Machtwechel Sozialdemokraten gewinnen Wahl in Australien

Australiens Premierminister Scott Morrison ist bei der Parlamentswahl abgewählt worden. Hochrechnungen zufolge gewann sein Herausforderer, der Oppositionsführer Anthony Albanese, mit seiner Labor-Partei die Wahl. Nach Zahlen des Senders ABC werde die Partei zumindest eine Minderheitsregierung bilden können. Möglicherweise reiche es auch für eine Mehrheitsregierung. Wichtiges Thema im Wahlkampf war die Klimakrise.

Anthony Alabanese, Labor Party Australien
Strahlender Sieger: Anthony Albanese von der sozialdemokratischen Labor Party wird nach Hochrechnungen neuer Premierminister von Australien. Bildrechte: IMAGO/AAP

In Australien kehrt die sozialdemokratische Labor-Partei nach fast zehn Jahren an die Macht zurück. Nach Zahlen des Fernsehsenders ABC wird Oppositionsführer Anthony Albanese der neue Premierminister des Landes. Der 59-Jährige löst den Konservativen Scott Morrison (Liberale Partei) als Regierungschef ab. Morrison räumte seine Niederlage ein und erklärte, er habe Albanese am Telefon zum Sieg gratuliert.

Labor mit Chancen auf absolute Mehrheit

"Dies ist eine schwere Nacht für die Liberalen", sagte der 54-Jährige, der seinen Rücktritt vom Parteivorsitz ankündigte. Es sei ein Privileg gewesen, "diese großartige Nation zu führen". Morrison war seit 2018 im Amt. Mit Tränen in den Augen erklärte Albanese unter dem Jubel seiner Anhänger: "Dieser Sieg erfüllt mich mit Demut, und ich fühle mich geehrt, die Chance zu erhalten, als 31. Premierminister Australiens zu dienen." Er versprach, Einheit und Optimismus zu fördern und die Klimakrise anzugehen.

Nach ABC-Berechnungen wird Labor mindestens eine Minderheitsregierung bilden können, möglicherweise reicht es auch für eine Mehrheitsregierung. Am späten Abend hatte die Partei 72 Sitze im Unterhaus sicher. Die Mehrheit liegt bei 76 Sitzen. Die konservative Koalition aus Liberalen und Nationalen, die seit 2013 gemeinsam regiert, kommt nach diesen Zahlen zunächst nur auf 55 Mandate. Sie kann keine Mehrheit mehr bekommen.

Klimakrise als Wahlkampfthema

Hauptthema im Wahlkampf waren die Wirtschaftslage und die Klimakrise – vor allem nach den jüngsten verheerenden Überschwemmungen an der Ostküste. Das Land leidet seit Jahren aber auch unter schweren Dürren und zerstörerischen Buschbränden, unter Korallenbleichen am Great Barrier Reef und Baumsterben in den Regenwäldern. Gleichzeitig hat Australien eine der höchsten CO2-Emissionen pro Kopf und ist einer der größten Kohleexporteure der Welt.

Morrison war stets ein Unterstützer der einflussreichen Kohleindustrie und viele Mitglieder der Liberalen gelten als Leugner des Klimawandels. Albanese, der seit 1996 im Repräsentantenhaus sitzt, versprach hingegen, den Kampf gegen den Klimawandel zu einem zentralen Punkt seiner Amtszeit zu machen, sollte er gewählt werden.

Rund 17 Millionen Australier waren zur Wahl aufgerufen. In "Down Under" herrscht Wahlpflicht – wer sich weigert, muss 20 australische Dollar (13,30 Euro) Strafe zahlen. Der fünfte Kontinent ist mehr als 20-mal so groß wie Deutschland, hat aber nur rund 25 Millionen Einwohner.

dpa(jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2022 | 15:00 Uhr

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