationiert. Sie sollen die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten wie die Taliban unterstützen. Deutschland hat zurzeit rund 1.100 Soldaten vor Ort und ist damit der zweitgrößte Truppensteller nach den USA.

Kramp-Karrenbauer: Gemeinsam rein, gemeinsam raus

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte in der ARD, sie stehe für einen geordneten Abzug. "Wir haben immer gesagt, wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus." Mit der Entscheidung endet für die Bundeswehr der verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte. 59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, 35 fielen in Gefechten oder bei Anschlägen.

Gefahr für afghanische Demokratie

Mit Spannung wird nun erwartet, welche Konsequenzen die Abzugsentscheidung für die laufenden Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den islamistisch-terroristischen Taliban hat. Es wird befürchtet, dass die Taliban kurz nach einem Truppenabzug mit Waffengewalt die Macht übernehmen könnten. Für die junge Demokratie in Afghanistan und Fortschritte bei Frauenrechten oder Medienfreiheit wäre das der Todesstoß. Zudem würde sie die ohnehin latent vorhandene Massenflucht aus Afghanistan weiter verschärfen.

Quelle: MDR/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2021 | 21:30 Uhr

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