Verhandlungen Barnier: Brexit-Handelsabkommen derzeit unwahrscheinlich

Noch ist Großbritannien trotz Brexits im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Doch zum Jahresende ist diese Übergangsfrist vorbei. Dann soll ein Handelsabkommen die Wirtschaftsbeziehungen beider Seiten regeln. Aus EU-Sicht stehen die Chancen dafür schlecht.

Der Brexit-Chefunterhändler der EU, Michel Barnier, hält eine Einigung mit Großbritannien über ein Handelsabkommen nach dem EU-Austritt zum jetzigen Zeitpunkt für "unwahrscheinlich". Barnier sagte nach einer weiteren Verhandlungsrunde in London, die britische Regierung weigere sich, "sich zu offenen und fairen Wettbewerbsbedingungen und einem ausgewogenen Fischereiabkommen zu verpflichten".

Barnier: Briten nicht bereit für einen Ausweg

Barnier fügte hinzu, es gebe auch keinerlei Fortschritte in der Frage der Gewährleistung von Fairness bei staatlichen Beihilfen. London zeige keine Bereitschaft für einen Ausweg aus der Sackgasse. Dabei gehe die Zeit für Antworten schnell zur Neige. Nach Ansicht der EU müsste ein Vertrag bis Ende Oktober fertig sein.

London äußert sich optimistischer

Der Verhandlungsführer der Briten, David Frost, äußerte sich optimistischer. Ungeachtet aller Schwierigkeiten sei eine Einigung noch im September möglich. Mit diesem Ziel vor Augen sollten die Verhandlungen weitergeführt werden. Frost verwies aber auch auf "beträchtliche offene Fragen". Die Vorschläge der EU erfüllten die britischen Forderungen nicht, als unabhängiger Staat behandelt zu werden.

Übergangsphase noch bis Jahresende

Nach dem EU-Austritt Großbritanniens am 31. Januar bleibt das Land noch bis Jahresende übergangsweise im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Danach soll ein Handelsabkommen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien regeln. Bislang blieben die Verhandlungen ohne nennenswerte Ergebnisse. London wünscht weiter einen nahezu ungehinderten Zugang britischer Unternehmen zum europäischen Binnenmarkt, Brüssel verlangt dafür im Gegenzug die Akzeptanz europäischer Sozial-, Umwelt- und Verbraucherstandards. Umstritten ist auch der künftige Zugang von EU-Fischern zu britischen Gewässern und die Schlichtung rechtlicher Streitigkeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2020 | 15:00 Uhr

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