Afghanistan US-Militär fliegt Luftangriff auf verdächtiges Fahrzeug in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die USA mit einer Drohne einen Luftangriff auf ein "verdächtiges Fahrzeug" geflogen. Nach eigenen Angaben wurde damit ein neuer Anschlag der Terror-Miliz IS verhindert. Zuvor hatte es erneut Warnungen vor Terror-Anschlägen am Flughafen gegeben.

Soldaten der 16 Air Assault Brigade der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs (British Armed Forces) gehen nach ihrer Mission zur Hilfe bei der Evakuierung von Menschen vom Flughafen Kabul in Afghanistan nach ihrer Ankunft in einem Voyager Flugzeug auf der Militärbasis Royal Air Force Station Brize Norton.
Am Samstag flog die letzte britische Maschine mit Soldaten aus Kabul ab. Die US-Truppen sollen bis spätestens Dienstag folgen. Bildrechte: dpa

Die USA haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul einen Luftangriff auf ein verdächtiges Fahrzeug geflogen. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, feuerte eine Drohne auf ein Auto, das die USA dem örtlichen Ableger der IS-Terrormiliz zurechneten. Dadurch sei eine unmittelbare Bedrohung für den Flughafen Kabul abgewendet worden.

Nach dem Angriff kam es nach US-Angaben zu einer "bedeutenden Explosion". Daher sei davon auszugehen, dass sich in dem Auto eine große Menge Sprengstoff befunden habe. Derzeit werde geprüft, ob es bei dem Angriff zivile Opfer gegeben habe.

Biden drohte mit Luftschlägen

US-Präsident Joe Biden hatte wenige Stunden zuvor den IS-Terroristen in Afghanistan mit weiteren Luftschlägen gedroht. Man werde alle jagen, die in die Anschläge am Flughafen von Kabul verwickelt gewesen seien. Dieser hat nach jüngsten Berichten vom Sonntag mindestens 183 Menschenleben gekostet, unter ihnen elf US-Soldaten und zwei Soldatinnen.

Bei dem Drohnen-Angriff am Samstag wurden nach Angaben des US-Militärs zwei ranghohe Mitglieder der Miliz "Islamischer Staat Provinz Chorasan" (IS-K) getötet. Einer soll die beiden Anschläge in Kabul geplant, der andere mit vorbereitet haben.

Warnung vor neuen Anschlägen

Biden warnte zugleich vor neuen Anschlägen durch IS-Terroristen in den nächsten 24 bis 36 Stunden, während die US-Truppen das Ende ihrer Evakuierungsmission vorbereiten. Auch die Taliban warnten vor neuen Angriffen am Flughafen. Wie der arabische Sender Al-Dschasira am Sonntag berichtete, schätzen die Islamisten die Gefahr als sehr hoch ein. Die US-Botschaft in Kabul wies am Samstag ihre Bürger an, die Gegend um den Flughafen umgehend zu verlassen, da mit weiteren Attentaten zu rechnen sei.

Vereinbarung mit den Taliban

Solche Warnungen hatten in den vergangenen Tagen immer wieder die von den USA koordinierten Evakuierungsflüge beeinträchtigt. Deshalb sind die US-Truppen zu einer Zusammenarbeit mit den Taliban gezwungen, die vor zwei Wochen die Macht in der afghanischen Hauptstadt Kabul übernommen hatten.

Nach deren Angaben haben sie mit den USA eine Übergabe des Flughafens vereinbart. "Wir warten auf das abschließende Kopfnicken der Amerikaner, um die vollständige Kontrolle über den Kabuler Flughafen zu übernehmen."

Maas auf Reise in afghanische Nachbarstaaten

Unterdessen ist Bundesaußenminister Heiko Maas auf seiner Reise zu den Nachbarstaaten Afghanistans in der Türkei angekommen. Das Land hat zwar keine Grenze zu Afghanistan, hat sich aber Maas zufolge bereits erklärt, bei einem Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul zu helfen. Auch Deutschland wolle sich beteiligen, sowohl finanziell als auch technisch.

In den kommenden Tagen will Maas nach Tadschikistan, Usbekistan, Pakistan und Katar reisen. Dort wolle er Gespräche führen, "damit Afghaninnen und Afghanen von der Grenze schnell und sicher zu unseren Botschaften gelangen können", schrieb er bei Twitter.

UN-Dringlichkeitssitzung am Montag

Frankreich und Großbritannien wollen am Montag bei einer Dringlichkeitssitzung der Vereinten Nationen per Resolution vorschlagen, eine Sicherheitszone in Kabul unter Kontrolle der UNO zu schaffen, um humanitäre Operationen fortsetzen zu können.

Dem Verteidigungsministerium zufolge hatte die Bundeswehr mit 37 Flügen mehr als 5.300 Menschen aus 45 Nationen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht, unter ihnen 500 deutsche und 4.000 afghanische Staatsbürger.

Quelle: AFP, Reuters, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2021 | 17:00 Uhr

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