Atomwaffen Friedensforscher besorgt über atomares Wettrüsten

Trotz eines kontinuierlichen Abbaus der Atomwaffen-Arsenale seit dem Kalten Krieg ist der Trend im vergangenen Jahr ins Stocken geraten. Zwar sank die Zahl der Atomsprengköpfe, jedoch wurden mehr der Waffen in Einsatzbereitschaft versetzt. Friedensforscher sind angesichts der Trendwende besorgt.

Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe über dem Testgelände in der Wüste von Nevada auf.
Explosion einer Atombombe über dem Testgelände in der Wüste von Nevada. Die Atomwaffen-Bestände werden nach Angaben des Instituts Sipri gerade modernisiert. Bildrechte: dpa

Führende Friedensforscher sehen Anzeichen für eine gefährliche Trendwende in den weltweiten Beständen an Atomwaffen. Zwar ging die Gesamtzahl der atomaren Sprengköpfe weiter zurück, wie aus dem Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht. Nach Schätzungen gibt es davon nun noch etwa 13.080.

Allerdings sind mehr Atomwaffen einsatzbereit als noch vor einem Jahr. Die Verringerung einsetzbarer Sprengköpfe scheine ins Stocken geraten zu sein, so der Bericht. Die Zahl der einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe stieg demnach von 3.720 im vergangenen Jahr auf 3.825.

Programme zur Modernisierung von Atomwaffen

Gleichzeitig laufen Sipri zufolge umfassende Programme zur Modernisierung. "Wenn man nur auf die Gesamtzahl der Atomwaffen schaut, sieht das Abrüstungsbild viel besser aus, als es eigentlich ist", sagte Sipri-Experte Matt Korda der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl gehe aber nur deshalb zurück, weil die beiden größten Atommächte USA und Russland alte Sprengköpfe ausmusterten. Sowohl die USA und Russland als auch praktisch jeder andere atomar bewaffnete Staat sei mitten in teuren und umfangreichen nuklearen Modernisierungskampagnen.

Ziel der Programme sei es, Atomsprengköpfe, Raketen- und Flugzeugträgersysteme sowie Produktionsanlagen zu ersetzen und zu modernisieren. Russland und die USA besitzen zusammen über 90 Prozent der weltweiten Atomwaffen. Die russischen Truppen sollen über 6.255 atomare Sprengköpfe verfügen, die US-Armee über 5.550.

Abrüstungstrend zum Teil umgekehrt

Während andere Länder ungeduldig auf Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung warteten, investierten alle Atommächte in die langfristige Zukunft ihrer nuklearen Arsenale, sagte Korda. Damit werde die Kluft noch größer. Der Trend, die Zahlen zu reduzieren und den Atomarsenalen eine geringere Rolle beizumessen, sei nun mutmaßlich gestoppt – und in manchen Fällen gar umgekehrt worden.

Quellen: AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | ARD-Infonacht | 14. Juni 2021 | 01:00 Uhr

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