Afghanistan Taliban erobern offenbar Pandschir-Tal

Die Taliban wollen den letzten Widerstand in Afghanistan besiegt haben. Sie verkündeten die Einnahme des Pandschir-Tals, wo sich eine Widerstandsbewegung formiert hatte. Der UNO wiederum versicherten sie, humanitäre Helfer seien sicher. Um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, will Deutschland über die WHO-Luftbrücke Mittel nach Afghanistan schicken.

Milizionäre der Miliz von Massoud, Sohn des verstorbenen Shah Massoud, nehmen an einer Trainingsübung in der Provinz Pandschir teil.
Milizionäre der Miliz von Massoud bei einer Trainingsübung in der Provinz Pandschir. Aufnahme vom 30. August 2021. Bildrechte: dpa

  • Die Taliban nehmen nach eigenen Angaben letzte Bastion des Widerstandes, das Pandschir-Tal, ein.
  • Humanitären Helfern in Afghanistan versprechen sie nach UN-Angaben Sicherheit.
  • Bundesregierung will sich über WHO-Luftbrücke an Hilfen für Afghanen beteiligen.

Die militant-islamistischen Taliban haben nach eigenen Angaben das Pandschir-Tal eingenommen - die letzte nicht vollständig unter ihrer Kontrolle stehende Region. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Erklärung hervor. Einem Taliban-Sprecher zufolge wurden inzwischen alle Distrikte von Pandschir erobert. "Mit diesem Sieg ist unser Land vollständig aus dem Sumpf des Krieges befreit", hieß es.

Die Nationale Widerstandsfront Afghanistans (NRF), die die Region gegen die Taliban verteidigt hatte, bestritt dies jedoch. Ihr Sprecher war bei einem Gefecht am Sonntag getötet worden. Er hatte auch an Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban im katarischen Doha teilgenommen.

Pandschir-Tal Das Pandschir-Tal war bereits in den 90er-Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten und bislang noch nie unter deren Kontrolle. Vor drei Wochen hatte sich mit Tal die NRF unter Führung des Sohnes des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen Vizepräsidenten Amrullah Saleh formiert. Sie besteht aus ehemaligen Regierungsmitgliedern, Überresten von Spezialeinheiten der afghanischen Armee und der Miliz um Massud, dessen Vater kämpfte in den 1990er-Jahren im Pandschir-Tal gegen die Taliban kämpfte.

UN: Helfern Sicherheit versprochen

Während die kämpferischen Auseinandersetzungen in Afghanistan offenbar anhalten, haben die Taliban der UNO zugesichert, für die Sicherheit von humanitären Helfern in Afghanistan zu sorgen. Das teilte ein UN-Sprecher nach einem Austausch mit den Taliban mit.

Deutschland will über WHO-Luftbrücke helfen

Entwicklungsminister Gerd Müller plädierte dafür, Hilfslieferungen der Bundesregierung für Afghanistan über eine Luftbrücke der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abzuwickeln. Der "Rheinischen Post" sagte der CSU-Politiker, "Wir haben die Menschen in Afghanistan nicht vergessen. Und deshalb habe ich mit WHO-Präsident Tedros besprochen, dass wir die geplante Luftbrücke der WHO zur Versorgung von Krankenhäusern mit Medikamenten und Impfstoffen unterstützen". Um eine Hungerkatastrophe zu verhindern, werde auch die Unterstützung für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, UNICEF und erfahrene Nichtregierungsorganisationen wie die Deutsche Welthungerhilfe oder Ärzte ohne Grenzen forciert.

Quelle: reuters, AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: 06. September 2021 | 08:30 Uhr

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