Afghanistan Taliban erklären Sieg – erste Deutsche ausgeflogen

Nach der Besetzung des Präsidentenpalastes in Kabul haben die Taliban ihren Sieg erklärt. Das Ziel sei erreicht, der Krieg in Afghanistan vorbei. Nun wolle man den Frieden wahren und mit dem Westen in Dialog treten. Doch Diplomatie scheint nicht das Mittel der Stunde zu sein. Stattdessen laufen die Evakuierungsmaßnahmen westlicher Staaten. Tausende US-Soldaten sichern den Abflug hauptsächlich diplomatischer Vertreter. Auch die ersten Deutschen wurden ausgeflogen.

Gruppe von Taliban im Präsidentenpalast.
Eine Gruppe von Taliban im Präsidentenpalast. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Botschaften westlicher Staaten geräumt

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat die Evakuierung deutscher Staatsbürger begonnen. Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, brachte ein US-Flugzeug in der Nacht 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft nach Doha im Golfemirat Katar. Am niedersächsischen Fliegerhorst in Wunstorf startete am Morgen zudem eine Bundeswehr-Maschine in Richtung Afghanistan.

Die USA haben ihre Botschaft in Kabul geräumt. Der Sender CNN berichtete, die US-amerikanische Flagge auf dem Gelände sei eingeholt worden. Auch weitere westliche Staaten haben ihre diplomatischen Vertretungen evakuiert und ihre Mitarbeiter zum Flughafen gebracht.

US-Militär kontrolliert Flughafen in Kabul

Die USA haben zugesagt, den Flughafen von Kabul so lange wie nötig zu sichern. Dafür soll die Zahl der Soldaten um 1.000 auf 6.000 erhöht werden. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums werden die US-Streitkräfte bei der Flugverkehrskontrolle von afghanischen Helfern unterstützt. Der kommerzielle Flugverkehr laufe weiter. Mehrere hundert US-Bürger und Botschaftsmitarbeiter seien bereits ausgeflogen worden.

Taliban: Der Krieg ist zu Ende

Zuvor hatten die radikalislamischen Taliban den Präsidentenpalast in Kabul besetzt und ihren Sieg erklärt. Der Krieg in Afghanistan sei beendet, verkündeten sie. Ein Sprecher sagte dem Sender Al Dschasira, in Kürze werde feststehen, wie das Land regiert werde. Sie hätten das erreicht, was sie wollten, "nämlich die Freiheit unseres Landes und die Unabhängigkeit unseres Volkes".

Am Sonntag hatten die Islamisten die Kontrolle über Kabul übernommen. Der Sprecher versicherte, dass man die Bürger und die diplomatischen Vertreter schützen werde. Man sei daran interessiert, mit allen Beteiligten Frieden zu haben. Der Kontakt zur internationalen Staatengemeinschaft werde gesucht, da man nicht in Isolation leben wolle. Probleme wolle man im Dialog lösen.

Der Sprecher fügte hinzu, die Taliban respektierten die Rechte von Frauen und Minderheiten sowie die Meinungsfreiheit – vorausgesetzt, sie entsprächen dem islamischen Recht.

Die Taliban wollen nach eigenen Angaben ein "Islamisches Emirat Afghanistan" errichten, so wie schon vor dem Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001. Damals setzten sie mit drakonischen Strafen ihre Vorstellung eines "Gottesstaats" durch: Frauen und Mädchen wurden systematisch unterdrückt, Künstler und Medien zensiert, Menschenrechtsverletzungen waren an der Tagesordnung.

UN-Sondersitzung in New York

Unterdessen forderten mehr als 60 Länder, darunter auch Deutschland, die Taliban in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, Afghanen und anderen Staatsbürger zu erlauben, das Land zu verlassen. Flughäfen und Grenzübergänge müssten geöffnet bleiben.

Am heutigen Montag will sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Afghanistan befassen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich tief besorgt und rief die Taliban zu "äußerster Zurückhaltung" auf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2021 | 06:30 Uhr

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